Das bedeutet das Mercedes-Aus für die DTM

BMW, Mercedes und Audi zusammen in der DTM - 2018 ist damit Schluss

Was ist passiert?

Automobilhersteller Mercedes-Benz hat am Montagabend völlig überraschend angekündigt, zum Ende der Saison 2018 aus der Tourenwagenserie DTM auszusteigen. Stattdessen will man sich neben der Formel 1 ab der Saison 2019/20 werksseitig in der Elektroserie Formel E engagieren.

Mercedes begründete die "strategische Neuausrichtung" mit dem Ziel, seine Position im Bereich Elektromobilität zu stärken. Diese gilt in der Serienproduktion als Technik der Zukunft.

Was bedeutet der Ausstieg von Mercedes für die DTM?

Die DTM verliert das, was für die Formel 1 Ferrari ist. Mercedes war in 26 von bislang 31 Saisons dabei und führt nahezu alle Rekordstatistiken an. Zehn Fahrermeisterschaften und 13 Teamtitel sind ebenso unerreicht wie 183 Rennsiege, 128 Pole Positions sowie 540 Podestplätze.

Die Mitstreiter Audi und BMW werden nun urplötzlich vor die Frage nach ihrer eigenen Ausrichtung gestellt - und diese Gemengelage könnte gravierende Folgen für die DTM haben.

Für den früheren Formel-1-Piloten Ralf Schumacher ist der Rückzug von Mercedes nicht weniger als ein "herber Schlag für den deutschen Motorsport". Der 42-Jährige, der von 2008 bis 2012 für die Stuttgarter in der DTM hinter dem Steuer saß, fürchtet um die DTM: "Ich hoffe, Gerhard Berger hat einen Plan B. Die DTM ist eine tolle Plattform für viele Fahrer. Ein Aus wäre ein herber Verlust."


Ist die Zukunft der DTM in Gefahr?

Stand jetzt: eindeutig ja! Nach der Rückkehr von BMW 2012 einigten sich die Verantwortlichen auf den Grundsatz, dass die Serie mindestens drei konkurrierende Hersteller benötigt.

Audi und BMW nahmen den Rückzug des Kontrahenten in einer ersten Reaktion mit Bedauern zur Kenntnis und vermieden ein klares Bekenntnis zum eigenen Verbleib in der Serie.

Audi erklärte gar offen, "diese neue Situation mit allen Beteiligten zu analysieren, Lösungen zu finden und etwaige Alternativen zur DTM zu bewerten."

Auch BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt teilte mit, man werde "diese neue Situation nun bewerten". 

Letzteres wird gewiss auch die ARD tun, denn der TV-Vertrag des öffentlich-rechtlichen Senders mit der DTM läuft zum Jahresende aus. Eine Reaktion des "Ersten" gab es zunächst nicht.

Was passiert nun?

Der neue DTM-Boss Gerhard Berger hatte sich eigentlich die Optimierung der DTM in kleinen Schritten vorgenommen. Statt der Frage, ob die umstrittenen Performance-Gewichte abgeschafft werden oder wie man die Zuschauer noch näher ranholt, muss die DTM-Spitze um den früheren Formel-1-Fahrer nun schnellstmöglich einen namhaften dritten Hersteller finden. 

Dass dieser auch nur annähernd die Kragenweite von Edel-Autobauer Mercedes-Benz haben kann, ist nahezu ausgeschlossen. Genau das werden aber nicht nur die Fans, sondern auch die Premium-Hersteller Audi und BMW erwarten.


Eine lange angedachte Kooperation mit der japanischen Super GT-Serie (u.a. mit Toyota bzw. der Luxusmarke Lexus) könnte zumindest ein Kompromiss sein.

Die ITR jedenfalls versuchte nach dem Keulenschlag von Montagabend, Zuversicht zu verbreiten: "Die DTM ist eine der bedeutendsten Tourenwagen-Serien der Welt. Mercedes hat den Ausstieg mit weitem Vorlauf angekündigt. Damit bleibt der ITR Zeit, die Situation zu analysieren und ein tragfähiges Konzept für die Zukunft aufzusetzen."

Wird die Formel E nun die Motorsportserie Nummer zwei hinter der Formel 1?

Gut möglich. Renault engagiert sich bereits in der Serie, die jedoch seit ihrem Start im Herbst 2014 bei hartgesottenen Motorsportfans einen schweren Stand hat. Zu leise, zu langsam, zu sauber seien die Boliden.

Allerdings steigt Audi bereits zur kommenden Saison 2017/18 in die Formel E ein, ein Jahr später zieht BMW nach, und ab 2019/20 ist auch Mercedes mit von der Partie.

Durch diese Ballung an großen Marken ist Publicity quasi garantiert. Wenn auch noch Piloten mit großen Namen ins Cockpit steigen, könnten die Formel-E-Rennen in Weltmetropolen wie Berlin, New York oder Paris eine ganz andere Aufmerksamkeit erfahren.