Was bedeutet der verschärfte Reisehinweis für Türkei-Urlauber?

Leere Strände, wie hier bei Antalya, sind seit vergangenem Sommer Normalität. (Bild: Marius Becker/dpa)

“Erhöhte Vorsicht” sollen Deutsche derzeit in der Türkei walten lassen, mahnt Außenminister Sigmar Gabriel. Das gilt auch für die zahlreichen deutschen Touristen. Die Reisebranche gibt sich angesichts der verschärften Reisehinweise gelassen. Vielen Urlaubern ist hingegen spätestens jetzt mulmig zumute. Wir beantworten die drei wichtigsten Fragen.

Die Hinweise der Bundesregierung für Türkei-Urlauber treiben den Reisenden Sorgenfalten auf die Stirn. Sicherheitsbedenken und politische Großwetterlagen beeinflussten spürbar das Urlaubsverhalten, sagte eine Sprecherin des Deutschen Reiseverbandes DRV. Wie sich das im Einzelfall konkret auswirke, sei derzeit aber nicht abzusehen. “Das werden die Buchungen in den nächsten Tagen und Wochen zeigen

Lassen sich gebuchte Reisen jetzt kostenfrei stornieren?

Für die Gewährung kostenfreier Stornierungen oder Umbuchungen sehen Veranstalter bisher keinen Anlass. “Die Reisen für die Urlauber finden wie gebucht statt”, stellte der DRV klar. Für Stornierungen und Umbuchungen gälten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Veranstalter.

So habe das Auswärtige Amt keine Neubewertung der Sicherheitslage vorgenommen, so dass es auch keine Verschärfung der Reisehinweise und keine Reisewarnung für das Land gebe. Die großen Reiseveranstalter Tui Deutschland und Thomas Cook (Neckermann Reisen, Öger Tours) schlossen sich dieser Beurteilung an. Im Zweifelsfall sind Urlauber also auf die Kulanz der Veranstalter angewiesen.

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Peter Steudtner unterstützte einen Workshop in Istanbul – dann wurde er festgenommen. (Bild: Amnesty International/dpa)

Drohen Urlaubern vor Ort willkürliche Verhaftungen?

Spätestens seit der deutsche Menschenrechtsaktivist Peter Steudtner wegen angeblicher Terror-Unterstützung festgenommen wurde, scheint dieses Szenario auch für Sigmar Gabriel nicht mehr völlig undenkbar. Zumal sich mit dem “Welt”-Korrespondenten Deniz Yücel ein weiterer Deutscher seit Monaten in türkischer Haft befindet – ebenfalls mit fadenscheiniger Begründung. Entsprechend deutlich äußert sich das Auswärtige Amt auf seiner Homepage zur Lage:

„Zuletzt waren in der Türkei in einigen Fällen Deutsche von freiheitsentziehenden Maßnahmen betroffen, deren Grund oder Dauer nicht nachvollziehbar war. Hierbei wurde teilweise der konsularische Zugang entgegen völkerrechtlichen Verpflichtungen verweigert. Personen, die aus privaten oder geschäftlichen Gründen in die Türkei reisen, wird zu erhöhter Vorsicht geraten und empfohlen, sich auch bei kurzzeitigen Aufenthalten in die Krisenvorsorgeliste der Konsulate und der Botschaft einzutragen.“

Wie unterstützt das Auswärtige Amt Deutsche in der Türkei?

Geraten Urlauber aus Deutschland mit den türkischen Behörden in Konflikt, stehen ihnen die ständigen Vertretungen vor Ort natürlich beiseite. Deutsch-Türken hingegen, die beide Staatsbürgerschaften besitzen, können sich nicht zu 100 Prozent auf rechtlichen Beistand verlassen, wie der Fall Yücel beweist. Das Auswärtige Amt warnt vor verschiedenen Szenarien:

„Seit Anfang 2017 wurde wiederholt deutschen Staatsangehörigen an den Flughäfen in der Türkei die Einreise ohne Angabe genauer Gründe verweigert. Die betroffenen Personen mussten nach einer Wartezeit in Gewahrsam von mehreren Stunden ihre Rückreise nach Deutschland antreten. In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, dass ungeachtet des gesetzlichen Anspruchs deutscher Staatsangehöriger auf konsularischen Rat und Beistand, konsularischer Schutz gegenüber hoheitlichen Maßnahmen der türkischen Regierung und ihrer Behörden nicht in jedem Fall gewährt werden kann, wenn der oder die Betroffene auch die türkische Staatsangehörigkeit besitzt.“

mit Material der dpa

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