Wo hat Boris Becker sein Geld verloren?

Michael Prieler, Martin Volkmar
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Ein Gericht in Großbritannien erklärt Boris Becker für bankrott. Die Tennis-Ikone widerspricht der Darstellung, er ist aber nicht der einzige prominente Sportler, der finanzielle Negativschlagzeilen produziert. Auch in der Fußball-Bundesliga treiben schlechte Entscheidungen einige Profis trotz Millionengehälter in die finanzielle Klemme. SPORT1 zeigt die berühmtesten Bankrott-Sportler

Die Meldung schlug am Mittwoch wie eine Bombe ein, die weit über die Szene hinaus für Aufsehen sorgte:

Tennis-Ikone Boris Becker ist von einem englischen Gericht für zahlungsunfähig erklärt worden, weil er ausstehende Schulden bei einem privaten Bankier über Jahre hinweg nicht zurückgezahlt hatte.

Laut Daily Telegraph verlangt die Londoner Privatbank Arbuthnot Latham & Co umgerechnet rund 3,5 Millionen Euro. 

Der 49-Jährige, der in seiner Karriere rund 25 Millionen Dollar nur durch Preisgelder verdient hat, zeigte sich "überrascht und enttäuscht" über das Urteil.


Anwalt widerspricht

Zudem ließ Becker über seinen deutschen Anwalt Christian Schertz erklären, dass die Bankrotterklärung ungerechtfertigt sei.

"Medienmeldungen, wonach unser Mandant 'pleite' sei, entsprechen damit nicht der Wahrheit", teilte die Kanzlei am Mittwochabend mit:

"Das Verfahren betrifft ein Darlehen, das Herr Becker binnen eines Monats in voller Höhe zurückgezahlt hätte."

Seine Anwälte hatten das Gericht deshalb offenbar um einen Aufschub von 28 Tagen gebeten, damit Becker eine Hypothek auf seine Finca auf Mallorca aufnehmen könnte, die ihm circa sechs Millionen Euro einbringen würde. 

"Der Wert der in Rede stehenden Wertanlage übersteigt bei weitem das Darlehen bei der Bank, die Herrn Becker verklagt hat", so Schertz weiter.

Richterin Christine Derrett, die das Bankrott-Urteil fällte, erweckte dagegen einen anderen Eindruck.

Becker habe die Geld-Forderungen seit Oktober 2015 vor sich her geschoben, daher können er keinen weiteren Aufschub zugesprochen bekommen.

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen nach der Entscheidung des Londoner Konkursgerichtes.


- Ist Becker wirklich "pleite"?

Das Urteil bedeutet nicht, dass Becker zwangsläufig umgangssprachlich "pleite" ist, sondern nur, dass er Schulden nicht fristgerecht zurückgezahlt hat.

Allerdings erklärte sein Londoner Anwalt John Briggs vor Gericht vielsagend: "Er ist kein anspruchsvoller Mensch, wenn es um Finanzen geht."

Wie genau Beckers Vermögenssituation aktuell aussieht, wird er nun einem englischen Insolvenzverwalter darlegen müssen. 

"Wir werden Herrn Becker selber fragen, wem er sonst noch Geld schuldet. Wenn nicht er, wer wird es sonst wissen?", sagte Michael Gibs vom britischen "Insolvent Service" der Bild.  

Anwalt Schertz erklärte dagegen: "Tatsächlich hat mein Mandant bereits gegenüber englischen Medien erklärt, dass seine Einkünfte hinreichend veröffentlicht sind und es klar ist, dass er die Mittel hat, um diese Schuld zu begleichen."

Noch in seinem Ende 2013 erschienenen Buch "Das Leben ist kein Spiel" antwortete Becker "auf die oft gestellte Frage", ob er pleite sei: "Nein! Bin ich Milliardär? Weiß Gott nicht. Bin ich Millionär? Ja, bin ich!" 

Und erst danach verdiente er zwischen Spätherbst 2013 und im Dezember 2016 rund eine Million Dollar jährlich als Trainer des ehemaligen Weltranglistenersten Novak Djokovic.

Aktuell arbeitet Becker unter anderem mit gut dotierten Verträgen als Werbeträger für ein Poker-Online-Portal und als TV-Experte.

Diesem Job will er wie geplant ungeachtet der privaten Turbulenzen ab Anfang Juli in Wimbledon nachgehen.


- Wie hat Becker sein Geld verloren?

Becker, der 1967 in eher bescheidenen Verhältnissen im badischen Leimen geboren wurde, kostete seinen Ruhm nach seinem sensationellen Wimbledonsieg 1985 nur allzu gerne aus.

Sein luxuriöser Lebensstil ließ sich während der aktiven Karriere bei Gesamteinnahmen von geschätzt bis zu 80 Millionen Dollar und einem geschätzten Vermögen von rund 150 Millionen Euro locker refinanzieren.

Der Focus berichtete etwa davon, dass Becker damals für rund 750.000 Dollar jährlich mit Privatjet und Entourage inklusive Leibwächtern um die Welt geflogen sei.

Nach der Karriere aber nahmen die Ausgaben offenbar Überhand. So soll sich der sechsmalige Grand-Slam-Sieger beispielsweise ein Haus in London für stattliche 35.000 Euro Monatsmiete geleistet haben.


Auch Beckers Familienleben strapazierte seine Finanzen. Die Scheidung von seiner ersten Ehefrau Barbara im Jahr 2011 kostete ihn laut englischer Medien rund 15 Millionen Euro.

Dazu kamen Unterhaltszahlungen an die gemeinsamen Kinder Noah und Elias und an Beckers nicht-eheliche Tocher Anna, dessen Mutter das russische Model Angela Ermakova ist.

Zudem berichtet der Telegraph, dass der Deutsche einer Baufirma auf Mallorca wegen des Umbaus seiner Finca noch rund 400.000 Euro schulde.

Unternehmerisch bewies Becker oft kein glückliches Händchen. Ein Internet-Portal, in das er investiert hatte, floppte. Drei Autohäuser, die Becker in Mecklenburg-Vorpommern betrieb, musste er Anfang des Jahres verkaufen.

- Welche konkreten Folgen hat das Urteil auf Beckers Alltag?

Becker gilt ab sofort als nicht mehr kreditwürdig. Das hat allerdings weniger Auswirkungen auf Beckers Zahlungsfähigkeit, als viel mehr auf seinen Ruf als lebende Tennis-Legende.

Er kann aber weiter Verträge abschließen und andere rechtlich bindende Geschäfte tätigen, bleibt also "geschäftsfähig".

- Was passiert nach dem Urteil?

Eine Privat-Insolvenz führt in England innerhalb von zwölf Monaten automatisch zu einer Entschuldung, wie Andreas Grund, Fachanwalt für Insolvenzrecht, der Welt erklärte. Im Einzelfall ist demnach auch eine Verkürzung auf neun Monate möglich.

Becker drohen also aktuell keine Haftstrafe oder ähnliche gravierende Sanktionen.

- Kann die englische Bank Beckers Konten anzapfen?

Solange noch kein Insolvenzverfahren eröffnet ist, behält Becker die Hoheit über seine Finanzen.

Erst sobald ein Insolvenzverwalter eingesetzt ist, geht sämtliches Vermögen auf ihn über. Dieser muss dann versuchen, alle möglichen Werte für den Gläubiger einzuziehen.