Börsengang bringt Fondskunden mehr Vor- als Nachteile

Die Deutsche Bank bringt 25 Prozent ihrer Fondstochter DWS an die Börse. Andere Schwergewichte der Fondsbranche haben längst ihre Aktien platziert. Was der Börsengang für Fondsanleger bedeutet.

Was ist die DWS?

Die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS ist mit einem weltweit für Privat- und Großanleger verwalteten Vermögen von rund 700 Milliarden Euro die größte in Deutschland beheimatete Fondsgesellschaft. Bekannt wurde das vor 61 Jahren gegründete Haus durch Aktienfonds wie Investa, Vermögensbildungsfonds I, Akkumula, zahlreiche Rentenfonds, Immobilienfonds wie den Grundbesitz Europa oder die Riester-Renten-Produkte. Inzwischen ist der DWS Top Dividende mit 19 Milliarden Euro Fondsvolumen einer der größten Aktienfonds in Europa. Von weltweit 3800 Mitarbeitern sind nach Angaben der DWS rund 900 als "Investment professionals" mit der Analyse und Auswahl von Aktien, Anleihen, Immobilien und der Beurteilung von Anlageprodukten beschäftigt. Die bekanntesten Fondsmanager des Hauses sind Klaus Kaldemorgen (DWS Concept Kaldemorgen), Tim Albrecht (DWS Aktien Strategie Deutschland und weitere), Thomas Schüssler (DWS Top Dividende).

Mit börsennotierten Indexfonds hat sich die Deutsche-Bank-Marke db-x-trackers in Europa immerhin den zweiten Rang hinter dem Weltmarktführer BlackRock mit seiner Marke iShares, erkämpft. Beim Gesamtvermögen kommt die DWS aber in Europa nur auf Rang vier.

Was passiert im Fondsgeschäft?

Bislang haben die heimischen Bankriesen ihre Fondsanbieter immer schön unter eigener Regie gehalten und dadurch auch von den üppigen Betriebsergebnissen der Vermögensverwaltungssparten profitiert. Union Investment etwa, die Fondstochter des Volksbanken-Spitzeninstituts DZ-Bank, gab in der vergangenen Woche bekannt, dass sie 2017 mit einem verwalteten Vermögen von 324 Milliarden Euro einen Gewinn vor Steuern von 610 Millionen Euro erzielte.


In den Filialen von Banken und Sparkassen wurden lange vor allem die Fonds der eigenen Fondshäuser verkauft. Inzwischen öffnen sich aber die Banken auf für den Vertrieb hausfremder Fonds. Anleger wünschen eine breitere Auswahl an namhaften Gesellschaften, manche Banker haben es aber auch mitunter auf die höheren Provisionen abgesehen, die hausfremde Gesellschaften mitunter bieten. Die DWS hat gute Fonds und ist keiner der sehr teuren Anbieter. Mit ihrem im Vermögensverwaltungsgeschäft lange klangvollen Namen gelang es den Frankfurtern jedoch, auch mit weniger üppigen Provisionen von hausfremden Finanzverkäufern angeboten zu werden.

Die Erträge waren auch bislang schon üppig. Mit ihrem verwalteten Vermögen von 700 Milliarden Euro erzielte die DWS in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres immerhin 597 Millionen Euro Vorsteuergewinn. Je größer das verwaltete Fondsvolumen, desto besser für die DWS, denn die Einnahmen hängen im wesentlichen von der Verwaltungsvergütung sowie von mitunter zusätzlich kassierten Erfolgsprämien ab. Üblicherweise wird ein prozentualer Anteil dem Fondsvermögen von der Gesellschaft entnommen. Steigt das verwaltete Vermögen, steigen die Einnahmen, sinkt es, sinken sie entsprechend ebenfalls.


Experten erwarten vom Vermögensverwaltungsgeschäft zwar weiteres Wachstum, allerdings könnten die bislang noch sehr margenstarken aktiv gemanagten Aktienfonds durch die Konkurrenz von günstigen börsennotierten Indexfonds unter Druck geraten. Weltweit werde das verwaltete Vermögen zwar stark wachsen, von heute rund 75 Billionen Euro auf mehr als 120 Billionen Euro im Jahr 2025, prognostiziert Markus Hammer vom Wirtschaftsprüfer PWC in seiner jüngsten Studie zum Asset- und Wealth-Management. Doch Hammer warnt: Neben den Indexfonds mache den Fondshäusern die steigende Regulierung ebenso zu schaffen wie Fintechs als Konkurrenten und ein stärkeres Kostenbewusstsein der Kunden. Er erwartet, dass trotz der höheren Volumina die Gewinne der Vermögensverwalter sinken werden. Denn als neue Konkurrenten kommen die Technologie-Riesen mit ins Spiel.

Etwa der chinesische Tech-Riese Alibaba hat seine Stärke im digitalen Geschäft bereits genutzt. In einen von ihm gemanagten Geldmarktfonds investieren Anleger Milliarden. Da Facebook sich bereits 2016 in Irland eine Lizenz als Finanzdienstleister gesichert habe, sei ein Start in der Branche wahrscheinlich.


Die Fondsgesellschaft wird transparenter

Sind schon Fondsgesellschaften an der Börse?

Die angelsächsischen Konkurrenten der DWS sind häufig börsennotiert wie Blackrock, Schroders, Standard Life Aberdeen, Janus Henderson, Jupiter, Franklin Resources oder GAM. Auch die französische Amundi ist börsennotiert. Der Kurs der Aktie des weltweit größten Vermögensverwalters Blackrock hat sich seit 2013 verdoppelt. Damit ist die Aktie für Anleger bisher lukrativer gewesen als so mancher von Blackrock angebotene Fonds oder Indexnachbau (ETF).

Bei börsennotierten Fondsgesellschaften können die Mitarbeiter als Aktionäre besser am Erfolg beteiligt werden und sitzen mit den Anlegern im gleichen Boot. Machen sie einen guten Job und steigern das Anlegervermögen, steigen die Einnahmen der Fondsgesellschaft aus der jährlichen Verwaltungsvergütung. Üblicherweise legt dann der Aktienkurs zu. Bislang ist nicht zu beobachten, dass die Vermögensverwalter dadurch Nachteile hätten oder eine für Vermögensverwalter sinnvolle langfristige Anlageperspektive der Quartalsberichterstattung zum Opfer fällt.


Was allerdings auffällt: Unter den börsennotierten Fondshäusern haben sich mit Aberdeen und Standard Life sowie Janus und Henderson kürzlich vier namhafte zusammengeschlossen. Doch eine Übernahme der DWS ist ausgeschlossen. Beim Börsengang behält die Deutsche Bank weiterhin die Mehrheit und das Sagen. Großanleger kritisieren, dass der Einfluss der Deutschen Bank so groß bleibt. Durch die gewählte Rechtsform als Kommanditgesellschaft auf Aktien sei die Aktie uninteressanter, meinen manche. Andererseits hat diese Rechtsform auch dem Aktienkurs von Henkel nicht geschadet. Professionelle Anleger zucken teilweise zurück, weil sie nicht unbedingt Investments suchen, die wie der Aktienmarkt reagieren und damit eine Wette auf den Markt sind, den aktive Fondsmanager ja eigentlich schlagen wollen.

Was bedeutet es für die Fondsanleger, wenn die Fondsgesellschaft börsennotiert ist?

Die Fondsgesellschaft wird dadurch transparenter. Einnahmen und Ausgaben, Investitionen ins Geschäft, all das wird künftig auch für die DWS veröffentlicht. Bislang konnte die Deutsche Bank die genauen Zahlen ihrer Perle in einem selbst zugeschnittenen Bereich verstecken. Weniger produktive Bereiche konnten sich hinter den guten Zahlen verstecken.

Das geht jetzt nicht mehr. So wurde bereits bei der ersten Vorstellung der DWS-Zahlen Ende 2017 bekannt, wo die Gewinnbringer der DWS liegen: Es ist das Aktienfondsmanagement mit aktiv gemanagten Fonds. Sie machen zwar nur 14 Prozent der verwalteten Gelder aus, aber erzielten in den ersten neun Monaten 2017 immerhin 31 Prozent der gesamten Umsätze von 1,9 Milliarden Euro. Weniger profitabel ist das "passive" Aktienfondsmanagement mit den Indexfonds (ETF). Sie liegen zwar mit 15 Prozent des verwalteten Vermögens etwa gleichauf mit den aktiven Aktienfonds, erzielen aber nur 10 Prozent der Gesamtumsätze.


Ebenfalls hochprofitabel für die Fondsgesellschaft ist das Geschäft mit so genannten "Alternatives", zu denen etwa die Immobilienfonds zählen. Elf Prozent der Gelder machen diese "Alternatives" aus, aber kommen ebenfalls auf hohe 25 Prozent Anteil an den Umsätzen aus der Verwaltungsvergütung. Fondskosten und damit Erträge für die Fondsgesellschaft rauf, Qualität runter, damit der Aktionär zufrieden ist? Das wird bei der starken Konkurrenz am Markt nicht funktionieren. Zu hohe Kosten der Fonds ruinieren die Wertentwicklung. Und die heutige Transparenz bei den Kosten und Vorschriften bei der Beratung werden dazu führen, dass es schwerer sein wird, teure Fonds zu verkaufen. Eine Fondsgesellschaft, die auf längere Sicht ihre Fondsanleger vernachlässigt, bekommt große Probleme am Markt. Wenn die Leistung nicht stimmt, sinken die Mittelzuflüsse.

Künftig werden zahlreiche Aktienanalysten genau beobachten, wo die Schwachstellen der DWS sind. Das ist auch für Fondsanleger interessant. Letztlich muss den Aktionären daran gelegen sein, dass die Fondsanleger gut bedient werden. Sonst könnten wichtige Vertriebskanäle wie die DVAG sich nach anderen Anbietern umsehen. Etwa ein Drittel des verwalteten Vermögens stammt von freien Finanzvertrieben wie der DVAG und Vermittlern. Aus dem Deutsche Bank-Netzwerk kommen hingegen nur etwa 12 Prozent der bei der DWS angelegten Gelder, nach Zahlen vom September 2017. Komplett abhängig von ihrer Mutter ist die DWS im Vertrieb also nicht.


Aktie oder Fonds?

Nutzt die DWS das Geld aus dem Börsengang für besseres Fondsmanagement?

Die Deutsche Bank muss ihr Eigenkapital aufbessern und will dazu etwa ein Fünftel ihres Aktienbestandes an der DWS an Investoren abgeben. Über eine Börsennotierung der Aktien im Prime Standard der Deutschen Börse sollen der Bank etwa zwei Milliarden Euro zufließen. Bei der DWS kommt aus dem Börsengang hingegen kein Geld an, sie kann den Börsengang nicht nutzen, um etwa einen Wettbewerber zu übernehmen oder das Fondsmanagement zu stärken oder in IT-Projekte zu investieren.

Letztlich finanziert der Börsengang indirekt auch die Boni der Deutsche-Bank-Mitarbeiter. Aber das hat die Vermögensverwaltungssparte auch früher schon immer gemacht. Und sie wird mit ihren Dividendenausschüttungen ja auch weiterhin die Mutterbank erfreuen. Die erhoffte weltweite Expansion nach Asien, die angestrebt wird, weil dort das Vermögensverwaltungsgeschäft stärker wächst als in Europa, muss das Haus aus eigenen Mitteln finanzieren und bekommt kein Startgeld von Börsianern.

Lohnt es sich, die Aktie anstelle eines Fonds zu kaufen?

Das kommt auf die Risikobereitschaft des Anlegers an und seinen Spaß an der Geldanlage. Wer seine Geldanlage lieber Experten überlässt, denen er bei der Auswahl von Aktien und Anleihen mehr zutraut als sich selbst, der kauft einen Fonds und bezahlt den Fondsmanager für seine Arbeit. Wenn das Depot groß genug ist und schon verschiedene andere Aktien enthält, kann es interessant sein, auch die DWS-Aktie hinzuzufügen. Anleger werden nie auf einen Schlag alles Geld von der DWS abziehen. Deshalb ist das Geschäft der DWS relativ konjunkturunabhängig und die Erträge bleiben auch bei einem schwierigen Börsenumfeld relativ stabil.


Der DWS-Aktienkurs wird sich aber weitgehend wie die Aktienmärkte entwickeln, denn aus ihnen saugt auch die DWS noch am meisten Honig. Von den Nettogewinnen will die DWS künftig bis zu Dreiviertel als Dividende an Aktionäre auszahlen. Das ist attraktiv. Verluste am Aktienmarkt könnten ansonsten eher noch der Immobilienmarkt als der Rentenmarkt ausgleichen.

Noch steht der Preis der Aktie nicht fest. Aktuell bezahlen Anleger das 19-fache des für dieses Jahr erwarteten Gewinns für BlackRock. Bei einer vernünftigen Bewertung erhält ein Anleger quasi ein Investment, das ähnlich einem Index die Kapitalmarktsituation widerspiegelt. Die Aktie ist wie ein Index, aber ohne Verwaltungskosten. Und vor Managementfehlern sind Aktienanleger ebenso wie Fondsanleger nicht gefeit.

Leiden wird der DWS-Aktienkurs, wenn prominente Fondsmanager sich verabschieden sollten. Der Weggang von Henning Gebhardt im Jahr 2016, der jahrzehntelang das Gesicht der DWS für Deutsche Aktien war, hätte dem Aktienkurs geschadet. Gebhardt managt seit 2017 Fonds für Berenberg. Aktionäre müssen sich aber darüber im Klaren sein, dass sie zunächst nur Geldgeber für die Deutsche Bank sind und kein Finanzierer eines neuen Wachstums oder von Zukäufen bei der DWS sind. Die Deutsche Bank wird mit dem Emissionserlös ihre über Jahre desaströse Bilanz aufpolieren. Bei einer weiteren Kapitalerhöhung wäre es vielleicht für sie schwieriger geworden, erneut Geld von Investoren anzulocken. Das Geld könnte in diesem Fall bei der DWS langfristig besser aufgehoben sein als bei der Deutschen Bank.