„Bedauern“, „Schmerz“, „Triebtäter“: Eine Analyse der Entschuldigungen von Matt Lauer, Harvey Weinstein und Co.

Wir sehen uns die Wörter genauer an, die Matt Lauer, Charlie Rose, Louis C.K., Harvey Weinstein und andere in ihren Entschuldigungen verwendet haben, nachdem sie der sexuellen Belästigung beschuldigt wurden. (Bild: Getty Images)

Nachdem er von der NBC wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung gefeuert wurde, äußerte sich Matt Lauer am vergangenen Donnerstag zum ersten Mal. In einer Stellungnahme an den Sender, vorgelesen von Lauers ehemaliger Co-Moderatorin bei der Today Show, Savannah Guthrie, äußerte er sein „Bedauern“ und seine „Reue“ für den „Schmerz“, den er verursacht hat. Darin stand: „An die Menschen, die ich verletzt habe, es tut mir aufrichtig leid.“ Während der verheiratete Vater von drei Kindern betonte, dass die Anschuldigungen – zu denen auch sexuelle Belästigung zählt – „unwahr“ oder „falsch eingeschätzt“ seien, gebe es „ausreichend Wahres“ in den Berichten, das ihn, wie er zugab, „peinlich“ ist und für das er sich „schämt“. Am Ende erwähnt er die „Seelen-Suche“, die er derzeit macht, um seine „besorgniserregenden Fehler“ zu untersuchen.“

Als Harvey Weinstein im Oktober der sexuellen Belästigung beschuldigt wurde, führte dies zu einer Welle von Anschuldigungen gegen zahlreiche wichtige Persönlichkeiten in der Unterhaltungsbranche. Und es wurden viele Entschuldigungen ausgesprochen, alle davon mehr oder weniger ähnlich wie die von Lauer.

Die Pressesprecher schreiben voneinander ab

Tatsächlich sind die Ähnlichkeiten zwischen diesen Stellungnahmen so auffällig, dass es schwerfällt, nicht zu glauben, dass die Verfasser nicht voneinander abschreiben und nur hier und da ein paar kleine Änderungen vornehmen: ähnliche Wörter, leicht abweichende Szenarien und variierende Grade des Bedauerns (Beispiel: „Meine Erinnerung an unsere gemeinsame Nacht“ ist anders, sagte Russell Simmons als Reaktion auf Jenny Lumets Anschuldigungen der sexuellen Belästigung am Donnerstag).

Also hat sich Yahoo Lifestyle die Entschuldigungen mehrerer Personen vorgenommen – inklusive Lauer, Weinstein, Russell Simmons, Kevin Spacey, Charlie Rose, Gene Simmons, Ben Affleck, Dustin Hoffman, Jeffrey Tambor, Louis C.K., Richard Dreyfuss und Al Franken – und die am häufigsten verwendeten Wörter darin analysiert.

Die am häufigsten verwendeten Wörter in den Entschuldigungen von Matt Lauer, Louis C.K., Harvey Weinstein und weiteren einflussreichen Männern in der Unterhaltungsbranche, die der sexuellen Belästigung beschuldigt werden. (Bild: Yahoo Lifestyle)

Dass das Wort „Frauen“ so groß in der Wort-Wolke erscheint, ist beeindruckend. Es wurde über 20 Mal verwendet. Genauso wie die Worte „es tut mir leid“ (sieben), „Bedauern“ (sechs) und „Handlungen“ (acht). Andererseits muss man schon sehr genau hinsehen – oder sogar ins Bild hineinzommen –, um das Wort „Triebtäter“ zu finden. (Es wurde insgesamt zwei Mal verwendet, beide Male von Tambor, der sagte: „Ich war nie ein Triebtäter – nie“, und dann noch einmal: „Ich bin kein Triebtäter und die Vorstellung, dass jemand mich so sehen könnte, ist sehr viel beunruhigender, als ich ausdrücken kann.“) Dies betrifft ebenso die Wörter „verletzt“ (verwendet von Franken, als er sich bei seiner USO-Kollegin Leeann Tweeden entschuldigte) und „respektlos behandelt“ (Dreyfuss, der – während er „einfühlsam“ bestritt, sich vor Autorin Jessica Teich entblößt zu haben – zugab, dass er, nachdem er in den 1970ern ein Star wurde, zu „einem Arschloch mutierte“ und sich und Frauen „respektlos behandelt“ habe).

Eine linguistische Verharmlosung

Edwin Battistella, ein Professor für Englisch und Linguistik an der Southern Oregon University, erklärt Yahoo Lifestyle, dass die Wort-Wolke „ziemlich ernüchternd“ ist.

Der Autor von „Sorry About That: The Language of Public Apology“ (Entschuldigung: Die Sprache der öffentlichen Entschuldigung), eine Studie von über 50 Entschuldigungen von Politikern, Prominenten und weiteren Personen von öffentlichem Interesse, sagt: „‚Jahre‘ und ‚Zeit‘ und ‚Vergangenheit‘ und ‚erinnern‘ stechen heraus – und die Stellungsnahmen selbst sprechen oft davon, dass diese Vorfälle in der Vergangenheit oder zu einer anderen Zeit passiert sind.“ Deshalb „bekommt man den Eindruck, dass hier versucht wird, eine Art Distanz zu schaffen.“

Er fährt fort: „Worte wie ‚Witze‘, ‚Kultur‘, ‚witzig‘, ‚einvernehmlich‘ und ‚flirtete‘ werden verwendet, um Verhalten zu verharmlosen. Wir sehen auch die Verwendung von ‚Geschichten‘, ‚Fakt‘ und ‚Dinge‘, die man ‚hört‘ oder ‚glaubt‘, die eingesetzt werden können, um Zweifel zu wecken. Das verklausulierende Verb ‚könnte‘ ist auch oft vertreten – ein weiterer Weg, um Zweifel zu streuen.“

Weiters wird „‚Respekt‘ häufiger verwendet als ‚verletzt‘“, betont er, während „vage Worte wie ‚Handlungen‘ und ‚Verhalten‘ häufiger sind als ‚Schaden‘, ‚Angst‘, ‚Schmerz‘ und ‚Triebtäter‘“.

Besser wäre echte Reue

Also was zeichnet eine gute Entschuldigung aus? Sie „sollte aufrichtig reumütig sein und Verantwortung übernehmen, ohne Entschuldigungen und Erklärungen oder jemand anderen zu beschuldigen und sie sollte den Schaden benennen, der angerichtet wurde“, sagt Battistella. „Eine gute Entschuldigung sollte auch versuchen, den Schaden wieder gut zu machen, indem sie unterschiedliche Maßnahmen verspricht.“

„Es ist auch besser, wenn der Täter das Wort ‚entschuldigen‘ benutzt, statt nur zu sagen, ‚es tut mir leid‘ oder er ‚bereut‘ es oder ‚bitte um Vergebung‘“, fügt er hinzu.

Leider scheint es so, als werde es in Zukunft noch viele Gelegenheiten für bessere Entschuldigungen geben, denn die Anschuldigungen seit Weinstein nehmen kein Ende.

Suzy Byrne