Beckmann: Ultras gegen DFB "ist ein Klassenkampf"

SPORT1

Die Diskussion zwischen Ultra-Fans und DFB beschäftigt den deutschen Fußball.

Für SPORT1-Experte Reinhold Beckmann entsprechen die verhärteten Fronten gar einem "Klassenkampf. Einige wollen, dass die Stehplätze abgeschafft werden. Denjenigen empfehle ich einen Besuch bei Arsenal. Da ist ein Besuch im Finanzzentrum Londons atmosphärischer", meinte Beckmann im CHECK24 Doppelpass und ergänzte:

"Man muss es den Ultras zugute halten, dass sie thematisieren und problematisieren. Es ist was in Bewegung. Ich finde nicht alles, was die Ultras machen, gut. Das Bild eines Fadenkreuzes (in der vergangenen Woche gegen Dietmar Hopp, Anm. d. Red.) geht nicht in unserer Zeit. Es gibt extrem unterschiedliche Auffassungen, wohin sich Fußball entwickeln soll."


Der ehemalige Leiter Innenausschuss des Deutschen Bundestags Wolfgang Bosbach sagte: "Viele Vereine freuen sich über eine aktive Fanszene. Da muss ich aber doch niemanden beleidigen oder bedrohen oder jemanden ins Fadenkreuz fassen. Es wäre gut, wenn der DFB sagen würde, dass er alle Menschen schützt, nicht nur Hopp. Jede Seite erzählt nur ihre Geschichte und lässt die Wahrheit wegfallen. "

Stein des Anstoßes für die Proteste der aktiven Fanszene ist der Ausschluss der Fans von Borussia Dortmund aus dem Gästeblock der TSG Hoffenheim in den kommenden zwei Jahren. Die Ultras der Bundesligaklubs demonstrieren deshalb seit Wochen gegen Kollektivstrafen.

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Doll will wieder "Spaß haben"

"Im November 2018 gab es eine Bewährungsstrafe gegen die BVB-Fans. Dortmund hat die akzeptiert. Ein Jahr später muss der DFB dann durchgreifen und der Aufschrei ist groß. Aber was soll der DFB denn machen?", fragte Bosbach bei SPORT1.

"Ich bin mir nicht sicher, ob man Kollektivstrafen ganz abschaffen kann. Die Vereine müssen sich alle Mühe geben, die schwarzen Schafe rauszusuchen. Ich will Konsequenzen sehen. Fritz Keller wird die Kollektivstrafe gegen den BVB nicht aufheben, schon gar nicht, wenn es ihm jetzt an den Kragen geht", meinte Bosbach.


Thomas Doll sprach derweil über Erfahrungen aus seiner Zeit als Trainer von Hannover 96 in der vergangenen Saison. "Wir haben schon damals den einen oder anderen Ruf gehört. Wie es eben mal ein bisschen abgeht. Es darf nicht unter die Gürtellinie gehen. Das macht dann keinen Spaß mehr. Ich möchte wieder Fußballspiele sehen, bei denen wir Spaß haben. Wichtig ist, dass man sich austauscht", sagte der Coach im CHECK24 Doppelpass.

Beckmann kritisiert DFB-Präsident Keller

Beckmann übte zudem Kritik an DFB-Präsident Keller: "Einige im DFB wissen nicht, wie Fans strukturiert sind. Es gibt viele Ultra-Gruppen, die sich für gute Dinge einsetzen. Es ist falsch, das zu kriminalisieren. Ich war sehr enttäuscht von Fritz Keller, der gezeigt hat, dass er wenig Ahnung von den Ultra-Szenen hat. Das hat er jetzt ein bisschen nachgeholt", sagte Beckmann. "Ich war froh, dass die Ultra-Szene gestern anders aufgetreten ist."

Anders als in der vergangenen Woche übten verschiedene Ultra-Gruppierungen am aktuellen Spieltag über kreative Banner Kritik.