Wie Becker 35 Millionen Euro Schulden anhäufte

Martin Hoffmann
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Boris Becker ist und bleibt Deutschlands Tennis-Idol. Mit seinem Wimbledon-Sieg entfacht er 1985 einen Tennis-Boom. Abseits des Platzes sorgt er immer wieder für Schlagzeilen. Diese Woche erklärt ihn ein Gericht für Bankrott. SPORT1 zeigt seine bewegte Karriere

Mit 41,774 Millionen Schweizer Franken steht Tennis-Legende Boris Becker bei einem früheren Geschäftspartner in der Kreide.

Diese horrende Summe ist an diesem Montag durch die Veröffentlichung eines Gerichts-Urteils bestätigt worden. Glück im Unglück für Becker: Besagtes Urteil verschafft ihm in seinem Kampf gegen die Schulden zumindest eine Atempause.


Becker-Partner muss auf Geld warten

"Es ist unbestritten, dass der Kläger dem Beklagten ab 2001 diverse Darlehen gewährte und sich die Darlehensschuld des Beklagten auf CHF 41 774 236,65 per 31. Dezember 2014 beläuft", zitiert die Süddeutsche Zeitung aus dem Entscheid des Kantonsgericht in Zug.

Der Kläger ist Hans-Dieter Cleven, der seine Ansprüche an Becker bereits vergangene Woche öffentlich anmeldete.

Was nun aber auch endgültig klar ist: Cleven muss vorerst noch auf sein Geld warten. Er erlitt in dem konkreten Fall eine Niederlage, die Richter vermerkten, dass Cleven seine Darlehen an Becker nie formal gekündigt hätte. Cleven kann das Urteil noch bis Ende Juli anfechten, er droht aber auf den Kosten des Verfahrens sitzen zu bleiben.


Immer mehr Darlehen seit 2001

Wie konnte Becker so einen riesigen Schuldenberg bei Cleven anhäufen? Auch darüber gibt das Urteil Aufschluss.

Der 73 Jahre alte Cleven, langjähriger Manager beim Handelsriesen Metro, war lange Zeit geschäftlich mit Becker verbunden, betrieb mit ihm gemeinsam ein Stiftung.

Den Gerichtsunterlagen zufolge lieh sich Becker seit Ende 2001 regelmäßig Geld bei Cleven: Becker lieh sich damals demnach 2,5 Millionen D-Mark, bei fünf Prozent Zinsen. Zurückzahlen wollte er sie mit Hilfe seines berühmten Werbedeals mit der Internet-Firma AOL ("Bin ich schon drin oder was?").

Becker lieh sich stattdessen immer weiter Geld, überschrieb Cleven "alle privaten Vermögenswerte" als Sicherheit und der Schuldenstand wuchs jeweils zum Jahresende immer weiter:

2002: 2,7 Millionen Euro
2004: 8,9 Millionen Euro
2006: 15,8 Millionen Euro
2008: 20,7 Millionen Euro
2010: 29,5 Millionen Euro
2012: 31,5 Millionen Euro
2014: 34,7 Millionen Euro

Atempause für Becker

Das Urteil in Sachen Becker gegen Cleven erging am 24. Oktober des vergangenen Jahres.

Cleven - der sich mit der Wiedereintreibung der Schulden lange zurückgehalten hatte - ging vergangene Woche in die Offensive, nachdem ein Londoner Gericht Becker für bankrott erklärte.


Becker wehrt sich gegen diese Feststellung. Dass er horrende Schulden hat, ist nun aber zusätzlich verbrieft.

Und trotz der Atempause, die ihm die Schweizer Richter gewährt haben, wird er sie auch irgendwann begleichen müssen.