Mit der Bechtle-Aktie von der Digitalisierung profitieren?

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Bechtle (WKN: 515870) ist ein IT-Dienstleister, der die Beschaffung und den Betrieb von IT-Infrastruktur für seine Kunden übernimmt. Bechtle unterstützt also andere Unternehmen oder öffentliche Auftraggeber dabei, ihre IT-Systeme fit für die Digitalisierung zu machen. Für die Kunden hat dies den Vorteil, einen Ansprechpartner bei allen IT-Fragen zu haben. Aufgrund des Aktiensplits diese Woche ist die sonst eher unauffällige Bechtle-Aktie in das Blickfeld der Öffentlichkeit geraten. Ein guter Anlass, das Unternehmen einmal genauer zu betrachten.

Vom Ein-Mann-Unternehmen zum größten Systemhaus Deutschlands

Seit der Gründung im Jahr 1983 hat sich Bechtle extrem gut entwickelt. Das Unternehmen hat es geschafft, sich als zuverlässiger Partner für die Erbringung von IT-Dienstleistungen und den Vertrieb von IT-Produkten zu etablieren. Dabei halfen unzählige Akquisitionen und Partnerschaften. So hat Bechtle allein seit Jahresanfang eine vertiefte Zusammenarbeit mit AWS (Cloud-Sparte von Amazon), Cisco, Dell Technologies und Dropbox verkündet und einen Spezialisten für den Vertrieb von 3D-CAD-Software übernommen.

Diese positive Unternehmensentwicklung schlägt sich in den Geschäftszahlen nieder. Die Umsätze und Vorsteuerergebnisse stiegen kontinuierlich. Im Geschäftsjahr 2020 fielen 5,8 Mrd. Euro Umsatz und 270 Mio. Euro Gewinn vor Steuern an. Im Vergleich zum Jahr 2015 ist dies mehr als eine Verdopplung. Auch der Aktienkurs hat sich stark entwickelt. Seit dem Börsengang im Jahr 2000 ergibt sich ein Kursplus von mehr als 1.000 % (Stand: 17.08.21, gilt für alle Angaben). Hinzu kommt eine Dividende, die noch nie gesenkt wurde. Im letzten Jahr entwickelte sich der Aktienkurs mit einem Plus von 9 % jedoch schlechter als zum Beispiel der DAX.

Heute ist Bechtle das größte Systemhaus Deutschlands (gemessen am Umsatz) und beschäftigt über 12.000 Mitarbeiter. Die anhaltende Digitalisierung führte dazu, dass sich die Geschäfte trotz Lieferengpässen auf dem IT-Markt auch im letzten Quartal gut entwickelten. Der Umsatz stieg um 9 %, der Vorsteuergewinn gar um 40 % gegenüber dem Vorjahr. Hierbei ist zu beachten, dass die Geschäftsentwicklung auch im Vorjahresquartal trotz der Corona-Krise positiv war.

Der Blick nach vorne

Aufgrund der zuletzt guten Quartalszahlen und eines hohen Auftragseingangs hat Bechtle seine Prognose für dieses Geschäftsjahr erhöht. Der Umsatz soll nun mit hohen einstelligen Raten wachsen, das Ergebnis vor Steuern um über 10 % zulegen.

Für das längerfristige Wachstum hat der IT-Dienstleister die Vision 2030 entwickelt. Hiernach soll das Unternehmen als Marktführer im Jahr 2030 10 Mrd. Euro Umsatz machen und einen Vorsteuergewinn von mindestens 500 Mio. Euro erzielen. Bechtle hat die Ziele der vorherigen Zehnjahrespläne für 2010 und für 2020 erreicht.

Ich halte auch ein Erreichen der Vision 2030 für realistisch, finde die Ziele jedoch wenig ambitioniert. Ausgehend von den Ergebnissen aus 2020 entspräche dies lediglich einem jährlichen Wachstum von ca. 6 % beim Umsatz und Gewinn bis zum Jahr 2030. Angesichts der Möglichkeiten rund um die Digitalisierung vieler Unternehmen hätte ich mir ehrgeizigere Ziele gewünscht. Aber das Management kann das gesteckte Ziel ja auch übertreffen.

Bewertung der Bechtle-Aktie und mein Fazit

Das KGV der Bechtle-Aktie beträgt 39 (bezogen auf das Geschäftsjahr 2020). Legt man die Vision 2030 zu Grunde, kommt man für das Jahr 2030 auf ein KGV von ungefähr 20. Ich finde, daran erkennt man gut die relativ hohe Bewertung der Aktie. Aus meiner Sicht ist Bechtle eine solide Aktie, um vom Trend der sich fortsetzenden Digitalisierung zu profitieren. Das Risiko eines starken Kursverfalls schätze ich als eher gering ein. Die Chancen sind aufgrund der bereits hohen Bewertung und des vergleichsweise geringen prognostizierten Unternehmenswachstums jedoch auch begrenzt. Daher ist die Bechtle-Aktie aktuell kein Kauf für mich.

Der Artikel Mit der Bechtle-Aktie von der Digitalisierung profitieren? ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Hendrik Vanheiden besitzt Aktien von Amazon. John Mackey, CEO von Amazon-Tochter Whole Foods Market, sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon und empfiehlt die folgenden Optionen: Long January 2022 $1920 Call auf Amazon und Short January 2022 $1940 Call auf Amazon.

Motley Fool Deutschland 2021

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