Beben an der Sand Hill Road


In Silicon Valley besitzen Risikokapitalgeber nahezu uneingeschränkte Macht. Die Bewohner einer der teuersten Straßen der Welt, der Sand Hill Road, wo alle wichtigen Finanziers der Tech-Branche residieren, entscheiden mit ihren Millionen darüber, aus welcher Start-up-Idee das nächste Google wird. Sie schaffen Karrieren. Ihr Wort ist Gesetz.

Doch das ändert sich gerade. Die Sand Hill Road bebt. Steve Jurvetson, einer der renommiertesten Investoren der Branche, verkündete nach Sexismus-Vorwürfen gegen ihn seinen Abschied von Draper Fisher Jurvetson (DFJ), einer Investorenfirma, die er selbst mitgegründet hatte. Die Sitze in den Aufsichtsräten von Elon Musks Elektroautohersteller Tesla und Raketenfirma SpaceX, gibt der 50-Jährige ebenfalls auf.

Sein Rücktritt geschehe aus „persönlichen Gründen“, erklärte der Unternehmer via Twitter. Er werde rechtliche Schritte gegen jene einleiten, „die mich diffamiert haben“. Die Anschuldigungen gegen ihn seien falsch. Hintergrund ist ein viel beachteter Beitrag bei Facebook. Vor knapp drei Wochen warnte die Unternehmerin Keri Kukral Frauen davor, sich bei DFJ um ein Investment zu bemühen. In der Firma herrsche „raubtierhaftes Verhalten“, klagte die Chefin des Streaming-Netzwerks Raw Science. Es werde versucht, Frauen „zum Schweigen zu bringen“.


Den Namen von Jurvetson nannte sie nicht explizit. Doch bereits tags darauf bestätigte dessen Firma Ermittlungen gegen den Investor. Das Unternehmen habe zwar nie eine Klage über einen ihrer Partner erhalten und im Sommer indirekt von entsprechenden Anschuldigungen erfahren, erklärte DFJ-Sprecherin Carol Wentworth. „Wir haben sofort eine interne unabhängige Untersuchung eingeleitet, die zu diesem Zeitpunkt noch läuft.“

Nun verließ der 50-Jährige seine Firma. Einflussreiche Kollegen bei DJF sprachen sich unterdessen für den geschassten Gründer aus. „Ich brauche keine Untersuchung um mit Sicherheit sagen zu können, dass dies offensichtlich falsch ist“, schrieb etwa Partnerin Heidi Roizen. Die Geschäftsfrau gilt als Verfechterin der Rechte von Frauen und lehrt an der Eliteuniversität Stanford Unternehmertum.


Der Rücktritt von Jurvetson wegen Sexismus-Vorwürfen ist kein Einzelfall. Vor ihm musste bereits Justin Caldback von Binary Capital den Job aufgeben. Sechs Frauen hatten im stets gut informierten Tech-Blog “The Information” berichtet, der Investor habe sie unangemessen behandelt, unsittlich angefasst oder sogar zum Sex zwingen wollen. Dave McClure, Gründer und ehemaliger Chef des Valley-Accelerators 500 Startups entschuldigte sich öffentlich dafür, während der Arbeit mehreren Frauen auf unprofessionelle Art und Weise begegnet zu sein. „Mein Verhalten war unentschuldbar und falsch.“