Beauty-Weltweit: Kambodscha - stylisher Schmuck aus Kriegsschrott

Kambodschanische Kunstateliers setzen mit Schmuckstücken aus Kriegsüberresten ein Zeichen der Hoffnung.

Ohrringe aus bearbeitetem Kriegsschrott. – Foto: Craftworks Cambodia

Kambodscha – das kleine Land am Golf von Thailand musste während des Vietnamkriegs die vermutlich größten Kollateralschäden in Kauf nehmen. In den 1970er Jahren haben die USA mehr als 500.000 Tonnen an Bomben auf Kambodscha abgeworfen. Allein im Jahr 1973 waren es 257.456 Tonnen – etwa doppelt so viele, wie im Zweiten Weltkrieg auf Japan fielen.

Ohrringe aus Patronenhülsen. – Foto: Craftworks Cambodia

Überreste aus dieser Zeit finden sich noch heute überall: Reisfelder sind vermint, ländliche Gegenden, in denen die Entschärfungstrupps nur langsam vorankommen, sind noch immer gefährlich. Hunde und sogar Ratten werden für die Sicherung der Minen eingesetzt, denn Kambodscha ist nicht nur eines der Länder, die während ihrer Geschichte am stärksten bombardiert wurden. Die ungesicherten Landminen verletzen noch heute so viele Leute, dass Menschen mit Amputationen überall das Stadtbild prägen. Dreißig Prozent von ihnen sind Kinder, die oft beim Spielen aus Versehen auf eine alte Mine gestoßen sind.

Kriegsschrott vor der Bearbeitung. – Foto: Craftworks Cambodia

Die Überreste der Minen und Bombengehäuse sind schmerzhafte Erinnerungsstücke an die Folgen des Vietnamkriegs und an die Terrorherrschaft Pol Pots und seiner Roten Khmer, die schätzungsweise einem Viertel der kambodschanischen Bevölkerung das Leben gekostet hat.

Aber viele kleine Kunstateliers haben sich zum Ziel gesetzt, die Geschichte umzuschreiben: Aus Überresten von Bomben, Minen und alten Kampfjets fertigen sie Ketten, Armreifen und andere filigrane Schmuckstücke. Zwei der Ateliers sind Craftworks Cambodia und Rajana Crafts.

Kunsthandwerker machen aus den Messinggehäusen Schmuckstücken, die Botschaften der Hoffnung tragen. Jeder dieser Ohrringe ist mit dem Khmer-Wort für “Frieden” beschriftet. – Foto: Ten Thousand Villages

Ehemalige Patronenhülsen, die jetzt als „Peace“-Anhänger an einer Halskette baumeln – ein Schmuckstück mit starker Symbolwirkung. Und für einige vom Krieg versehrte Kambodschaner ist die Schmuckproduktion zu einer sicheren Einkommensquelle geworden. Die Kunsthandwerker haben oft selber mit Kriegsfolgen zu kämpfen, manche leben mit Amputationen – und das in einem Land, in dem fair bezahlte Arbeit so oder so noch ein Privileg ist. Aber die Schmuckstücke sind auch ein Symbol der Resilienz und Heilung.

Ein Handwerker poliert eine alte Messinghülse. – Foto: Craftworks Cambodia

Chantha Thoeun, der seit einigen Jahren mit Craftworks Cambodia kollaboriert, erzählt:

Meine Mutter starb, als ich vier Jahre alt war. Als ich acht war, wurde mein Vater von einem Khmer-Rouge-Soldaten getötet. Es war eine schreckliche Zeit für mich. Ich war nur ein kleines Kind und wusste nicht, dass mein Vater tot war. Ich flehte ihn an aufzuwachen, aber er antwortete mir nicht.

Kunsthandwerker Chantha Thoeun mit seiner Frau und Kindern. – Foto: Craftworks Cambodia

Ich ging zu meinen Großeltern. Dort wurde ich von einer regierungsunabhängigen Organisation  unterstützt, mein Studium des Kunsthandwerks in Phnom Penh fortzusetzen. Ich begann mit dem Schmuckmachen im Alter von 14 Jahren. 2009 habe ich geheiratet. Auch meine Frau macht Schmuck aus den Kriegsüberresten. Wir haben eine Tochter und einen Sohn. Unser Handwerk erlaubt es uns, sie zur Schule zu schicken. Das Leben der Kunsthandwerker wird langsam besser. Die Fair-Trade-Praktiken garantieren uns eine faire Bezahlung für unsere Arbeit. Ich kann von zu Hause aus arbeiten. Ich habe mehr Freiheit und Unabhängigkeit – und ich kann endlich Zeit mit meinen Kindern verbringen.

Schmuck als Zeichen der Resilienz. – Foto: Craftworks Cambodia

Fotos: Craftworks Cambodia, Ten Thousand Villages