Beauty Weltweit: Kabuls Catwalks

So schillernd sind Kabuls Catwalks. – Foto: Ajmal Haqiqi

Fashion-Shows in Mailand und Paris? Kennt jeder. Aber Catwalks gibt es auch in Kabul.

Mal ganz ehrlich: Woran denken Sie, wenn Sie an Afghanistan denken? Fashion-Shows sind vermutlich nicht das erste, was Ihnen in den Kopf kommt. Viele assoziieren mit dem zentralasiatischen Land noch immer eher Taliban als Männermodels. Kabul wurde auch dieses Jahr von zahlreichen tödlichen Anschlägen erschüttert. Aber es gibt dort auch Menschen wie Ajmal Haqiqi – und die belehren uns eines Besseren.

Ajmal Haqiqi: Model und Fashion-Designer. – Foto: Ajmal Haqiqi

Ajmal Haqiqi macht Kabul zum Mode-Mekka – entgegen aller Widrigkeiten

Der 22-jährige Haqiqi ist Fashiondesigner und Männermodel und entgegen aller Widrigkeiten sicherte er der afghanischen Hauptstadt dieses Jahr ihren Platz auf der Landkarte der Mode-Mekkas.

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Die Associated Press  berichtete diesen Monat von einer traditionellen afghanischen Modenschau, organisiert durch die „Haqiqi Modeling Agency” . Zwar hat es auch in der Vergangenheit einige wenige Fashion-Shows in Afghanistan gegeben – allerdings war die Zielgruppe immer die internationale Gemeinschaft Kabuls. Haqiqis Show war die erste, die afghanische Kleidung an afghanischen Models für ein afghanisches Publikum präsentierte.

Die Models gehörten den verschiedenen Ethnien Afghanistans an. – Foto: Ajmal Haqiqi

Haqiqis Motivation ist eine ganz besondere: „Wenn sich die Afghanen nach all diesen Jahren des Krieges wieder auf ihre kulturellen und ethnischen Reichtümer besinnen, dann könnte uns das alle vereinen.“

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Noch heute gehen viele Frauen nicht ohne die blaue Burka aus dem Haus

Zwar waren die Sicherheitsvorkehrungen im Garten der Privatvilla hoch, aber das tat der guten Stimmung der rund 100 geladenen Fashion-Liebhaber keinen Abbruch. Denn noch vor ein paar Jahren, unter Herrschaft der Taliban, wäre ein solches Unterfangen undenkbar gewesen. Auch heute gehen viele Frauen nicht ohne die den kompletten Körper verhüllende blaue Burka aus dem Haus.

Die Fashion-Show fand in einer privaten Villa in Kabul statt. – Foto: Ajmal Haqiqi

Haqiqi sagte zur Associated Press, dass es dieses Risiko definitiv wert war. „Ich habe mir immer wieder gesagt: Selbst, wenn ein Selbstmordattentäter uns attackieren sollte und ich Hände und Füße verliere – ich lasse mich nicht von meinem Weg abbringen.“

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Haqiqis Kollegin, Atefa Fasihi, gab zu, dass ihr ein wenig mulmig war bei dem Gedanken eine Fashion-Show auszurichten, die zwischen bewaffnetem Personal stattfindet. „Alle hier haben Angst, aber wir wollen die afghanische Kultur endlich in ein besseres Licht rücken“, sagte sie zur Associated Press.

„Wir akzeptieren einander. Wir sind alle gleich.“

Die Models, insgesamt über zwei Dutzend Männer und sechs Frauen, gehörten den verschiedenen ethnischen Gruppen Afghanistans an. Eine Zuschauerin sagte am Ende der Show: „Das zeigt, dass wir einander akzeptieren können. Ein Model kann Tajik oder Hazara sein und jeweils die traditionelle ethnische Kleidung der anderen tragen. Wir sind alle gleich!“

 

Fashion statt religiösem Fanatismus: Ajmal Haqiqi will seine Landsleute zurück zu den Wurzeln der afghanischen Kultur führen. – Foto: Ajmal Haqiqi

Eine weitere Modeliebhaberin ist ähnlich optimistisch: „Wenn wir die Mentalität unseres Volkes nach all diesen Jahren des Krieges ändern können, dann bin ich sicher, dass wir auch bereit für eine bessere Zukunft sind.“ (ah)

Fotos: Ajmal Haqiqi, Azmari-Model-Shoots

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