Beauty-Weltweit: Japaner stehen auf Halb-Japaner

Japan ist verrückt nach gemischten Models. Laut dem Lifestyle-Magazin „Numéro Tokyo“ sollen 30 – 40 % der Laufstegmodels auf japanischen Fashion Shows einen ausländischen Elternteil haben. Abgeleitet vom englischen Wort „half“ werden Halb-Japaner als „Hafu“ bezeichnet. Auch im Fernsehen sind sie als ModeratorInnen und TV-Sternchen überrepräsentiert.

Sayumi Gunji, Herausgeber von „Numéro Tokyo“ erklärt im Interview mit CNN den Grund für die Popularität von Hafus: „Auf dem japanischen Medienmarkt werden die makellosen Züge eines Ausländers nicht ohne Weiteres akzeptiert – sie kommen unnahbar rüber. Aber gemischte Models werden bewundert. Sie sind größer, haben größere Augen, höhere Nasen und das Aussehen einer Barbie Puppe. Denn sie sehen verträumt aus, unterscheiden sich aber nicht zu sehr von Japanern.“

Noch nie zuvor war Japan so multikulturell wie heute. Das Land, das offiziell einen Ausländeranteil von gerade einmal zwei Prozent hat, erlebt gerade einen „mixed race baby boom“. Jedes Jahr werden 20.000 halb-japanische Babies geboren. Doch obwohl „Hafus“ in der Fashion-Industrie und dem Unterhaltungsbusiness so gefragt sind, werden sie im Alltag meist als „Ausländer“ diskriminiert.

Model Rina Fukushi glaubt, dass die Gesellschaft in Japan langsam offener werde. (Bild: Getty Images)

Die Regisseurinnen Megumi Nishikura und Lara Perez Takagi sind beide selbst „Hafu“ und haben 2013 den Dokumentarfilm „Hafu: The mixed race experience in Japan“ veröffentlicht. In einem Interview mit CNN erzählt Takagi: „Wie sehr sich Hafus auch versuchen anzupassen, sie fühlen sich trotzdem wie Ausländer und werden auch so behandelt.“ Der Ausdruck „Hafu“ ist mit vielen Stereotypen belastet: Hafus sind schön und Models, sprechen zwei Sprachen und haben einen europäisch-aussehenden Vater. Die Realität sieht anders aus: Nur ein Bruchteil modelt und die meisten Ehen werden zwischen japanischen Männern und asiatischen Frauen aus Korea, China oder den Philippinen geschlossen.

Der Schauspieler Shirota Yu hat einen japanischen Vater und eine spanische Mutter und gilt als Sexsymbol schlechthin. @yamaguchimayu5

Das 18-jährige Model Rina Fukushi, Tochter eines US-Japaner und einer Philippinerin, erzählte CNN, dass sie in der Schule gehänselt wurde weil sie ausländisch aussah. Trotzdem glaubt sie, dass sich die Gesellschaft in Japan zum Guten wandle. „Die Leute sagen heute, gemischt zu sein sei cool.“

Die Hafu-Regisseurin Megumi Nishikura ist anderer Meinung. Dem kanadischen Online-Portal „The Bulletin“ sagte sie: „Ich dachte, dass gemischte Japaner durch all die „hafu faces“ im TV mehr geschätzt würden. Aber meine persönliche Erfahrung sagt, dass sich nicht wirklich etwas ändert.“

Blondiertes Haar, große Augen und eine europäische Nase: Fernsehstar Rola ist ein Schönheitsidol für viele junge Japanerinnen. Ihr Vater stammt aus Bangladesch, ihre Mutter hat neben japanischen auch russische Wurzeln. (Bild: Getty Images)

Auf Instagram finden sich 21.210 Beiträge zum Suchbegriff „hafu“. Das Internet wimmelt von Schminkanleitungen für den „hafu look“: Kulleraugen, Kontaktlinsen und blondiertes Haar. Auch Männer bleiben von diesem Schönheitstrend nicht verschont. Kaukasisch aussehende Männer gelten als besonders attraktiv und begehrenswert.

the 2015 Miss Universe Pageant at The Axis at Planet Hollywood Resort & Casino on December 20, 2015 in Las Vegas, Nevada.

Das Model Ariyana Miyamoto wurde 2015 zur Miss Japan gekürt – als Tochter einer Japanerin und eines Afroamerikaners. Es hagelte massenweise Kritik. „Sie sieht nicht japanisch genug aus“, war das netteste, was die junge Frau sich nach ihrem Sieg anhören musste. Bösere Zungen zischten, ihr Mund sei zu groß, die Haut zu dunkel und sie sehe aus wie eine Ameise. Während die japanische Presse versuchte, sie zu ignorieren, stürzten sich westliche Medien auf ihre Erfolgsgeschichte. Der Nachrichtenagentur Reuters erzählte Miyamoto, dass sie als Kind von Mitschülern gemieden worden war, weil diese Angst hatten ihre Hautfarbe könne abfärben. Sie habe das schließlich so satt gehabt, dass sie an eine High School in den USA wechselte.

Der AFP erzählte sie: „Ich möchte eine Revolution starten. Ich kann diese Dinge nicht über Nacht ändern, aber in einhundert bis zweihundert Jahren wird es wenige „echte“ Japaner geben. Deswegen müssen wir unsere Denkweise ändern.“

Fotos: Instagram