Beate Zschäpe wollte laut Bundesanwaltschaft NSU-Opfer bewusst "verhöhnen"

Beate Zschäpe vor Gericht

Die Bundesanwaltschaft hat der mutmaßlichen Rechtsterroristin Beate Zschäpe vorgeworfen, bis zum Schluss hinter den Zielen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) gestanden zu haben. Dies zeige sich auch daran, dass Zschäpe nach dem Tod von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt noch Bekennervideos zu den Mordtaten des NSU versandt habe, sagte Oberstaatsanwältin Anette Greger am Donnerstag im NSU-Prozess München vor dem Oberlandesgericht München.

Zschäpe habe nach dem Tod von Böhnhardt und Mundlos im November 2011 die Möglichkeit gehabt, einen Schlussstrich zu ziehen. Stattdessen sei es ihr darauf angekommen, die Opfer des NSU zu "verhöhnen". Deshalb habe sie möglichst viele Bekenner-DVDs mit Bildern der vom NSU Ermordeten in ihrem Blut verschickt. Dass Zschäpe angegeben hatte, sie habe geglaubt, die Filme seien ein Bekenntnis zu den Raubüberfällen des NSU, nannte Greger absurd.

Die Oberstaatsanwältin sagte, Zschäpe habe auch ein Zeitungsarchiv mit Berichten über die Morde und Bombenanschläge des NSU geführt und dieses immer nach den jeweiligen Taten aktualisiert. Zschäpe hatte hingegen erklärt, zum Teil erst lange nach den Taten davon erfahren zu haben.

Das Plädoyer der Anklage ging am Donnerstag in seinen dritten Tag. Die Bundesanwaltschaft führte alle zehn NSU-Morde und die Bombenanschläge in Köln in ihrem Plädoyer auf und schilderte die Folgen für die Opfer und deren Angehörigen.

Die Oberstaatsanwältin widersprach energisch der These, das NSU-Trio könnte an den Tatorten über Hintermänner aus der rechten Szene verfügt haben. Greger sagte, einige Rechtsanwälte hätten ihren Mandanten offenbar solche Hintermänner versprochen - darauf hätten sich aber weder im Prozess noch bei den Ermittlungen Hinweise ergeben. Auch eine Verwicklung eines V-Mannes, der beim Mord an Halit Yozgat in Kassel zur Tatzeit in dessen Internetcafés war, schloss Greger aus.

Nebenklageanwalt Sebastian Scharmer warf der Bundesanwaltschaft hingegen vor, zu ignorieren, dass es "zahlreiche Beweismittel" gebe, die auf Unterstützer des NSU an den jeweiligen Tatorten hindeuteten. Der Generalbundesanwalt sei verantwortlich, dass die Hinweise auf mögliche Hintermänner nicht angemessen verfolgt worden seien, erklärte Scharmer in einer Mitteilung.

Das Plädoyer wird am Montag oder Dienstag, den beiden verbleibenden Verhandlungstagen vor einer vierwöchigen Sommerpause, abgeschlossen. Wie der Berliner "Tagesspiegel" berichtete, schickte Scharmer an das Gericht ein Schreiben zum erwartenden Umfang der Plädoyers der Nebenkläger.

Demnach listete Scharmer 50 Juristen auf, die nacheinander vortragen wollen. Die angemeldeten Plädoyers könnten demnach in der Summe etwa 55 Stunden und damit nach Verhandlungstagen etwa einen Monat in Anspruch nehmen. Allerdings sei unklar, ob nicht noch weitere Nebenkläger ein Plädoyer halten wollten.

Die Plädoyers der Nebenkläger sollen nach der Sommerpause beginnen, diese geht bis Ende August. Nach den Nebenklägern halten die Verteidiger der fünf Angeklagten ihre Schlussvorträge.