Beate Uhse stellt Insolvenzantrag

Kaum ein anderes Unternehmen stand so für Sex und Freizügigkeit in Deutschland wie Beate Uhse. Doch in den vergangenen Jahren stand es schlecht um den Konzern schlecht - jetzt macht er endgültig schlapp.

Der Erotikhändler Beate Uhse will Insolvenz beantragen. „Der Vorstand der Beate Uhse AG, Michael Specht, hat sich zu diesem Schritt entschlossen, um die Sanierung der gesamten Gruppe in Eigenverwaltung nachhaltig umzusetzen“, teilte die Beate Uhse AG am Freitag in Flensburg mit. Die Insolvenzanmeldung betreffe ausschließlich die Beate Uhse AG in ihrer Funktion als Holding, für die Tochtergesellschaften der Beate Uhse AG werde keine Insolvenz beantragt. „Damit halten die operativen Gesellschaften in Deutschland und den Niederlanden ihren Geschäftsbetrieb uneingeschränkt aufrecht und die Handlungsfähigkeit wird gesichert.“

Hintergrund des Insolvenzantrags sind gescheiterte Bemühungen, eine Umschuldung im Zusammenhang mit einer Anleihe im Volumen von 30 Millionen Euro zu erreichen. Dabei habe keine Einigung mit den Gläubigern erzielt werden können. Daher habe die Zahlungsunfähigkeit der Beate Uhse AG gedroht. Mit Blick auf das angestrebte Insolvenzverfahren sagte Specht: „Wir haben damit einen Weg eingeschlagen, bei dem wir sehr zuversichtlich sind, die Unternehmensgruppe als Ganzes sanieren zu können.“ Die Anleihe hätte im Sommer 2019 zurückgezahlt werden müssen und ist mit 7,75 Prozent hochverzinst.

Dass Beate Uhse in größeren Schwierigkeiten steckt, war schon länger bekannt. Beate Uhse hatte zum wiederholten Mal die Vorlage des Jahresberichts für 2016 verschieben müssen und Umsatz- und Gewinnprognosen nach unten korrigiert. Die Bilanz sollte nunmehr an diesem Freitag vorgelegt werden. Der im April berufene Vorstandsvorsitzende Specht hatte im Juni seinen Finanzchef gefeuert und mit einer Unternehmensberatung den Finanzbereich und das Rechnungswesen gründlich durchleuchtet.

Wie das Unternehmen den Wandel des Sex-Geschäfts verpasste, während Start-ups und Online-Händler wie eis.de und Amorelie es revolutionieren, analysierte die WirtschaftsWoche bereits im November.




Beate Uhse stammt aus einer Zeit, als das Produkt Sex geschäftlich eine recht schlichte Sache war: Pornofilme, Gummipuppen und Fetischzubehör verkauften sich von allein. Die Produkte waren überwiegend auf Männer fokussiert und meist so vulgär, dass sich ebenjene Kunden nicht länger als nötig in den schmuddeligen Sexshops aufhielten.

Doch damit ist es seit einigen Jahren vorbei. Der Onlinehandel ermöglicht es, anonym Sexspielzeug zu kaufen, auch ohne in dunkle Stadtecken abzutauchen. Digitale Angebote wie virtuelle Realität oder Sexroboter ermöglichen ganz neue Geschäfte mit der Lust – für Anbieter, die die entsprechende Kompetenz mitbringen. Der Markt wächst.

Was für die Branche gut ist, drückte Beate Uhse tiefer in die Krise. Alten Kunden wandern ab, die neuen sind von vornherein verloren. Denn den veränderten Markt haben Jüngere längst besetzt: Unternehmen wie eis.de und die Berliner Firma Amorelie etwa.