Beate Uhse vor der Rettung – 150 Jobs sollen erhalten bleiben

Ein Finanzinvestor plant eine teilweise Übernahme des Erotikhändlers Beate Uhse. Die angestaubte Marke soll wiederbelebt werden – auch dank Amazon. Von 345 Mitarbeitern sollen allerdings nur 150 bleiben.

Der insolvente Erotikhändler Beate Uhse steuert auf eine Rettung des Kerngeschäfts zu. „Läuft alles nach Plan wird der Finanzinvestor Robus Capital Anfang Mai die werthaltigen Teile des Unternehmens übernehmen“, sagte Georg Bernsau, der Generalbevollmächtigte des Unternehmens, der WirtschaftsWoche. „Damit könnten rund 150 Arbeitsplätze bei Beate Uhse erhalten bleiben.“ Der Erotik-Konzern ist derzeit mit 345 Mitarbeitern in sieben Ländern aktiv und hatte im Dezember nach jahrelangem Niedergang die Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. 

Seither steuern die Sanierungsexperten Bernsau und sein Kanzleikollege Justus von Buchwaldt, beide Partner bei BBL Bernsau Brockdorff & Partner, das Unternehmen als Generalbevollmächtigte durch das Verfahren. White & Case-Restrukturierer Sven-Holger Undritz führt als Sachwalter die Aufsicht.

„Das finanzwirtschaftliche komplexe Verfahren befindet sich damit nun auf der Zielgeraden“, so Bernsau. Am 19. April entscheide nun noch die Gläubigerversammlung der niederländischen Tochtergesellschaft Beate Uhse Netherlands B.V. über den Verkauf wichtiger Unternehmenswerte. „Stimmen die Gläubiger zu, wovon wir ausgehen, ist der Weg frei für eine neue Beate Uhse und das Kerngeschäft wäre gerettet“, sagte Bernsau. 


Vergangenen Mittwoch hatten bereits die Gläubiger der deutschen Beate Uhse AG dem Insolvenzplan zugestimmt. „Der Plan sieht vor, dass alle werthaltigen und überlebensfähigen Teile des Erotik-Konzerns in eine neue Tochtergesellschaft namens be you GmbH überführt werden“, so von Buchwaldt. „Die neue Gesellschaft wird über zwei Kapitalerhöhungen mit Geld versehen, um den Kauf und den Fortbestand zu finanzieren.“

Nach der Übertragung soll das Geschäft neu aufstellt werden. So sollen Zentralfunktionen wie Controlling und Marketing wieder zurück nach Deutschland verlagert und die Logistik outgesourcet werden. Geplant ist auch, die IT zu erneuern, den Verkauf über externe Online-Plattformen wie Amazon anzukurbeln sowie den Anteil der Eigenmarken am Umsatz auszubauen. Die Gläubiger werden ihr Geld derweil weitgehend verlieren. Die Anleihegläubiger sollen in einer ersten Auszahlung Beträge erhalten, die einer Insolvenzquote von bis zu 1,77 Prozent entsprechen.

Das Unternehmen kämpft bereits seit langer Zeit ums Überleben. Gründe für den Niedergang gibt es viele: „Über Jahre agierte die Gruppe ohne erkennbare Strategie und verlor durch häufige Kurswechsel viele Stammkunden und Schlüssel-Mitarbeiter“, heißt es im Insolvenzplan. So sei unter anderem zu spät und zu wenig in den E-Commerce investiert worden. Auch mit teuren TV-Kampagnen wurde die falsche Zielgruppe angesprochen.

Zudem sei der Hauptabsatzmarkt Deutschland in den letzten Jahren vernachlässigt worden, obwohl Beate Uhse hier über viele Jahre Marktführer im Erotikbereich war. Verschärft wurde die Lage durch neue Online-Wettbewerber wie Amorelie und Eis. 

Die Folge: Seit 2006 ist der Umsatz der Gruppe um 65 Prozent rückläufig. 2017 beschleunigte sich die Talfahrt noch. Durch den Verkauf des Großhandelsgeschäft und des stationären Einzelhandels unter der Marke „Christine Le Duc“ sackten die externen Umsatzerlöse laut Insolvenzplan auf knapp 75 Millionen Euro ab. Der Verlust (Ebitda) stieg auf 6,9 Millionen Euro.


Mitte Dezember 2017 folgte das Unvermeidliche – der Insolvenzantrag. Um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu halten, nahm die Gesellschaft ein hoch verzinstes und umfassend besichertes Massedarlehen über rund 2,7 Millionen Euro von Robus in Anspruch. Später erhielt auch die niederländische Tochter ein Darlehen über fünf Millionen Euro. Damit war das Interesse des Finanzinvestors von Anfang an klar. Trotzdem wurden rund 250 potentielle weitere Investoren  angesprochen. 45 unterzeichneten Vertraulichkeitserklärungen, sieben gaben unverbindliche Angebote ab.

Am Ende setzte sich – wohl nicht allzu überraschend – Robus durch. Der Debt-Fonds sei als alleiniger Investor identifiziert worden, „der bereit und in der Lage ist, liquide Mittel für die Zahlung der Insolvenzkosten und der Insolvenzdividende für die Gläubiger beizusteuern, soweit die liquiden Mittel der Schuldnerin dazu selbst nicht ausreichen“, heißt es dazu im Insolvenzplan.