BDI-Chef Kempf: May muss Briten die Wahrheit über den Brexit sagen

dpa-AFX

BRÜSSEL (dpa-AFX) - Vor der Brexit-Rede von Premierministerin Theresa May fordert der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) eine klare Ansage für ernsthafte Verhandlungen mit der Europäischen Union. "Theresa May muss schnellstmöglich einen klaren, nachvollziehbaren Kurs präsentieren", sagte BDI-Präsident Dieter Kempf der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel. "Die Zeit läuft." Er verlangte auch finanzielle Zusagen. "Großbritannien muss seine vertraglichen Verpflichtungen in der EU erfüllen."

May will sich am Freitag in Florenz zum EU-Austritt ihres Landes äußern. Kempf sagte, er erwarte auch Offenheit gegenüber den britischen Bürgern. "Die Stunde der Wahrheit naht", betonte der BDI-Chef. "Irgendwann wird man der eigenen Bevölkerung erklären müssen, dass es falsch war zu glauben, mit dem Austritt aus der Europäischen Union würden Milch und Honig fließen."

Angesichts der bisher schleppenden Brexit-Verhandlungen äußerte sich Kempf besorgt: "Ein Scheitern ist nicht auszuschließen. In jedem Fall wäre das die schlechteste Lösung." Sollte Großbritannien die EU 2019 ohne vertragliche Vereinbarungen verlassen, wären "für die deutsche Industrie die Folgen spürbar", räumte er ein. "Nach unseren Annahmen wäre der Schaden für die britischen Unternehmen aber weit dramatischer."