BBVA profitiert von Digitalkunden


Die spanische Großbank BBVA gehört zu den Instituten, die schon früh begonnen haben, ihr Geschäft zu digitalisieren. Das zahlt sich für die Bank nun aus: Ihre Digitalkunden sind doppelt so profitabel wie die anderen Kunden. Das hat ebenso wie ein starkes Mexiko-Geschäft dazu geführt, dass die Bank im vierten Quartal trotz eines hohen Wertverlustes ihres Aktienpakets an Telefónica überraschend doch noch einen Gewinn erzielt hat.

BBVA hat derzeit ein Viertel mehr digitale Kunden als noch vor einem Jahr. Insgesamt nutzen 42 Prozent alle Klienten die Online-Angebote der Bank. Die Zahl der mobilen Nutzer schnellte um 44 Prozent nach oben, auf 33 Prozent aller Kunden. „Der Wendepunkt wird kommen, wenn die Hälfte aller Kunden digital ist“, prophezeit BBVA-Verwaltungsratschef Francisco González. „Dann wird der Netzwerk-Effekt das digitale Wachstum noch viel stärker beschleunigen.“

Der Schritt in die Online-Welt ist für die Banken derzeit die große Herausforderung. Auf der einen Seite müssen sie wegen Niedrigzinsen und regulatorischen Anforderungen ihre Kosten senken. Auf der anderen Seite drängen Start-ups, so genannte Fintechs, in das Geschäft der etablierten Institute und drohen ihnen mit geringen Kommission und einfachen Geschäftsmodellen Kunden abzujagen.


Auch Spaniens Branchenprimus Banco Santander forciert das Geschäft mit neuen Technologien. Dort stieg die Zahl der Digitalkunden im vergangenen Jahr um ein Fünftel, auf 19 Prozent aller Kunden. Um das Wachstum zu beschleunigen, gründete Santander im vergangenen Jahr eine eigene Online-Bank, Openbank. Zudem bietet sie noch in diesem Quartal schnelle und günstige Überweisungen via Blockchain an.
González fürchtet die Tech-Initiativen von Santander nicht – er sieht sich dadurch eher in seiner Strategie bestätigt. Inzwischen sei allen Banken klar, dass sie sich digitalisieren müssten. „Worauf es jetzt ankommt, ist die Umsetzung, die neben dem laufenden Geschäft erfolgen muss.“

Der langjährige BBVA-Chef, der im kommenden Jahr in die Rente geht, war in einer seiner letzten Bilanz-Präsentationen sichtlich entspannt. Obwohl er wegen einer Erkältung immer wieder zum Taschentuch greifen musste, gab er sich leutselig und fand deutliche Worte – etwa zur Vetternwirtschaft in Spanien: „Wir haben hier in den vergangenen Jahren eine brutale Korruption erlebt. In jedem anderen entwickelten Land hätten die Verantwortlichen dafür sofort ins Gefängnis gemusst, hier nicht.“ In Spanien läuft derzeit einer der größten Korruptionsprozesse, in den die konservative Regierungspartei PP verwickelt ist.

Auch was seinen Nachfolger angeht, ließ González durchblicken, dass er damit rechne, dass der aus der Bank kommen werde. „Wir haben eine fabelhafte Mannschaft und es wird keine Überraschungen geben“, sagte González. In den vergangenen Wochen wurde Carlos Torres, consejero delegado von BBVA – ein Posten, der im deutschen System dem des CEO entspricht - gehandelt, aber auch Bankdirektor Manuel González Páramo.


Der Nettogewinn von BBVA sackte im vierten Quartal wegen der Telefónica-Beteiligung um 90 Prozent auf 70 Millionen Euro. Ohne diesen Sondereffekt wäre der Gewinn aus dem Tagesgeschäft aber um zehn Prozent auf 1,2 Milliarden Euro gestiegen.