BBC-Reporter erschlich sich Diana-Interview 1995 mit unlauteren Mitteln

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Die verstorbene Prinzessin Diana

Der britische Journalist Martin Bashir hat sich sein berühmtes Interview mit Prinzessin Diana im Jahr 1995 für die BBC mit unlauteren Mitteln erschlichen. Dies geht aus einem am Donnerstag veröffentlichten unabhängigen Untersuchungsbericht im Auftrag der Rundfunkanstalt hervor. Bashir und die BBC entschuldigten sich für ihr Vorgehen.

In dem denkwürdigen Fernsehinterview im November 1995 hatte Diana die Affäre ihres Mannes Charles mit seiner heutigen Frau Camilla indirekt für das Scheitern ihrer Ehe verantwortlich gemacht: "Wir waren zu dritt in dieser Ehe", erklärte die Prinzessin einem schockierten Fernsehpublikum. Zudem gestand sie, selbst untreu gewesen zu sein. Die Ausstrahlung wurde damals von einer Rekordzahl von 22,8 Millionen Zuschauern verfolgt.

Der Journalist Bashir hatte damals Dianas Bruder Charles Spencer gefälschte Kontoauszüge gezeigt, die scheinbar belegten, dass Mitarbeiter am Hofe dafür bezahlt wurden, Diana auszuspionieren. Daraufhin hatte Spencer seine Schwester mit Bashir bekannt gemacht.

Die Methoden, mit denen der damals relativ unbekannte Bashir das legendäre Interview mit der Ehefrau von Prinz Charles bekommen hatte, waren in den vergangenen sechs Monaten von John Dyson, einem früheren Richter am Obersten Gerichtshof, untersucht worden.

Er sei "überzeugt", dass Bashir gefälschte Kontoauszüge vorlegte, um Charles Spencer "zu täuschen und ihn dazu zu bewegen, das Treffen mit Prinzessin Diana zu arrangieren", erklärte Dyson in seinem Bericht. Mit diesem Vorgehen habe Bashir nicht nur "unangemessen gehandelt", die Methode stelle auch einen "schwerwiegenden Verstoß" gegen die redaktionellen Richtlinien der BBC dar.

Der heute 58-jährige Bashir machte nach dem legendären Interview Karriere im US-Fernsehen und interviewte unter anderem Stars wie Michael Jackson, bevor er zur BBC zurückkehrte. Vor wenigen Tagen verließ er die Rundfunkanstalt aus gesundheitlichen Gründen.

Die BBC veröffentlichte am Donnerstag eine "umfassende und bedingungslose Entschuldigung" und kündigte an, alle Auszeichnungen, die sie für das Interview erhalten hat, zurückzugeben.

Bashir entschuldigte sich ebenfalls für die Methoden, mit deren Hilfe er sich das begehrte Interview erschlichen hatte. "Es war eine Dummheit, das zu tun, und es ist eine Tat, die ich zutiefst bedauere", erklärte er. Er beharrte jedoch darauf, dass seine Taktik "keinerlei Einfluss auf die persönliche Entscheidung von Prinzessin Diana" gehabt habe, an dem Gespräch teilzunehmen. Er sei noch immer "ungeheuer stolz" auf das Interview.

Auch der heutige BBC-Chef Tim Davie erklärte, Diana habe das Interview unbedingt geben wollen. Allerdings sei es beim Zustandekommen zu "klaren Mängeln" gekommen.

Bashirs Vorgehen im Vorfeld des Gesprächs mit Diana war bereits 1996 Gegenstand einer internen Untersuchung der BBC, die unter anderem vom späteren BBC-Chef Tony Hall geführt wurde und Bashir von jedem Fehlverhalten freisprach.

Dyson zufolge war diese Untersuchung jedoch "fehlerhaft und beklagenswert ineffektiv". Insbesondere hätten die Verantwortlichen Dianas Bruder Charles Spencer nicht zu seiner Version der Ereignisse befragt.

Hall, der inzwischen Vorsitzender des Kuratoriums der britischen National Gallery ist, räumte ein, dass die Untersuchung "weit hinter dem zurückblieb, was erforderlich war". Es sei "falsch" gewesen, "Martin Bashir den Vertrauensvorschuss zu geben".

Das Interview habe Diana "seelisch fertig" und "paranoid" gemacht, sagte ihre Freundin Simone Simmons der Zeitung "The Sun". 1996 wurden Lady Di und Prince Charles geschieden, im Jahr darauf erschütterte die Nachricht vom tödlichen Autounfall Dianas in Paris die Weltöffentlichkeit. Ihr Ex-Mann heiratete 2005 seine Jugendliebe Camilla.

noe/lan