Baywa AG wird rund 1.000 Mitarbeiter ohne Priorisierung impfen - Chef Lutz: Tempo beim Impfen reinbringen

Robin Wille
·Lesedauer: 3 Min.
Klaus Josef Lutz, Vorstandsvorsitzender der Baywa AG
Klaus Josef Lutz, Vorstandsvorsitzender der Baywa AG

In Bayern ist ein Modellprojekt für Corona-Impfungen durch Betriebsärzte gestartet. Zehn Unternehmen wurden dafür ausgewählt. Bayern stelle „Betriebsärzten für die Modellprojekte in stark infektionsbelasteten Regionen rund 50.000 Impfdosen unterschiedlicher Hersteller und Impfzubehör zur Verfügung“, sagte der bayrische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU).

Einer der zehn Modellbetriebe ist der Baywa-Standort in Münchberg. Er gehört zur Baywa AG, ein Münchner Konzern mit genossenschaftlichen Wurzeln, der als Grundversorger in den Bereichen Energie-, Agrar- und Bauwirtschaft international tätig ist. Mit Tochtergesellschaften und Beteiligungen ist die Baywa AG in mehr als 40 Ländern vertreten. Gemessen am Umsatz zählt der Konzern zu den größten europäischen Unternehmen, außerdem ist er der größte Agrarhändler in Deutschland.

Business Insider hat mit Klaus Josef Lutz, dem Vorstandsvorsitzenden der Baywa AG, über das am Dienstag startende Modellprojekt am Standort in Münchberg, über das Impfen in Deutschland generell und seinen Brandbrief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gesprochen.

Lutz hatte Anfang März einen Brief an Gesundheitsminister Spahn geschrieben und angeboten „bisher ungenutzten Impfstoff per Sondergenehmigung so bald als möglich als Vorsorgemaßnahme für unsere Mitarbeiter käuflich zu erwerben“. Damals blieben über eine Million Dosen des Corona-Impfstoffes von AstraZeneca ungenutzt, weil das Vakzin zunächst von der Ständigen Impfkommission nicht für über 65-Jährige empfohlen wurde. Zu Business Insider sagte Lutz damals: „Die Impfungen verlaufen in Deutschland skandalös langsam.“ Heute sagt er: "Jetzt läuft es besser. Ich glaube, wir können gerade noch die Kurve kriegen." Auf seinen Brief habe der Gesundheitsminister nicht geantwortet. "Das finde ich schade, aus meiner Sicht hat das auch etwas mit einer guten Kinderstube zu tun", sagt Lutz.

"Der Zug ist ins Rollen gekommen"

Er sei zufrieden, "dass mit dem Modellprojekt ein erster, kleiner Schritt gemacht wurde" und sei dankbar, "dass die bayerische Staatsregierung begonnen hat, Verständnis für die Wirtschaft zu haben". Der Zug sei "ins Rollen gekommen". Neben dem Impfzentrum im Modellprojekt habe Baywa "zehn weitere temporäre Impfzentren geplant", die sehr schnell handlungsfähig seien. An der Zentrale stehe bereits ein mobiles Impfauto, "das ist medizinisch voll ausgestattet, das Einzige, was uns fehlt, ist der Impfstoff".

Den soll es jetzt immerhin am Standort in Münchberg geben, im Landkreis Hof, wo die Inzidenz sehr hoch ist. Am Standort selbst gebe es 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, "aber im Einzugsgebiet der Modellregion rund 1.000". Lutz erklärt, wie das Modellprojekt ablaufen soll: "Wir bekommen am Dienstag 1.002 Dosen Pfizer/Biontech geliefert. Der Impfzeitraum ist Dienstag bis Freitag, da ziehen wir das durch. Bis Freitag, 12:00 Uhr, muss das verimpft sein, da der Impfstoff bereits aufgetaut bei uns ankommt."

"Wir können nicht priorisieren und in der Gegend rumfahren"

Eine Reihenfolge unter den Mitarbeitern ist dabei nicht vorgesehen. "Wir dürfen von der starren Priorisierung im Modellprojekt abweichen, anders geht das auch nicht", sagt Lutz. "Wir können nicht priorisieren und in der Gegend rumfahren, das wäre ja Wahnsinn."

Der Manager sagt, er wolle beim Impfen "Tempo reinbringen". Zum einen, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen. Zum anderen aber auch, weil die Impfquote in einem Unternehmen auch eine "betriebswirtschaftliche Wirkung" habe. "Für uns ist es ganz wichtig, dass wir unbefangen Kontakt mit unseren Kunden haben können und wieder reisen können", sagt Lutz. Natürlich gebe es keine Impfpflicht, betont er. "Trotzdem habe ich dazu aufgerufen, sich impfen zu lassen. Aus Schutzgründen und im Hinblick auf die Flexibilität des Unternehmens."

Das bayrische Modellprojekt sei ein Tropfen auf dem heißen Stein. "Aber wenn das Modell gut läuft, dann wird sicherlich mehr gehen", sagt Lutz. Von der Politik erhoffe er sich, "dass sie Impfstoffe herbeischafft". Wenn Baywa sich im Modellprojekt gut mache, "würde ich mir wünschen, dass wir die Impfzentren, die wir aufgebaut haben, weiter nutzen können". Die Priorisierung sollte aufgehoben werden. "Wir sehen doch jetzt, dass es eher die jüngeren Leute trifft. Diejenigen, die das System am Laufen halten, die das auch finanzieren, die müssen wir jetzt so schnell wie möglich impfen", sagt Lutz.