Bayerns Machtdemonstration sorgt für BVB-Frust

Martin Volkmar, Christoph Küppers, Jens Middendorf
Ömer Toprak und der BVB haben jetzt schon sechs Punkte Rückstand auf den FC Bayern

Die Mienen sagte alles in den Katakomben des Signal Iduna Parks.

Frustriert dreinblickende Dortmunder Verlierer auf der einen, strahlende Münchner Sieger auf der anderen Seite. 

Nach einer Machtdemonstration hatte der FC Bayern zuvor beim 3:1 (2:0) die Tabellenführung ausgebaut und dem schwächelnden Erzrivalen in einem intensiven Spitzenspiel den nächsten Tiefschlag zugefügt.

(DATENCENTER: Die Tabelle)

Heynckes happy

"Wir haben hier gegen eine sehr gute Mannschaft insbesondere in der ersten Halbzeit überragend Fußball gespielt haben", freute sich Erfolgscoach Jupp Heynckes über den siebten Pflichtspielsieg in Folge seit seinem Amtsantritt Ende September: "Kompliment an meine Mannschaft, es war insgesamt eine super Leistung."

Der Titelverteidiger hat nun vier Punkte Vorsprung auf RB Leipzig und sogar sechs auf den BVB, der vor nur vier Spielen noch selber fünf Punkte Vorsprung gehabt hatte. (DATENCENTER: Die Tabelle)

"Heute waren wir keine Spitzenmannschaft. Bayern München war heute vor allen Dingen in der ersten Halbzeit die klar überlegene Mannschaft", gestand Borussia-Trainer Peter Bosz bei Sky.

"Wir sind nur hinterher gelaufen und waren immer zu spät. Dann kann man nicht von einer Spitzenmannschaft reden."


Robben bringt Bayern auf die Siegesstraße

Tatsächlich dominierten die Dortmunder vor 81.360 Zuschauern mit ihrem aggressiven Pressing nur die Anfangsphase, doch Arjen Robbens herrliches Führungstor per Schlenzer (17.) brachte die Gäste auf die Siegesstraße.

Robert Lewandowski erhöhte ebenfalls wunderschön per Hacke nach Flanke von Joshua Kimmich noch vor der Pause (37.), ehe David Alaba (67.) mit dem 3:0 für die Entscheidung sorgte. Daran änderte auch Marc Bartras später Ehrentreffer (88.) nichts mehr. 

"Haben uns nochmal gesteigert"

"Sieben Siege in sieben Spielen sind einfach Wahnsinn", meinte Robben. "Wir haben uns fußballerisch nochmal gesteigert und unser vielleicht bestes Spiel gemacht, sind wieder als Mannschaft aufgetreten. Als Kapitän bin ich wirklich stolz."

Etwas stolz konnte der Niederländer auch auf sich selbst sein.  Der personifizierte Dortmund-Schreck und Siegtorschütze im Champions-League-Finale 2013 ist mit 93 Treffern bester ausländischer Bundesliga-Torschütze des FC Bayern.

Auch Lewandowski, der mit elf Treffern alleine die aktuelle Torschützenliste vor dem erneut an Ladehemmung leidenden Pierre Emeric Aubameyang übernahm, war zufrieden: "Wir haben heute richtig gut gespielt. Das war ein wichtiger Sieg, wir haben gezeigt, dass wir in guter Form sind." 


Allerdings vergab der Pole auch fünfmal aus bester Position leichtfertig weitere Treffer (26., 29., 34., 48., 64.), zudem wurde das 3:0 Flankengeber Alaba zugeschrieben, "obwohl ich ihn den Ball leicht berührte habe" (Lewandowski).

Daher hätten die Dortmunder das Spiel bei konsequenter Chancenverwertung deutlich spannender machen können, doch Yarmolenko (29., 44.) und Aubameyang (49., 75.) scheiterten freistehend am starken Bayern-Keeper Sven Ulreich. Zudem traf Shinji Kagawa nur den Außenpfosten (32.).


"Es war ein Spiel mit vielen Chancen auf beiden Seiten. Der BVB hätte auch mehrere Tore schießen können", gab Mats Hummels zu. "Wir waren auch nicht unbedingt effektiv vor dem Tor, aber am Ende hat die Effektivität doch den Ausschlag gegeben.“ 


BVB seit vier Ligaspielen sieglos

So ging der Dortmunder Anhang, der die Schwarz-Gelben zumindest bis zum 0:3 frenetisch angefeuert hatte, nach dem vierten Ligaspiel ohne Sieg enttäuscht nach Hause. Sogar Erzrivale Schalke 04 hat nach Punkten aufgeschlossen.  (DATENCENTER: Spielplan und Ergebnisse)

Dennoch wollte Mittelfeldspieler Gonzalo Castro nichts davon wissen, dass die neuerliche Niederlage an der umstrittenen Taktik von Trainer Bosz liegt: "Es war nie die Frage des Systems. Das wurde von den Medien hochgespielt. Es liegt alles an uns Spielern."


Der zunehmend in der Kritik stehende Coach bat um Zeit. "Wir haben noch sechs oder sieben Monate in der Bundesliga. Wir werden versuchen, dass wir zurückkommen. Anfang der Saison haben wir gezeigt, dass wir eine gute Mannschaft haben und gut Fußball spielen können."

Bayern als Vorbild

Bosz will nun die Länderspielpause zum dringend benötigten Turnaround nutzen.


Das passende Vorbild saß neben der Pressekonferenz neben ihm: Jupp Heynckes. Von einer Vorentscheidung im Kampf um die Meisterschaft wollte der Routinier nach nur elf Spieltagen aber nichts wissen:

"Man sollte den Ball flachhalten. Man konnte vor vier Wochen nicht voraussagen, dass wir jetzt sechs Punkte vor Dortmund und vier vor Leipzig stehen. Das haben wir uns hart erarbeitet."

Das Ende soll das aber noch lange nicht sein. Wenn alle Langzeitverletzten wieder voll auf der Höhe seien, "dann werden wir selbstverständlich stärker und werden auch attraktiver spielen", kündigte Heynckes an. Die Gegner können das durchaus als Drohung verstehen.