Bayerns gefährliches Spiel mit Ribery

Martin Volkmar, Stefan Kumberger
Franck Ribery spielt seit 2007 beim FC Bayern

Der Samstag könnte ein ganz besonderer Tag werden für Franck Ribery.

Zum einen natürlich, weil der älteste Profi des FC Bayern seinen 35. Geburtstag feiert.

Zum anderen aber, weil der Franzose mit den Münchnern durch einen Sieg beim FC Augsburg (15 Uhr im LIVETICKER) die sechste Meisterschaft in Folge perfekt machen kann.

Es wäre bereits der insgesamt achte deutsche Meistertitel für Ribery, der damit in den Kreis der ganz Großen mit Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Oliver Kahn und Mehmet Scholl (alle ebenfalls achtmal Meister) gleichziehen würde.

Im nächsten Jahr könnte der Routinier dann mit einem neunten Titel zum alleinigen Bundesliga-Rekordhalter aufsteigen – wenn er beim Rekordmeister bleiben darf.

Noch ein Jahr? Bayern-Bosse zögern

Denn am Saisonende läuft der Vertrag aus und die Bayern-Bosse zögern die Entscheidung hinaus, ob sie mit Ribery noch um ein Jahr verlängern oder den Publikumsliebling angesichts der wesentlich jüngeren Konkurrenten Kingsley Coman und Serge Gnabry in die Wüste schicken.

Ribery genieße ebenso wie der ein Jahr jüngere Arjen Robben, dessen Vertrag ebenfalls ausläuft, "einen total hohen Stellenwert im Verein", erklärte Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge zu Beginn der Woche.

Aber: "Man muss sich manchmal auch Ruhe geben und die Dinge in aller Seriosität diskutieren, das machen wir."

Erst Mitte April soll es Gespräche geben, die Bayern-Führung spielt offenbar auf Zeit. Denn eigentlich soll der neue Cheftrainer entscheiden, ob er sich eine Zukunft mit Oldie Ribery vorstellen kann.


Seit Wochen in Topform

Entsprechend genervt ist der Außenstürmer – und das nicht ganz zu Unrecht. Denn seine Leistungen in den vergangenen Wochen sind derart überzeugend, dass eigentlich alles für einen Verbleib spricht. Nicht aus nostalgischen, sondern aus sportlichen Gründen.

Schon im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League in Istanbul (3:1) gehörte Ribery zu den besten Spielern, an diese Form knüpfte er nach der Länderspielpause beim 6:0 gegen Dortmund mit einem Tor und einer Torvorlage sowie auch am Dienstag beim Viertelfinal-Hinspiel (2:1) in Sevilla mit der Vorarbeit zu beiden Treffern an.


Zwar gelingt nicht immer alles und ab und an nimmt sich der Routinier schöpferische Pausen, aber in den entscheidenden Szenen erinnert Ribery derzeit an den jungen, ungestümen Dribbler bei seinem Dienstantritt in München im Sommer 2007.

Wobei er auch noch genauso temperamentvoll und jähzornig sein kann wie früher. In Sevilla hatte "Monsieur 1000 Volt" Glück, dass er nach einem Schubser gegen Wissam Ben Yedder nicht wegen Tätlichkeit vom Platz flog.

Fans und Mitspieler für Verbleib

Doch trotz solcher Undiszipliniertheiten überwiegt nicht nur bei seinen Fans eindeutig die Überzeugung, dass Ribery mindestens für ein weiteres Jahr gut genug für die Bayern ist. Er werde sofort einer Vertragsverlängerung zustimmen, erklärte FCB-Aufsichtsrat Edmund Stoiber kürzlich.

Auch die Teamkollegen wünschen sich offenbar einen Verbleib. "Er ist unabhängig von den Torbeteiligungen immer noch ein ganz wichtiger Mann", sagte Kapitän Thomas Müller in Sevilla.

Und Torhüter Sven Ulreich ergänzte:  "Francky ist ein klasse Kicker, er tut der Mannschaft unheimlich gut, wenn er seine Läufe, seine Dribblings ansetzt, das ist brutal wichtig für uns. Er ist auf jeden Fall noch fit und kann den Unterschied in solchen Spielen machen."


Dass die Hinhaltetaktik der Vereinsführung "überhaupt keine Problematik" sei, wie Rummenigge meinte, empfindet Ribery daher ganz anders. Vielmehr sieht er weder seine Verdienste noch seine aktuellen Leistungen von der Klubspitze wertgeschätzt, heißt es aus seinem Umfeld.

Daher soll er ernsthaft die Retourkutsche erwägen und sich näher mit konkreten, lukrativen Angeboten aus China und Katar befassen, von denen kicker und Sportbild berichten.

Ein Abschied Riberys dürfte allerdings angesichts seiner Verdienste und seines Status bei den Anhängern für viel Unruhe im Verein sorgen. Auch deshalb zögern die Bosse.