Pfeifkonzert nach nächster Bayern-Pleite

Martin Volkmar, Stefan Kumberger
Arturo Vidal verlor mit dem FC Bayern gegen Neapel

Am Ende verloren auch die bis dahin so leicht zu begeisternden Zuschauer in der Allianz Arena die Geduld.

Als Schiedsrichter Benjamin Cortus die Partie gegen den SSC Neapel abpfiff und durch die 0:2-Niederlage der letzte Platz des FC Bayern beim heimischen Audi Cup feststand, gab es ein gellendes Pfeifkonzert von den Rängen.

"Gestern wären die Pfiffe angebracht gewesen", meinte Mats Hummels im Rückblick auf das 0:3-Debakel am Vortag gegen den FC Liverpool.

"Wenn man sieht, wer heute auf dem Platz gestanden hat, waren die Pfiffe natürlich falsch getimet. Aber vielleicht waren sie 20 Stunden später auch für uns, und dann nehmen wir das so hin."

Bayerns B-Elf gegen Neapel chancenlos

In der Tat konnte man der B-Elf der Bayern, die am Ende fast nur noch aus Spielern der zweiten Mannschaft und der U19 bestand, kaum einen Vorwurf angesichts ihrer engagierten Vorstellung machen.

Gegen die ebenfalls nicht in Bestbesetzung angetretenen Napolitaner, für die Kalidou Koulibaly (14.) und Emanuele Giaccherini (55.) trafen, reichte das aber nicht.


"Wir haben ganz gut angefangen, bei der Flanke vor dem ersten Gegentor jedoch geschlafen. Beim zweiten Gegentor war der Rückraum nicht besetzt, da hat man gemerkt, dass wir ein bisschen platt waren", sagte Niklas Süle.

"Man hat aber auch ein paar gute Sachen gesehen. Wir sollten das Ergebnis nicht zu hoch hängen, auch wenn es bei Bayern immer darum geht, zu gewinnen. Am Samstag wartet ein wichtiges Spiel, da müssen wir ein anderes Gesicht zeigen."

Fanärger über Ancelotti

Allerdings richten sich die Unmutsbekundungen der 66.000 zahlenden Zuschauer weniger gegen die Spieler, sondern gegen Carlo Ancelotti, der am Mittwoch fast alle Stars wie Thomas Müller oder Robert Lewandowski 90 Minuten auf der Bank ließ.

Es war aber natürlich auch eine Reaktion auf die bislang missratene Vorbereitung mit nunmehr fünf Niederlagen in den letzten sechs Testspielen mit insgesamt 14 Gegentoren.

"Ich verstehe die Pfiffe, denn wir haben in der Vorbereitung zu viele Spiele verloren", zeigte sich Ancelotti hinterher immerhin selbstkritisch. "Aber wir arbeiten hart, es in den nächsten Spielen besser zu machen."


Der Italiener ging sogar so weit, sein Team für "vielleicht sogar etwas besser als in der letzten Saison" zu erklären, weil man gute Spieler hinzubekommen habe.

Bislang haben aber weder Corentin Tolisso noch Sebastian Rudy und Süle, die gegen Neapel ihr Debüt für Bayern feierten, einen bleibenden Eindruck hinterlassen können. Von Königstransfer James Rodriguez ganz abgesehen.

James fällt lange aus

Der Kolumbianer erlitt gegen Liverpool einen Muskelbündelriss im Oberschenkel, wie die genaue Diagnose am Mittwoch ergab. Von einigen Wochen Zwangspause spricht man beim FC Bayern, es könnten aber angesichts der Schwere der Verletzung auch bis zu zwei Monate werden.

Und auch auf Thiago muss der FCB vorerst verzichten, er erlitt einen Muskelfaserriss im Bauchmuskel. Immerhin: David Alaba soll bis zum Supercup am Samstag in Dortmund wieder fit werden, ebenso Arjen Robben und Jerome Boateng.

Verstärkungen, die das Team gut gebrauchen kann, um im Prestigeduell beim BVB die von Vorstandsboss geforderte schnelle Wende einzuleiten.

Müller und Hummels fordern Erfolg im Supercup

"Der Supercup ist das erste Pflichtspiel. Das ist schon etwas besonderes und wichtiges für uns, dementsprechend motiviert sind wir", sagte Thomas Müller. "Wir wollen auf jeden Fall mal wieder ein Ergebnis liefern."

Und Hummels ergänzte: "Manchmal ist es gut, einen vor den Bug zu bekommen. Wir haben jetzt aber zwei, drei vor den Bug bekommen, und ich denke, das sollte dann auch wirklich das letzte Mal gewesen sein."

Weitaus unkritischer bewertete dagegen der neue Sportdirektor die Lage. "Wir haben heute ein sehr gutes Spiel gemacht, besonders in der ersten Halbzeit", meinte Hasan Salihamidzic: "Wir haben noch zwei Wochen Zeit, um gut vorbereitet in die neue Saison zu gehen. Dortmund wird ein guter Test, wir freuen uns und sind heiß darauf."

Bei Arturo Vidal scheinen die Worte des neuen Sportchefs ein offenes Ohr gefunden zu haben. Er sei ganz ruhig, meinte der Chilene ungeachtet der jüngsten Pleiten: "Es ist gar nichts passiert. Wichtig ist erst das Spiel am Samstag in Dortmund – und da gewinnt Bayern München."

Sprach es und verschwand gut gelaunt in den lauen Münchner Sommerabend.