Große Debatte: Ist die Liga zu schlecht für Bayern?

Marcel Bohnensteffen
Im Schatten der Übermacht: Die Verfolger des FC Bayern fallen im Meisterschaftsrennen der Reihe nach ab

18 Punkte zwischen Platz eins und zwei. Nur 15 Zähler zwischen Platz zwei und Relegationsrang 16. In der aktuellen Bundesliga-Tabelle stimmen die Verhältnisse nicht mehr. 

Champions-League-Anwärter wie Bayer Leverkusen oder RB Leipzig sind näher dran an der Abstiegszone, als mit dem FC Bayern um den Titel zu spielen. Da ergibt sich zwangsläufig die Frage: Ist das Team, das über allen anderen thront, zu gut für die Bundesliga? 

Oder umgekehrt: Ist die Liga etwa zu schlecht für Bayern? 

Diese existenzielle These löste im CHECK24 Doppelpass eine Kontroverse aus. SPORT1 zeichnet die verschiedenen Argumente nach. 

- Das Niveau der Spitzenteams ist zu schwach

Für SPORT1-Experte Thomas Strunz ist die sportliche Übermacht der Bayern in erster Linie ein Versäumnis der Konkurrenz. 

"Viele Vereine sind blauäugig, das Niveau ist insgesamt schwach. Es wird vieles schön geredet", monierte er. 

Als Beispiel nannte Strunz Borussia Mönchengladbach. Die Fohlen, derzeit Siebter, verloren drei von vier Partien der Rückrunde. Dreimal bot sich die Chance, Platz zwei zu übernehmen. Dreimal scheiterte Gladbach.

"Der siebte Platz kann nicht der Anspruch von Borussia Mönchengladbach sein. 22 Punkte hinter dem Tabellenführer zu sein, ist Wahnsinn", befand Strunz. 

Bruno Hübner, Sportdirektor bei Eintracht Frankfurt, leitet aus dieser Kritik eine Selbstverantwortung für alle Verfolgerteams ab. "Wir müssen es hinbekommen, dass die Bayern wieder mehr Konkurrenz bekommen", sagte er. Der fehlende Wettbewerb in dieser Saison sei "für die Liga nicht gut". 


Dass die Eintracht im Falle eines Sieges im Sonntagsspiel beim FC Augsburg (ab 15.30 Uhr im LIVETICKER) auf Rang zwei klettern kann, darf noch als positive Überraschung in dieser Saison gewertet werden. 

Bei anderen Anwärtern auf die internationalen Plätze muss die Leistungsanalyse kritischer ausfallen. 

- Bayerns Verfolger stecken mitten im Umbruch

Dem Gladbacher Präsidiumsmitglied Hans Meyer kommen die Mannschaften hinter Bayern in der öffentlichen Betrachtung viel zu schlecht weg. 

"Wie die Teams hinter Bayern medial begleitet werden, ist eine Katastrophe", sagte Meyer im CHECK24 Doppelpass

Meyer nannte neben seiner Borussia Bayer Leverkusen, Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt als Beispiele für Klubs, "die um Stabilität ringen und mit Bemühen dabei sind, eine Mannschaft aufzubauen". 


Diese Aufbauarbeit sieht Meyer nicht genügend gewertschätzt. Mit Blick auf Gladbach, das auf Platz sieben feststeckt, sagte der langjährige Bundesliga-Trainer: "Wir waren noch nie spitze. In den vergangenen Jahren hat die Mannschaft 110 Prozent vom dem gezeigt, was in ihr steckt."

Für die Meisterschaft kommt Gladbach nach Meiers Einschätzung auf absehbare Zeit nicht in Frage. "Was meinen Sie, wie viele unserer Fans sich noch dafür interessieren, wer Meister wird", sagte er vielsagend.

- So weit voraus ist England der Bundesliga nicht 

Im internationalen Vergleich wird die Stärke der Bundesliga häufig am Niveau der englischen Premier League gemessen.

Dieser Vergleich brachte Meyer in Rage. "Wo sind denn die Engländer, die uns angeblich mit Geld zuscheißen", sagte er im CHECK24 Doppelpass, "was haben die denn international gewonnen in den vergangenen acht Jahren?"

Tatsächlich ist es so, dass allein Manchester United im vergangenen Jahr die UEFA Europa League gewann. Ansonsten ging kein weiterer international Titel an ein Team von der Insel. 

Mit Bayern und Dortmund standen in dieser Dekade immerhin zwei Team in einem Endspiel der Champions League. Vor diesem Hintergrund will Leverkusens Manager Jonas Boldt den Stellenwert der Bundesliga nicht unterbewertet wissen.

Boldt widersprach der These, dass die Bundesliga zur Ausbildungsliga verkomme. "Ausbildungsliga klingt mir zu negativ", sagte er. "Es ist eine unserer Stärken, Spieler auszubilden. Es ist unser Kerngeschäft. Deswegen sind wir auch Weltmeister geworden."