Bayern-Trainer Jupp Heynckes: "Wir haben das Handwerk auf der Straße gelernt"

Heynckes hat verraten, wer die entscheidenden Hebel ansetzte, damit er zum vierten Mal Bayern-Coach wurde. Ein fünftes Engagement schließt er aus.

Bayern-Trainer Jupp Heynckes kann sich mit der Verpflichtung fertiger, aber dafür sündhaft teurer Stars nicht anfreunden. Die Alternative sei das präzise Ausbilden junger, talentierter Spieler, betonte der 72-Jährige nun in einem Interview - und nahm dabei auch Bezug auf seinen eigenen Werdegang und den seiner früheren Kollegen.

"Junge, hochtalentierte Spieler verpflichten, die schon unter Beweis gestellt haben, dass sie gut sind, eine festgeschriebene Ablösesumme kosten oder deren Vertrag ausläuft", nannte Heynckes der tz die Alternative zum Bezahlen schwindelerregender Transfersummen und führte aus: "Diese Spieler müssen dann geformt werden, und dafür braucht man ein Trainerteam, das innovativ und kreativ ist und gerne mit jungen Leuten arbeitet."

Man müsse "Defizite sehen und Korrekturen vornehmen. Wie sie Bälle annehmen, mitnehmen, wie sie ihr Passspiel verbessern, wie sie sich auf dem Platz oder vor dem Tor bewegen, wie man die richtige Flanke schlägt. Das sind viele Kleinigkeiten."

Heynckes: "Meine Mutter hat immer geschimpft"

Er selbst habe als Straßenfußballer die ersten Schritte gemacht - und dabei genau diese Dinge nach und nach gelernt. "Die früheren großen Fußballer würden heute Weltklasse sein. Wir haben das Handwerk auf der Straße gelernt", erklärte Heynckes.  "Meine Mutter hat immer geschimpft: Was soll aus dem Jungen werden, wenn ich immer Stunden gegen die Hauswand geschossen habe?"

Heynckes weiter: "Genau deswegen wusste ich früher immer, ob ich in die kurze oder lange Ecke schießen sollte. Das geht heute so ein bisschen verloren, weil immer nur das große Ganze erarbeitet wird."