Bayern-Trainer-Countdown: Alles Tuchel oder was?

Tommy Gaber
Editor Yahoo Sports

Der FC Bayern München sucht einen Nachfolger für Carlo Ancelotti. Erste Verhandlungen wurden geführt, Thomas Tuchel ist in der Pole Position. Doch es gibt Zweifel – auf beiden Seiten. Wer ist noch im Gespräch? Würde Tuchel überhaupt zu Bayern passen? Yahoo Sport beantwortet die fünf wichtigsten Fragen. 

Thomas Tuchel ist (noch) Topfavorit auf den Trainer-Job beim FC Bayern

Grundsatzfrage: Schnelle Lösung oder späte Lösung? 

So früh in einer Saison einen neuen Trainer finden zu müssen, stellt ein Novum in der Geschichte des FC Bayern München dar. Ancelotti war seinen Job nach gerade mal sechs Bundesligaspielen los. Infolgedessen muss Bayerns Führungsriege intern erstmal die Frage klären: Benötigt der Patient sofortige Hilfe in Gestalt der endgültigen Trainerlösung Thomas Tuchel oder kann es sich der Klub erlauben, einen Übergangstrainer für neun Monate zu installieren, um dann im Sommer die endgültige Trainerlösung Julian Nagelsmann zu präsentieren?

Laut “Süddeutscher Zeitung” besteht darüber noch keine Einigung. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bevorzugt Tuchel, Präsident Uli Hoeneß soll Zweifel angebracht und sich für Nagelsmann stark gemacht haben. Vergangenen Montag sollen beide im Beisein von Sportdirektor Hasan Salihamidzic stundenlang diskutiert haben – ohne Ergebnis.

Demgegenüber steht die Aussage von Hoeneß von Dienstagabend, wonach er Ex-Trainer Pep Guardiola bei einem gemeinsamen Mittagessen den Namen des neuen Trainers genannt habe.

Wer ist Topfavorit auf den Posten des Bayern-Trainers?

Noch ist es Thomas Tuchel. Der FC Bayern hat Gespräche mit dem Ex-BVB-Coach bestätigt, die “Sport Bild” berichtet von einer Telefonkonferenz zwischen Rummenigge und Tuchel, die vergangenen Donnerstag stattgefunden haben soll. Demnach habe Tuchel aber keineswegs seine sofortige Bereitschaft erklärt, die Bayern zu übernehmen, sondern sein Engagement an sportliche Bedingungen geknüpft. Dabei überraschte Tuchel Rummenigge offenbar mit Forderungen.

Es ist bei den Bayern ein bisschen wir bei der angestrebten Jamaika-Konstellation: Die muss jetzt gehen, sonst wird Deutschland unregierbar. Sollten sich die Bayern auf eine sofortige große Lösung verständigen, muss das mit Tuchel auch irgendwie gehen, da es dafür keine Alternative gibt.

Welche Namen sind noch im Gespräch?

Neben Hoeneß-Favorit Nagelsmann (aber erst nächsten Sommer verfügbar) laut spanischen Medien Luis Enrique (sofort verfügbar). Die Zeitung “Sport” berichtet von einem Angebot des FC Bayern an den Ex-Barca-Coach.

Zudem kursieren die Namen Louis van Gaal (sofort verfügbar, bereits von Juli 2009 bis April 2011 Bayern-Trainer), Mark van Bommel (derzeit U 19-Coach in Eindhoven), Markus Weinzierl (sofort verfügbar) und sogar Mehmet Scholl in Zusammenarbeit mit Hermann Gerland.

Nach Informationen von Yahoo Sport wäre Interimstrainer Willy Sagnol keine Option für die Übergangslösung bis Saisonende.

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Passt Thomas Tuchel zum FC Bayern?

Über Tuchels fachliche Qualitäten gibt es keine zwei Meinungen. Tuchel ist ein herausragender Fußballtrainer, ein Tüftler, der nichts dem Zufall überlassen will. Was seine tägliche Arbeit betrifft, ähnelt er Pep Guardiola. Beiden wird ihre Akribie mitunter als Besessenheit ausgelegt. Tuchel ist ein sehr fordernder Trainer, den der FC Bayern in einer Zeit, in der sich viele Spieler über zu lasches Training und zu wenig Kommunikation unter Ancelotti, nötig hat.

Zudem hat Tuchel bewiesen, dass er junge Spieler formen kann. Julian Weigl oder Ousmane Dembele sind unter seiner Regie zu Nationalspielern aufgestiegen; für Dembele kassierte der BVB über 100 Millionen Euro Ablöse. Den eigenen Nachwuchs an die erste Mannschaft heranzuführen, ist eine der zentralen Aufgaben des künftigen Bayern-Trainers. Die Bosse fordern, dass das neue Nachwuchsleistungszentrum in absehbarer Zeit genügend Talente für die Profis abwirft.

Ancelotti ist nur nur wegen ein paar schlechten Spielen gefeuert worden. Vorrangig musste er gehen, weil sein Verhältnis zu einer Hand voll Führungsspielern nicht mehr zu kitten war. Die Bayern-Profis brauchen bei allen Eitelkeiten, die es in er Kabine gibt, eine feinfühlige Hand. Ottmar Hitzfeld und Jupp Heynckes feierten große Erfolge, weil sie genau dieses Feinfühligkeit besaßen. Von Ancelotti versprach sich vor allem Rummenigge das Gleiche, doch dem Italiener entglitt ein Teil der Mannschaft.

Hier türmen sich die Zweifel an der Eignung Tuchels als Bayern-Coach. Tuchel eckte in Dortmund mit seiner schroffen Art im Umgang mit den Spielern und den Bossen an. Letztlich stolperte Tuchel beim BVB über seine Unbelehrbarkeit; Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke unterstellte ihm große zwischenmenschliche Schwächen. Tuchel gilt nicht gerade als Mann der Diplomatie.

Zudem müsste sich Tuchel in München daran gewöhnen, dass die Führungsriege auch in sportlichen Fragen stets mitmischen will. Rummenigge, Hoeneß, Tuchel – eine pikante Mischung von drei Alphatieren. Es ist nur schwer vorstellbar, dass diese Konstellation langfristig ohne Stress auskommt. 2011 musste der bei den Spielern sehr geschätzte Louis van Gaal seinen Hut nehmen, weil sich Hoeneß und Rummenigge mit ihm auf zwischenmenschlicher Ebene überwarfen.

Wann ist mit einer Entscheidung zu rechnen?

Die internen Gespräche über die Besetzung des Trainer-Postens gingen am Mittwoch weiter. Laut “SZ” sollen sich die Bayern darauf verständigt haben, spätestens kommenden Montag den Ancelotti-Nachfolger zu präsentieren.

Auch wenn Tuchel in der Pole Position ist, die das Rennen völlig offen.

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