Bayern schlägt Anderlecht: Viel Krampf, wenig Klasse

Tommy Gaber
Editor Yahoo Sports

Der FC Bayern München ist erfolgreich in die neue Champions-League-Saison gestartet. Gegen den RSC Anderlecht gewann die Mannschaft von Trainer Carlo Ancelotti mit 3:0 (1:0). Das Spiel in der Yahoo Sport-Analyse. Aus der Allianz Arena berichtet Tommy Gaber.

Robert Lewandowski brachte den FC Bayern in Führung

Die Aufstellung

And the loser is…Thomas Müller! Einmal sitzt der Fan-Liebling draußen. Überhaupt wimmelt es auf der Bayern-Bank nur so vor Weltmeistern. Auch Mats Hummels und Jerome Boateng schauen erstmal zu. Boateng steht immerhin nach langer Verletzungspause wieder im Kader. Die in Hoffenheim verschmähten Ribery und Robben bilden die Flügekzange, James nimmt den Platz hinter Lewandowski ein. Für den Kolumbianer ist der erste Einsatz in der Startelf in einem Pflichtspiel für den FC Bayern. Süle bekommt in der Innenverteidigung neben Martinez den Vorzug vor Hummels.

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Der Spielfilm

Gemächlicher Auftakt in die Champions-League-Saison.  Die Bayern wie nicht anders zu erwarten mit totaler Spielkontrolle gegen kompakt stehende Belgier, die im 4-5-1 verteidigten. Bis zum Sechzehner lief der Ball ordentlich, doch die Bayern taten sich schwer, Anderlechts Bollwerk zu knacken und sich vernünftige Torchancen herauszuspielen. Nach zehn Minuten wurde es erstmals gefährlich – James köpfte den Ball nach Ribery-Flanke aus zehn Metern in die Arme von Gäste-Keeper Sels.

Eine Minute später schlug Tolisso einen genialen Ball aus dem linken Halbfeld in den Lauf von Lewandowski, der frei vor Sels von hinten umgerissen wurde. Klare Nummer: Elfmeter und Rote Karte für das stümperhafte Zweikampfverhalten von Kums. Lewandowski ließ nicht zweimal bitten und schob die Kugel links unten rein.

Wer dachte, die Bayern würden zehn Belgier jetzt in ihre Einzelteile zerlegen, sah sich getäuscht. Außer ein paar harmlosen Schüssen aus der zweiten Reihe passierte bis zu Pause nichts. Im Gegenteil, die größte Chance hatte Anderlecht, doch Stanciu brachte das Kunststück fertig, den Ball aus acht Metern weit rechts am leeren Tor vorbeizuschießen. Die Fans quittierten die Leistung der Bayern zur Pause mit zahlreichen Pfiffen.

Und es waren keine drei Minuten nach Wiederanpfiff gespielt, da bolzte den Ball aus sieben Metern an den rechten Pfosten! Riesenchance für Anderlecht, Riesenglück für Bayern. Anderlecht merkte, dass eine Sensation in der Luft liegt und spielte etwas offensiver. Dadurch ergaben sich mehr Räume für die Bayern, den sie zum 2:0 durch Thiago Alcantara auch nutzen konnten (65.). Süles Kopfballtor wurde wenig später wegen Foulspiel aberkannt. Anderlechts Widerstand war gebrochen, die Bayern schaukelten die Partie nach Hause. Kimmich machte in der 90. Minute den Deckel drauf.

Robben tobt nach Bayern-Sieg

Der Spieler im Fokus: 

Nach zwölf Minuten Reinschnuppern gegen Hoffenheim feierte James Rodriguez sein Startelfdebüt für die Bayern. Der Neuzugang von Real Madrid übernahm die Zehnerposition hinter Lewandowski. James lieferte eine ordentliche Partie ab,  ohne dabei zu glänzen. Er hielt sich in den Zweikämpfen zurück, ging aber weite Wege, auch defensiv, und war immer anspielbar. James hielt 84 Minuten durch und wurde dann durch Coman ersetzt.

Das war gut:

Wenig. Am ehesten noch die Effizienz. Von fünf Schüssen aufs Tor waren zwei drin, zudem traf Sülo per Kopf, wurde aber zurückgepfiffen, weil er sich dabei beim Gegenspieler leicht aufstützte.

Das war schlecht: 

Wenig Tempo, keine Überraschungsmomente und ein schwaches Passspiel im letzten Drittel – die Bayern lullten sich in der ersten Halbzeit gegen zehn Mann selbst ein. Sie wirkten verkrampft, obwohl das Spiel früh in ihre Richtung lief. Rund um den Strafraum schoben sich die Münchner die Bälle wie beim Handball hin und her, ohne Zug zum Tor, ohne Idee.

Zudem offenbarten die Münchner Schwächen in der Defensive. Die harmlosen Gäste waren zweimal ganz nah am Ausgleich, weil die Bayern in den Zweikämpfen im eigenen Strafraum schlampig agierten und in der Mitte jeweils die Zuordnung fehlte.

Fazit:

Anderlecht ist in der drittklassigen belgischen Jupiler League nach sechs Spieltagen gerade mal Zehnter. Mit Mannschaften dieser Klasse kennen die Bayern normalerweise keine Gnade. Nach elf Minuten war der Weg geebnet für ein Schützenfest, doch es war eine zähe Angelegenheit. Die Bayern haben ihre ersten drei Punkte – das mit Abstand Positivste an diesem Abend.