Ancelottis neues Erfolgsrezept

Johannes Fischer
Carlo Ancelotti setzt beim FC Bayern mehr denn je auf eine Rotation der Stars

Während der Zeit des Oktoberfestes, so heißt es, ist der FC Bayern München nahezu unschlagbar. Die Historie weist zwar den einen oder anderen Punktverlust für den Rekordmeister aus, doch generell gilt das weltgrößte Volkfest schon seit jeher als gutes Omen.

Während sich auf der Theresienwiese mit Masskrügen zigtausendfach zugeprostet wird, drehen die Münchner in und abseits der Allianz Arena auf und schießen die Gegner in schöner Regelmäßigkeit ab.

Wie gerufen kam da der Wiesn-Auftakt in diesem Jahr, blieb die Elf von Trainer Carlo Ancelotti doch beim Saisonstart unter den Erwartungen und bot größtenteils uninspirierten Fußball.

Ancelotti freundet sich mit Rotation an

Nun läuft das Oktoberfest seit vergangenen Samstag - und wie auf Knopfdruck schossen die Bayern den FSV Mainz 05 (4:0) und Schalke 04 (3:0) aus dem Stadion.


Da, wo es noch gegen Hoffenheim und Anderlecht knarzte und quietschte, greifen nun die Zahnräder wunderbar ineinander. 

Ancelotti scheint nach dem Stotterstart die Mischung gefunden zu haben, die den gigantischen Ansprüchen an der Isar gerecht wird. Und: Der Italiener hat sich mit der Rotation angefreundet.

Es geht auch ohne Ribery und Robben

Während sich Ancelotti gerade zum Ende der vergangenen Saison noch angreifbar gemacht hatte, weil er seinen Stars in der Endphase zu wenige Ruhepausen gönnte, wechselt er nun bereits zu Beginn munter durch.


Darin liegt eines der Erfolgsgeheimnisse der Münchner. Gerade mal fünf Spieler (Joshua Kimmich, Rafinha, Thomas Müller, Kingsley Coman, Robert Lewandowski) standen sowohl gegen Mainz als auch gegen Schalke in der Startelf.

Und während es beim Sieg über Mainz eher die "alte Garde" um Mats Hummels, Arturo Vidal und Arjen Robben richtete, drehten auf Schalke die Neuen auf. Vor allem der besonders starke Neuzugang James Rodriguez und Kingsley Coman.

Mehr durch die Mitte

Dabei könnte sich in Gelsenkirchen ein Vorgriff auf die kommenden Jahre geboten haben. Das Bayern-Spiel funktionierte auch ohne die jahrelang bewährte Flügelzange mit Franck Ribery und Arjen Robben.

In der Vergangenheit waren die Münchner vom Offensiv-Duo geradezu abhängig. Das wurde auch statistisch deutlich. In den Jahren 2009 bis 2016 holten die Bayern mit Robbery 2,5 Punkte pro Spiel, ohne die beiden nur 2,3 Punkte.

Doch auf Schalke änderte Ancelotti einfach die Ausrichtung. Das Spiel konzentrierte sich nicht mehr auf die Außenbahnen, sondern verdichtete sich in der Mitte.


"Ich will einige Spieler rotieren"

James und Coman beackerten im bewährten 4-2-3-1-System nur nominell die Außenpositionen. In Wahrheit klebten sie jedoch nicht an den Seitenlinien, wie das Rib und Rob seit jeher tun. Und es zeigte sich: Es geht auch ohne Ribery und Robben.

Gut möglich, dass die in die Jahre gekommenen Stars am Freitag gegen den VfL Wolfsburg (ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) wieder aufdrehen dürfen. Ancelotti kündigte auf der Pressekonferenz vor dem Spiel am Freitag an, er werde weiter am fröhlichen Personalwechsel festhalten.

"Die, die auf der Bank saßen, haben mehr Möglichkeiten, gegen Wolfsburg zu spielen", sagte der 58-Jährige. "Ich will einige Spieler rotieren."

Bayern rechtzeitig vor Kracher gegen PSG in Fahrt

Vor allem vor dem Champions-League-Kracher am kommenden Mittwoch gegen Paris Saint-Germain dürfte die wiedergefundene Stärke durch Rotation für Erleichterung im Umfeld der Münchner gesorgt haben.


Eine kleine Spitze schickte Karl-Heinz Rummenigge schon einmal via Stadionheft nach Paris: "Wer so viel Geld in die Hand genommen hat, muss die Champions League gewinnen", schreibt der Vorstandschef. Dass der Druck eher bei PSG liegt, könnte den Bayern tatsächlich in die Karten spielen - zusammen mit der Variabilität des Bayern-Kaders. 

Während Ancelotti am Donnerstag keine Frage zu Paris beantworten wollte, blickte Rummenigge schon über das Wolfsburg-Spiel hinaus.

"Nicht allzu ausschweifend" solle das Team am Samstag auf der Wiesn feiern. Damit die Oktoberfestbilanz auch den Showdown in Paris übersteht.