Wird Bayern nun zu seinem Glück gezwungen?

Wird Bayern nun zu seinem Glück gezwungen?
Wird Bayern nun zu seinem Glück gezwungen?

Nun hatten sie sich beim FC Bayern am Samstag nach dem besiegelten Abgang von Robert Lewandowski nach dieser schier endlosen Transfer-Saga ja schon auch ein bisschen wehmütig gezeigt.

Trainer Julian Nagelsmann ließ sich während der Team-Präsentation mit den Worten „für uns ist das ein Verlust“ zitieren, auch Sportvorstand Hasan Salihamidzic (“So ein Weggang ist für keinen Klub einfach“) und Mannschaftskapitän Manuel Neuer („Er wird uns fehlen“) trauerten dem nun beim FC Barcelona anheuernden Ausnahmestürmer nach.

Damit war die Sache nach dem nervigen wochenlangen Wechsel-Hickhack aber dann auch zügig abgehakt. Der Blick richtet sich längst nach vorne in das Zeitalter der Bayern nach Lewandowski.

Wie schließt der FC Bayern die Lewandowski-Lücke?

Denn der Verlust und das Ende einer Ära sind auch als „große Chance“ zu begreifen, wie Nagelsmann schnell anfügte, „wir haben die Möglichkeit, einen FC Bayern zu bauen ohne einen Stürmer, der verlässlich 40 Tore schießt.“

Mehr noch als das: Die wegbrechende Konstante, die Salihamidzic „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ sieht angesichts der nun zu ersetzenden „40 bis 50 Scorerpunkte“ wirft beim deutschen Rekordmeister und seinen Fans vielmehr die Frage auf: Ist Bayern am Ende ohne Lewandowski sogar besser?

Bietet der Abgang perspektivisch eher Chancen als Risiken, weil er zu mehr Variabilität zwingt? (ÜBERSICHT: Die fixen Transfers aller Bundesliga-Klubs)

Zugegeben: Die nackten Zahlen und Statistiken des polnischen Ausnahmestürmers, der in 374 Einsätzen für den FCB 344 Tore erzielte und 124 weitere auflegte, sprechen erst einmal für sich.

Bestmarken, wie der geknackte Allzeitrekord von Gerd Müller mit 41 Saisontoren, die Lewandowski als besten Bundesliga-Stürmer der Neuzeit in die Historie eingehen lassen, sind Meilensteine.

Multi-variables Modell anstatt Eins-zu-eins-Ersatz?

Und doch: Gerade bei den Münchnern erscheint es keineswegs utopisch, eine solche Rendite tatsächlich „auf mehrere Schultern“ (Salihamidzic) zu verteilen, das Offensiv-System erfolgreich einer kompletten Neuinstallation zu unterziehen.

Dass es keineswegs allein um einen Eins-zu-eins-Ersatz für Lewandowski geht, war an der Säbener Straße sowieso schon im Frühjahr erkennbar geworden. (NEWS: Zahavi bedankt sich bei Bayern)

Bereits im Mai hatte SPORT1 von Gedankenspielen berichtet, mittels zweier verschiedene Stürmer-Typen den Fortgang des Polen aufzufangen.

Einer davon, ein „Chaos-Spieler‘, der im letzten Drittel auf dem Feld für Wirbel und Unruhe sorgt, quirlig und unberechenbar ist“, wie es Bayern-Chefreporter Kerry Hau seinerzeit skizzierte, ist seit Wochen gefunden in Person von Sadio Mané.

Der vom FC Liverpool gekommene Star-Neuzugang ist nun auch das Trumpfass, um das bisherige 4-2-3-1-System umzustellen. (NEWS: Wegen Lewy? Moskau spottet über Barca)

Stellt Nagelsmann nun das FCB-System um?

Konkret: Nach SPORT1-Informationen hat Nagelsmann zuletzt ein 4-2-2-2 und 3-5-2 trainieren lassen, sich Alternativen für einen klassischen Mittelstürmer überlegt.

Man habe „viel Personal außen rum, um auch mit zwei zentralen Spitzen zu spielen“, sagte Nagelsmann nun.

Möglich macht es der variable Kader um den nun bis 2026 gebundenen Serge Gnabry, Kingsley Coman, Thomas Müller, Leroy Sané, Jamal Musiala als auch Back-up Eric Maxim Choupo-Moting.

Bei einem 4-2-2-2 könnten Müller und Coman/Sané hinter der denkbaren Doppelspitze aus Gnabry und Mané agieren - auch Sané und Mané gemeinsam an vorderster Front wären eine Option. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Zu erwähnen im Übrigen auch, dass Mané „in der vergangenen Saison bei Liverpool viel als Mittelstürmer gespielt hat“, wie Nagelsmann betonte.

In Betracht käme womöglich auch ein 4-3-3, wie es Ex-Bayern-Coach Pep Guardiola bei Manchester City praktiziert - drei quirlige Stürmer also, die ständig rotieren, für Unruhe sorgen, den Gegner so unter Druck setzen und zum Torabschluss kommen.

Denkanstöße, die trotzdem nicht so klingen, als geriete Bayern System nun aus den Fugen.

Mané und viele Überraschungsmomente

„Wir haben viel Flexibilität, da kannst du für viele Überraschungsmomente beim Gegner sorgen, und darum geht es im Fußball“, sagte Kahn am Samstag. „Wenn ich der gegnerische Trainer wäre, würde ich mir schon Gedanken machen, wer da wo spielt.“ (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Auch Salihamidzic meinte: „Wir haben viele gute Spieler, die auf mehreren Positionen spielen können.“ Und die Lewandowskis Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor und sein Killer-Instinkt kompensieren sollen.

Nicht auszuschließen ist zudem, dass die Bayern vor dem Dealine Day am 1. September dank der aus Barcelona fließenden Millionen für Lewandowski (45 Millionen Euro plus bis zu 5 Millionen Boni) auf dem Transfermarkt doch noch einen bezahlbaren klassischen Mittelstürmer holen.

Ein solcher wäre in einem 4-2-3-1 dann anstelle Lewandowski der zentrale Zielspieler.

„Da die Ablöse für Robert exorbitant hoch ist, gibt uns das weitere Möglichkeiten, auf dem Transfermarkt möglicherweise noch zu agieren», sagte Kahn bei Bild TV.

Kahn-Klartext zu Kane und Ronaldo

Wenngleich das Geld durch den Transfer von Innenverteidiger Matthijs de Ligt von Juventus Turin nach München (70 Millionen Euro an fixer Ablöse plus zehn Millionen Euro an Boni) schnell andere Verwendung gefunden hat.

Die Frage bleibt auch, wer ad hoc als direkter Ersatz für Lewandowski infrage käme.

Ein Mega-Deal mit Superstar Cristiano Ronaldo kommt laut Kahn ebenso wenig in Betracht wie der von Tottenhams Harry Kane (“Das ist doch alles Zukunftsmusik“).

Von Sasa Kalajdzic vom VfB Stuttgart sind die Bayern inzwischen abgerückt.

Ein „neuer“ Lewandowski ist bei den Bayern so schnell nicht in Sicht - Sorgen haben sie in München deshalb aber nicht.

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