Bayern-Motto nach dem Sevilla-Fight: Durchziehen!

Tommy Gaber
Editor Yahoo Sports

Die Münchner bekamen im Champions-League-Viertelfinale beim 0:0 gegen den FC Sevilla richtig auf die Socken, zwei Schlüsselspieler sind angeschlagen. Im Hinblick auf das Halbfinale kann so ein Spiel aber nur gut tun. 

Autsch! Arjen Robben hält sich nach einem Zweikampf das rechte Knie

Es muss viel passieren, ehe Jupp Heynckes seine Contenance verliert. Der Trainer des FC Bayern ist durch und durch Gentleman und sieht immer erst das Positive. So auch bei Joaquin Correa. In der Pressekonferenz nach dem 0:0 des FC Bayern gegen den FC Sevilla auf das üble Foul des Spaniers an Javi Martinez in der Nachspielzeit angesprochen, sagte Heynckes: “Ich kenne Correa, er ist normalerweise ein fairer Spieler.”

Doch diesmal konnte Heynckes seinen Unmut über dieses völlig unnötige Einsteigen nicht verbergen. “Da sind Correa die Sicherungen durchgebrannt, das war eine Entgleisung. Sowas hat auf dem Fußballplatz nichts verloren.” Dass Correa mit der Roten Karte alternativlos bestraft wurde, bringt die Bayern nicht weiter, schon gar nicht Martinez. Bayerns Herzstück im zentralen Mittelfeld verletzte sich bei der Aktion am Knie; am späten Mittwochabend war von einer schweren Prellung die Rede.

Die Gesundheit der Bayern-Spieler wurde auf eine harte Probe gestellt. Sevilla ging ordentlich zur Sache, nicht selten überschritten die Andalusier dabei die roten Linien. Neben Martinez humpelte James mit einer schweren Oberschenkelprellung vom Platz. Ob und wie lange Bayerns Schlüsselspieler ausfallen, werden genauere ärztliche Untersuchungen am Donnerstag ergeben.

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Abnutzungskampf par excellence

Es war ein Abnutzungskampf par excellence. Sevilla sah seine einzige Chance aufs Weiterkommen in extrem körperbetontem Spiel, die Bayern hielten dagegen, konnten ihre fußballerische Überlegenheit aber nicht auf die Straße bringen und erarbeiteten sich zu wenige klare Torchancen. “Sevilla ist eine sehr gute Mannschaft, wir haben lange im Mittelfeld keinen Zugriff bekommen”, bemängelte Arjen Robben.

Die Bayern befanden im Zwiespalt. Einerseits wollten sie das Spiel dominieren und mit ein, zwei Toren eine frühe Entscheidung herbeiführen. Andererseits bestand immer die Gefahr, beim Stand von 0:0 ein Tor zu kassieren und dann möglicherweise alles zu verspielen. Dadurch gab immer wieder Phasen im Spiel, in denen die Münchner nicht so recht wussten, ob sie nun stürmen oder durch eine verstärkte Defensivarbeit auf Nummer sicher gehen. 

Letztlich war Sevilla in der Offensive aber zu harmlos, um die Bayern ernsthaft zu gefährden. “Wenn es nach vorne nicht so rund läuft, dann muss man schauen, dass man ohne Gegentor bleibt. Und genau das hat meine Mannschaft getan”, sagte Heynckes zufrieden.

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Bayern auf alles vorbereitet

Nach dem lockeren Siegen gegen Besiktas und dem Kraftakt gegen Sevilla ist aber immer noch nicht offensichtlich, was die Bayern wirklich drauf haben. Im Halbfinale warten mit dem FC Liverpool und Real Madrid trotz der Beinahe-Blamage gegen Juventus Turin zwei ganz dicke Brocken auf die Bayern und mit dem AS Rom die Wundertüte dieser Champions-League-Saison.

Bei Real Madrid weiß man aus vielen Duellen in den letzten Jahren, was auf einen zukommt. Rom und Liverpool leben von ihrer Hingabe, Lauf- und Zweikampfstärke. Insofern waren die beiden Fights gegen Sevilla hilfreiche Tests. Die harte Gangart des Gegners kann die Bayern im Halbfinale nicht mehr überraschen.

Müller: “Jetzt wollen wir es durchziehen”

“Sevilla spielt keine super Saison in Spanien, aber es ist ein Team, das uns gefordert hat. Das wird im Halbfinale genauso so sein, wahrscheinlich noch schwieriger. Wir haben uns diese Halbfinalspiele erarbeitet. Jetzt wollen wir es natürlich durchziehen”, sagte Thomas Müller. Durchziehen bedeutet nichts anderes als den Einzug in Finale nach Kiew und dort den Henkelpott gewinnen. 

Nach den verrückten Ergebnissen im Viertelfinale muss der abgedroschenste Satz überhaupt herhalten: Im Fußball ist alles möglich, erst recht in den ausstehenden Spielen dieser Champions-League-Saison.