Bayern als Meister bei Abbruch? Für Lemke "Etikettenschwindel"

SPORT1

Willi Lemke, langjähriger Manager bei Werder Bremen, hat sich zu der Coronakrise geäußert. Besonders um seinen grün-weißen Klub macht er sich große Sorgen.

Wie alle anderen Menschen auch stellen Lemke und seine Frau ihren Alltag aufgrund der Pandemie um. Abgesehen von einem abgesagten Urlaub nimmt er die Einschränkungen gelassen.

Das Paar gehe trotzdem regelmäßig laufen, verriet er im Interview mit der BILD: "Dabei achten wir natürlich immer auf den nötigen Abstand."


Er helfe gern in der Nachbarschaft bei Einkäufen sowie der Versorgung älterer Mitmenschen mit Medikamenten. Zudem beschäftigt er sich mit einem Online-Sprachkurs Englisch.

Sehnsucht nach der Bundesliga

Doch während der 73-Jährige über (Video-)Anrufe und Textnachrichten "außergewöhnlich viel" sozialen Kontakt erleben könne, vermisse er etwas aktuell besonders: die Bundesliga.

Kein Wunder, Lemke war jahrzehntelang aktiv am Geschehen der Bundesliga beteiligt. In der Ära Lemke (1981 bis 1999) etablierte sich Werder nach der bislang einzigen Zweitliga-Saison 1980/81 wieder im Oberhaus und gewann 1988 und den 1993 den Meistertitel. Bis 2016 saß er im Aufsichtsrat der Bremer und durfte weitere Titel mit Werder bejubeln, auch nach der Karriere blieb er dem Klub verbunden.

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Trotz fußballfreier Wochenenden warnt er vor einer zu frühen Rückkehr in den Bundesliga-Alltag. Um der Gesundheit der Gesellschaft wegen verbiete es sich zu sagen: "Wir spielen die Saison im Juni zu Ende." Solche Aussagen empfindet Lemke als "total unseriös". Flexibilität, gerade bei den internationalen Terminen, sei daher entscheidend.


Er würde sogar noch länger warten und die Meisterschaft notfalls bis Ende des Jahres austragen, aber immerhin mit Zuschauern und ohne Risiko. Geisterspiele machen "mir überhaupt keinen Spaß", sagte Lemke über die möglichen Szenarien. Und: "Jetzt abbrechen und sagen, Bayern München ist Deutscher Meister, das wäre Etikettenschwindel."

Als Begründung führt der frühere Macher der Bremer aber vor allem an, dass "kein Spielplan der Welt" es wert sei, "dass auch nur ein Menschenleben dafür geopfert wird". Fußball, die schönste Nebensache der Welt, sei erst recht in der aktuellen Lage eine Freizeitbeschäftigung, die geringere Priorität genießt.


Gehaltsverzicht als positives Signal

Wenn es dann weitergeht, hofft Lemke auf eine Aufholjagd der Bremer (SERVICE: Bundesliga-Tabelle). Denn neben dem Abstieg droht ein gewaltiges Minus von 25 Millionen Euro, wie die BILD berichtete.

Zwar hätten die Spieler Ansprüche auf das volle Gehalt. Angesichts von Anteilen von 50 Prozent am Gesamtetat regt Lemke einen Gehaltsverzicht von 10 bis 20 Prozent an. Geschäftsführung und Aufsichtsrat könnten beispielhaft folgen.

Lemke, als Manager selbst mit den Verträgen vertraut, meint: "Auch wenn die dabei einzusparenden Beträge nicht sehr relevant wären, es wäre sicher ein positives Signal für alle, die mit Werder bangen."