Bayern im DFB-Team: gerne unter sich

Warum denn so grantig, Herr Hummels? Die deutsche Nationalmannschaft hat sich mit einem souveränen 3:1-Sieg in Nordirland das WM-Ticket gesichert. (AP Photo/Peter Morrison)

Es war dann doch ein eher lockerer Gang in Belfast gegen die sonst so heimstarken Nordiren. Deutschland gewann sein vorletztes Qualifikations-Spiel mit 3:1 und hat das WM-Ticket sicher. Für die vielen Bayern-Profis war der Trip auf die Insel wie eine gute Kur in den Alpen.

Von Patrick Strasser, Belfast

Die Nebenwirkungen, die machen es aus bei Doktor Joachim Löw. Natürlich kommt seine Mannschaft auch generell gänzlich kerngesund daher, hat das Ticket für die Endrunde der WM Russland 2018 ohne Probleme gebucht. Das 3:1 des DFB-Teams in Belfast gegen die Nordiren war allerdings nicht mehr als ein Routine-Check, alle Systeme laufen, die Organen funktionieren, der Korpus Nationalelf ist intakt. Die Kurzdiagnose von Löw: “Ich bin zufrieden. Wir haben nach dem frühen 1:0 schnell nachgelegt. In Tschechien sind wir auch früh in Führung gegangen und haben dann etwas den Faden verloren. Das ist uns diesmal nicht passiert. Wir haben auf dem Platz gespürt, dass wir in der zweiten Hälfte alles unter Kontrolle haben. Da haben wir dann das Tempo etwas herausgenommen.“

Ein Quali-Weltrekord winkt

Die Werte des Weltmeisters stimmen. Die Arztkittel – gemeinhin als weiße Weste bezeichnet – konnten die DFB-Kicker in Belfast anbehalten. Seit 1934 hat die Nationalelf keines ihrer 47 Auswärtsspiele in 14 WM-Qualifikationen verloren. Und auch kurz vor Ende der laufenden Qualifikation ist die Bilanz makellos. Neun Spiele, neun Siege. Mit einem Erfolg am Sonntag im letzten Gruppenspiel gegen Aserbaidschan kann sich das Team sogar noch einen Weltrekord holen. Den hält bisher Spanier mit dem Maximum von 30 Punkten und 28:5 Toren aus zehn Partien in der Qualifikation zur WM 2010. Die deutsche Mannschaft steht momentan bei 27 Punkten und 38:3 Toren. Ein Sieg gegen die Underdogs aus Aserbaidschan und der Titel als Quali-Weltmeister ist schon mal sicher. „Wir wollen jedes Spiel gewinnen und die Quali als solche dann auch perfekt machen“, gab Kapitän Thomas Müller die Richtung vor.

Die Bayern überzeugen, die Dortmunder fehlen

Bundestrainer Löw wird einige Spieler am Sonntag in Kaiserslautern schonen – es ist ja doch nur ein besseres Freundschaftsspiel unter Pflichtspiel-Bedingungen. Aber schon in Belfast konnte Doc Löw für einige seiner Akteure die rechte Medizin bereit legen. Viel Vertrauen, warme Worte und das Ticket für die Startaufstellung. So durften alle fünf in den letzten Wochen gebeutelten Bayern-Profis aus dem Kader von Beginn an auflaufen, sich die Krise im Heimatklub von der Seele kicken. Als da wären: Joshua Kimmich. Er ist der Nonstop-Rechtsverteidiger, bestritt zuletzt sämtliche der letzten 22 Länderspiele am Stück, ohne Fehlminute. Mats Hummels ist als Innenverteidiger gesetzt, an seiner Seite in der Abwehr Jérôme Boateng, der nach einem Jahr Länderspielpause infolge diverser Verletzungen zu seinem Comeback kam. „Nach so vielen Rückschlägen ist es ein Traum, wieder zurück zu sein und direkt mit einem Sieg zu starten“, freute sich Boateng.

Müller blüht besonders auf

Im Mittelfeld durfte Sebastian Rudy, zuletzt bei Bayern nur auf der Bank, dem Taktgeber Toni Kroos assistieren. In der zweiten Minute erzielte Rudy einen Treffer der Marke „Tor des Monats“, ein Dropkick-Schuss aus 25 Metern in den Winkel. Schließlich Thomas Müller, in Abwesenheit des verletzten Manuel Neuer im Nationalteam wie bei Bayern Kapitän. Doch nur unter Löw blüht er so richtig auf, fällt als unermüdlicher Motivator und Antreiber der Kollegen auf und lieferte die Vorlage zum 2:0 durch Sandro Wagner. Kimmich war es, der kurz vor Ende der Partie per Volleyschuss das 3:0 erzielte. Lauter strahlende Gesichter bei den Bayern-Spielern also in Belfast – nicht zuletzt, weil sie wissen, dass ihr alter Erfolgstrainer Jupp Heynckes in den nächsten Tagen seinen Job als Nachfolger des entlassenen Carlo Ancelotti antritt. Und vielleicht auch ein kleines bisschen – niemand würde das zugeben – weil man die Qualifikation in Nordirland ohne einen einzigen Profi von Bundesliga-Tabellenführer Borussia Dortmund, dem ewigen Erzrivalen, perfekt gemacht hatte.

Kann Heynckes etwas zurückzahlen?

Die Jogi-Therapie für seine Bayern-Patienten hat also gewirkt. Heynckes kann sich bei Löw bedanken. Und der 72-Jährige will im Gegenzug dafür sorgen, dass die Stützen des Teams (Boateng, Hummels, Müller, Kimmich und auch Torhüter Neuer) im kommenden Sommer in bester Laune und mit ein bis drei Titeln auf der Habenseite in die WM-Vorbereitung starten. Dann wäre es eine klassische Win-Win-Situation.