Bayern humpelt in den Liga-Gipfel

Martin Volkmar, Stefan Kumberger

Kingsley Coman humpelte schwer, als er am Dienstagabend aus der Kabine kam. Kurz danach folgte ihm ebenso schwergängig Jerome Boateng. 

Und auch Javi Martinez verließ humpelnd den Celtic Park, zudem zierte den Spanier ein Cut über dem Auge, den er sich beim 2:1-Siegtreffer gegen Celtic Glasgow zugezogen hatte. "Ich bin total platt", sagte Bayerns Matchwinner.

Mats Hummels musste schon vor dem Anpfiff wegen muskulärer Probleme passen, Robert Lewandowski hatte wegen ähnlicher Beschwerden komplett auf die Reise nach Schottland verzichtet. 

Auch Arjen Robben war nach dem hart erkämpften vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale der Champions League sichtbar geschafft. "Ich habe es bei mir auch gemerkt, dass wir drei Spiele in sechs Tagen hatten", stöhnte der Kapitän: "Das bist du am Ende schon richtig kaputt."

Die genauen Diagnosen stehen noch aus, aber zumindest bei Coman sieht es schlecht aus für das nächste Spiel am Samstag bei Borussia Dortmund (ab 18.15 Uhr im LIVETICKER). 

Nach dem erfolgreichen Kraftakt mit sechs Pflichtspielsiegen in Folge unter dem neuen Trainer Jupp Heynckes schleppen sich die Münchner mit letzter Kraft in die letzte Herausforderung vor der sehnsüchtig erwarteten Länderspielpause.

Verschleiß sorgt für Probleme

Schon in Glasgow machte sich der Verschleiß der letzten Wochen und die nach wie vor nicht optimale Fitness bemerkbar, das auf vier Positionen veränderte Team hatte mit den im Hinspiel so klar dominierten Schotten mehr Probleme als gedacht. 

"Manche Spiele musst du auch mal überleben", gab Robben zu. Doch Heynckes wollte nach seinem siebten Sieg in der Königsklasse hintereinander (Vereinsrekord) nicht zu kritisch mit seiner Mannschaft sein.  

"Man hat vor dem Spiel gewusst, dass es sehr schwierig und intensiv werden würde. Dass bei unserem momentanen Programm die Frische ein wenig gefehlt hat, das ist ganz normal", sagte der 72-Jährige. "Über weite Strecken haben wir gut gespielt. Aber es gab auch Phasen, in denen der Gegner hohes Tempo gegangen ist und gedrückt hat. Da sind wir auch in Schwierigkeiten gekommen. Aber die Jungs haben sich richtig reingekniet."


Henyckes war zufrieden, weil für ihn erst mal nur die Ergebnisse zählen, und die hat der Routinier beeindruckend geliefert – trotz der immer größer werdenden Personalprobleme. "Wir haben letzten Mittwoch und letzten Samstag gegen einen hochklassigen Gegner gespielt und hatten dabei sehr viel Kraftverlust. Man muss auch sehen, dass wir momentan personell ein wenig gebeutelt sind", erklärte er.

So wird er möglicherweise auch beim Kracher in Dortmund rotieren müssen. Coman dürften wohl eine Pause benötigen, für Boateng könnte die Zeit knapp werden. 

Zumindest zog sich der Innenverteidiger in Glasgow keine schwerere Verletzung zu. "Nur eine Muskelverhärtung im Oberschenkel. Kurze Zeit zur Regeneration bis zum nächsten großen Spiel", twitterte Boateng vor dem Rückflug nach Deutschland.


Fällt Boateng aus, würde wohl Niklas Süle erneut anfangen. Zudem kehren die in Glasgow geschonten Mats Hummels ("Bei Bedarf hätte ich spielen können"), Joshua Kimmich und Thiago in die Startelf zurück.

"Achtelfinale hat Priorität"

Und auch bei Lewandowski, der sich in München fit hielt, rechnet Heynckes fest mit einer Rückkehr: "Er hat relativ gut trainiert und keine Beschwerden. So wie es aussieht, kann er gegen Dortmund von Anfang an spielen."

In Glasgow wurde der Torjäger schmerzlich vermisst, ohne den Polen fehlte die Torgefahr und eine wichtige Anspielstation in der Spitze. Dass die Offensivreihe meist in der Luft hing, lag laut Robben aber nicht nur an den Stürmern.

"Ich glaube auch, die Besetzung im Mittelfeld war nicht immer richtig. Wir haben nicht immer alle Räume richtig besetzt. Das hätten wir schon ein bisschen besser machen können", kritisierte der 33-Jährige – und hatte dabei vor allem Corentin Tolisso und mit Abstrichen auch Arturo Vidal im Blick.


So entstanden sowohl nach vorne als nach hinten immer wieder Lücken, die der überragende Martinez nicht alle alleine stopfen konnte. Trotzdem hielt auch in der emotionalen Atmosphäre des Celtic Park am Ende Heynckes' Erfolgsserie.

Dass es auch noch für Platz eins in der Königsklasse reicht, daran glaubt selbst Heynckes angesichts der Topform von Paris St. Germain nicht. "Das Achtelfinale hat Priorität, das haben wir erreicht. Alles andere ist Wunschdenken. Der 3:0-Heimsieg von Paris ist ein Riesenvorteil", meinte der Coach.

Ohnehin ging der Blick schon auf den Kracher beim BVB, bei dem die Münchner ihren Vorsprung an der Tabellenspitze mit einem Sieg sogar auf sechs Punkte ausbauen könnten. (SERVICE: Die Tabelle der Bundesliga)

"Wir haben einen schönen Abend erlebt. Fußball in Reinkultur, mit einer tollen Atmosphäre, einem rassigen Kampfspiel. Wir haben jetzt sechs Siege in Folge erleben dürfen mit Jupp und seiner Mannschaft. Das ist sehr wichtig und auch ein schönes Erlebnis", schwärmte FCB-Boss Karl-Heinz Rummenigge auf dem nächtlichen Bankett im Teamhotel: "Trotzdem müssen wir weitermachen. Am Samstag haben wir noch ein schweres Spiel, Jungs. Danach können wir durchschnaufen."