Bayern-Gegner FC Sevilla: Echte Hölle - und was noch?

Der FC Bayern München trifft im Viertelfinale der Champions League auf den FC Sevilla. Die Spanier konnten Manchester United ausschalten. Aber sind sie auch eine Gefahr für den deutschen Rekordmeister?

Der FC Sevilla ist vor eigenen Fans eine echte Gefahr. (Bild: Getty Images)

“Wir dürfen Sevilla auf keinen Fall unterschätzen, das ist ein gefährlicher Gegner”, sagte Javi Martinez über das Los seines FC Bayern München im Viertelfinale der Champions League.

Die Aussage ehrt ihn, man darf sich aber sicher sein, dass Martinez diese oder ähnliche Worte bei jedem der letzten acht verbleibenden Klubs in der Königsklasse gefunden hätte. Sevilla ist ein guter Gegner, ja, aber es waren weitaus schwerere Kaliber in der Verlosung.

Sind die Andalusier also ein Glückslos für den FC Bayern? Ein bisschen schon, aber – und da wird Señor Martinez sicher zustimmen – im Viertelfinale der Champions League ist jeder Gegner eine Herausforderung.

Manchester United der Gradmesser

Aber was macht nun Sevilla konkret zu einer Herausforderung? Das Team von Vincenzo Montella wurde in der Gruppephase Zweiter hinter dem FC Liverpool und vor Spartak Moskau sowie NK Maribor. Im Achtelfinale schaltete es Manchester United aus.

An dieser kleinen Überraschung wird Sevilla derzeit gemessen, plötzlich wird das Team deutlich besser gesehen als noch in der Gruppenphase. Gegen die Red Devils zeigten sie auch ihr bestes Gesicht.

Das bedeutet eine sehr gute Kompaktheit, Abstimmung innerhalb der Mannschaft und großer Wille. Sevilla stellt in guter Form eine starke Defensive, verteidigt engmaschig und kann dank manchen Einzelkönnern auch offensiv Gefahr erzeugen.

Sevilla mit schwieriger Saison

Aber in das Duell gegen die Bayern geht Sevilla mit gemischten Gefühlen. Denn bisher spielen die Spanier tatsächlich eine eher durchschnittliche Saison. In der Liga bangen sie um die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb, in der Champions League reichten drei Siege in acht Spielen für das Viertelfinale.

Vor dem Hinspiel gegen den FCB hat Sevilla zwei der letzten drei Liga-Partien verloren, der Anschluss an Valencia ist schon lange verloren gegangen. Montellas Team ist, da muss man Martinez widersprechen, sicherlich nicht auf dem “Niveau der vermeintlichen Top Vier.”

Das hat verschiedene Gründe, liegt aber zu großen Teilen an der lange unklaren Richtung der Mannschaft. Jorge Sampaoli hatte das Team im letzten Jahr aufgebaut und wanderte nach einem durchaus erfolgreichen Jahr in Richtung argentinisches Nationalteam ab.

Drei ehemalige Ex-Bundesliga-Spieler im Kader

Im Sommer wurden zahlreiche Spieler gekauft und natürlich auch abgegeben, alle Wünsche konnten aber bei weitem nicht erfüllt werden. Sevilla steht auf wackligen Beinen und definiert sich unter Montella auch nicht klar.

“In unserer Mannschaft gibt es nicht den einen Star. Sondern wir leben vom Miteinander, da rennt jeder gern bis zur letzten Sekunden für den anderen mit”, sagte Linksverteidiger Sergio Escudero im kicker.

Er ist einer von drei ehemaligen Bundesliga-Spielern in Sevilla: Johannes Geis und Escudero spielten für den FC Schalke 04, Simon Kjaer für den VfL Wolfsburg. Entscheidend ist aber ein anderer: Der Mittelfeld-Edeltechniker Ever Banega.

Damit beschrieb er die große Stärke seiner Mannschaft: Den Teamgeist. Gleichwohl liest man aber auch die Schwäche heraus, denn Sevilla hat massiv an Qualität eingebüßt und ist weit entfernt von alten Hochzeiten unter Unai Emery und dem mehrmaligen Gewinn der Europa League.

Sevilla mit großer Heimstärke

Wird der FC Bayern also einfach über Sevilla hinwegmaschieren? Nicht unbedingt. Denn natürlich hat der Außenseiter auch seine Qualitäten. Dazu zählt ganz besonders die Heimstärke.

Das musste nicht zuletzt der FC Barcelona im Spiel am vergangenen Wochenende erfahren. Die Katalanen schonten Lionel Messi und lagen bis kurz vor Schluss der Partie mit 2:0 zurück. Mit dem Argentinier gelang aber letztlich doch das 2:2.

Escudero kündigte, nachdem die Bayern bei Besiktas spielen mussten, die “echte Hölle” an und hat damit nicht Unrecht. Sevillas Fans können aus dem Ramon Sanchez Pizjuan einen Hexenkessel machen, der den Spielern ein echtes Energieplus gibt.

FC Bayern klarer Favorit gegen Sevilla

Das Hinspiel in Spanien wird die große Chance des Klubs sein. Ein gutes Ergebnis vor heimischem Publikum, dann sind es nur noch 90 Minuten in der Allianz Arena. Bis dahin aber ist es für Sevilla ein weiter Weg.

Klar ist für den FC Bayern München im Viertelfinale, dass ein Scheitern nur an der eigenen Leistung hängt. Denn wenn der deutsche Rekordmeister eine konzentrierte und ernsthafte Partie in Sevilla abliefert, ist ein großer Teil der Arbeit schon getan.

Scheitern können die Bayern im Viertelfinale nur an sich selbst. Und das – soviel sollte inzwischen eigentlich deutlich geworden sein – wird unter Jupp Heynckes nur sehr schwer der Fall sein.