Zu empfindlich? So tickt Bayern-Schreck Schmidt

Reinhard Franke
Martin Schmidt ist neuer Trainer beim VfL Wolfsburg

Es gibt gewiss eine leichtere Aufgabe für einen Trainer mit seinem neuen Team als die Auswärtsfahrt zum FC Bayern.

Martin Schmidt, seit Montag Chefcoach beim VfL Wolfsburg, muss nach dem ersten Spiel zu Hause gegen Werder Bremen (1:1) am Freitag mit den Wölfen gleich in München ran (ab 20 Uhr im LIVETICKER). 

An den Rekordmeister hat Schmidt gute Erinnerungen: Bis heute ist er der letzte Trainer, der mit einem Bundesliga-Team in München gewonnen hat. In der vorletzten Saison mit Mainz 05 siegte er 2:1 - was ihm einen ehrerbietenden Handschlag des damaligen Bayern-Coachs Pep Guardiola einbrachte. 


Von 2015 bis 2017 war der 50-Jährige Trainer der Rheinhessen und qualifizierte sich mit ihnen gleich im ersten Jahr für die Gruppenphase der Europa League. Nicht mal Jürgen Klopp gelang dies, Thomas Tuchel schaffte mit Mainz immerhin die Qualifikation.

Allerdings rutschte Schmidt im zweiten Jahr mit Mainz auch in den Abstiegskampf und schaffte nur mit Mühe den Klassenerhalt. Sandro Schwarz übernahm. 

Strutz: "Freue mich wahnsinnig für ihn"

Dennoch traut ihm der langjährige Mainzer Präsident Harald Strutz die Aufgabe in Wolfsburg zu.

"Martin und ich sind im Besten auseinander gegangen. Der VfL ist ein ganz anders strukturierter Verein als Mainz 05 und ich freue mich wahnsinnig für ihn, dass er diese große Aufgabe in Wolfsburg übernommen hat", sagt Strutz im Gespräch mit SPORT1.

"Er war bei uns der erfolgreichste Trainer der Klubgeschichte, denn er hat Mainz in die Europa League gebracht. Er war nicht nur zwei Jahre bei uns, sondern es kamen auch die Jahre bei den Amateuren dazu."


Doch wie tickt eigentlich Schmidt? SPORT1 hat sich umgehört, einige Beobachter äußern sich dabei skeptisch: Dem Vernehmen nach ist der neue Wölfe-Coach zwar ein bodenständiger und menschlicher Typ. Man merke aber, dass er bei wachsendem Druck empfindlicher werde.

Ein Vorwurf, den man ihm in Mainz nachtrug: Als es ernst wurde, fehlte Schmidt nach Einschätzung vieler Beobachter ein Plan B.

Crepes machen Schmidt wütend

Nach dem Klassenerhalt in diesem Sommer ereignete sich eine kuriose Szene: Mainz-Profi Gaetan Bussmann bestellte einen Crepes-Wagen, Journalisten machten davon Fotos für die Sozialen Medien. Schmidt reagierte ungehalten, weil er fürchtete, man könne ihm das negativ auslegen.

Strutz hat dennoch keine Zweifel an Schmidts Fähigkeiten. "Ich glaube natürlich, dass Martin der Aufgabe in Wolfsburg gewachsen ist, denn ich bin der Meinung, dass er eine andere Herangehensweise hat - sowohl, was das eigentliche Spiel angeht als auch bei der Lebens-Philosophie."

Dies habe er "in Mainz mit seiner grundehrlichen und motivierenden Art stets zum Ausdruck gebracht".


Auch in sportlich schwierigen Zeiten blieb sich Schmidt treu. "Martin wurde auch zum richtigen Zeitpunkt gestützt", erinnert sich Strutz. "In Mainz war immer die Philosophie, dass der Trainer die wichtigste Position ist." 

Dass dies in Wolfsburg nicht gerade der Fall ist, davon können Schmidts Vorgänger Valerien Ismael und Andries Jonker ein Lied singen.