Die Bayern unter Druck: "Mia san Mia" ist nicht genug!

Dennis Ebbecke
90Min


Mit der großen Bayern-Familie möchte der Rekordmeister ab sofort auf den Transfer-Wahnsinn reagieren. Doch letztlich wird die Antwort immer noch auf dem Platz gegeben. Und diese blieb gestern beim 0:2 in Hoffenheim aus. Auch wenn nahezu alle statistischen Werte für die Roten sprachen, fehlte am Ende der letzte Biss. Eine schwächelnde Defensive, Konzentrationsmängel und niemand, der dazwischen haut: "Mia san Mia" ist nicht genug!


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Zunächst einmal ist es lobenswert, dass sich der FC Bayern bemüht, einen eigenen Weg einzuschlagen – fernab der Wahnsinnssummen, die für die Aubameyangs und Dembélés dieser Fußball-Welt gezahlt werden. Mit der Integration einstiger Publikumslieblinge wie Hasan Salihamidzic (Sportdirektor) und Willy Sagnol (Co-Trainer) sowie der Eröffnung des neuen Nachwuchsleistungszentrum versuchen die Verantwortlichen, das "Mia san Mia"-Gefühl zu stärken. Darunter darf jedoch das Tagesgeschäft nicht leiden. 

Statistiken sind nicht alles

Die Bayern waren bei ihrem Gastspiel im Kraichgau in fast allen Belangen überlegen. 19:6 Torschüsse, 67 % Ballbesitz, 26:1 Flanken und knapp 54 % gewonnene Zweikämpfe. Nur eines stimmte in Hoffenheim nicht: das Ergebnis. Oder sollte man sich von den Statistiken nicht blenden lassen? War es etwa viel mehr, was in dieser Partie aus Sicht der Roten daneben ging? Es sind nicht immer die Zahlen, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden – die Niederlage in Hoffenheim dient als bester Beleg.


Warum regt sich eigentlich niemand auf?

TSG 1899 Hoffenheim v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

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Zugegeben: Es ist noch früh in der Saison und die Mannschaft muss sich erst noch zurechtfinden. Am 3. Spieltag wurde noch nie die Deutsche Meisterschaft entschieden. Und dennoch gibt es Ansätze, die dem geneigten Bayern-Fan Sorgen bereiten dürften. Nein, es geht nicht um das 0:2 beim Fast-CL-Teilnehmer 1899 Hoffenheim. Es geht darum, dass die Niederlage einfach so hingenommen wurde – sowohl während der 90 Minuten auf als auch in den anschließenden Interviews neben dem Platz. 

Ancelotti: "Wir haben es versucht!"

Genauso gelassen wie die Münchner scheinbar mit dem Rückstand auf dem grünen Rasen umgegangen waren, präsentierten sie sich auch vor den TV-Kameras. "Wir haben es versucht und hatten auch viele Chancen. Die Leistung war okay, aber wir waren nicht bei 100 Prozent. 95 Prozent haben heute nicht gereicht", zitiert die ​AZ Trainer Carlo Ancelotti. Und auch Mats Hummels war der Meinung, dass die Niederlage in Hoffenheim "kein Beinbruch" war. Natürlich wollen wir den Nachsatz nicht unterschlagen: "...aber nur, wenn jetzt die richtige Reaktion gezeigt wird mit zwei Heimsiegen nächste Woche".


"Mia san Mia" meint nicht "heile Welt"

TSG 1899 Hoffenheim v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

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Der Innenverteidiger hat gerade noch einmal die Kurve gekriegt. Doch genügt das den Ansprüchen des Rekordmeisters? Wo ist derjenige, der mahnend den Zeigefinger hebt, ehe man in einen gefährlichen Trott gerät? In einer harmonischen Familie darf es auch mal gehörig krachen, schließlich ist nicht immer nur alles "heile Welt". Natürlich gehen wir davon aus, dass hinter den geschlossenen Türen an der Säbener Straße Tacheles geredet wird. Zudem sollte man trotz der ersten Saisonniederlage die Ruhe bewahren. Doch ein bisschen mehr öffentliches Feuer hat dem "Mia san Mia"-Gefühl der Roten nie geschadet ...