Darum ist Bayern diesmal für PSG gerüstet

Sebastian Mittag, Martin Volkmar, Stefan Kumberger
Jupp Heynckes (M.) will mit den Bayern Revanche an Paris Saint-Germain nehmen

Der FC Bayern musste in seiner Geschichte weniger Niederlagen hinnehmen als viele andere Vereine. Einige Pleiten blieben im kollektiven Bayern-Gedächtnis jedoch als besonders einschneidend haften. Dazu zählt auch die 0:3-Schlappe bei Paris Saint-Germain Ende September.

Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge hatte das Spiel zuvor zum Duell "Altreich gegen Neureich" erklärt. Nach dem klaren Sieg für die neureichen Franzosen stellte er resigniert fest: "Das war nicht der FC Bayern München."

Tags darauf wurde Trainer Carlo Ancelotti gefeuert. Am kommenden Dienstag (ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) steht das Rückspiel unter komplett anderen Vorzeichen an.

SPORT1 erklärt, warum die Bayern diesmal für PSG gerüstet sind.

1. Altmeister Heynckes

Ancelotti hatte in Paris seinen Rauswurf praktisch provoziert. Vor dem Spiel hängte er kommentarlos einen Zettel mit der Aufstellung auf: Arjen Robben, Mats Hummels sowie die beiden Franzosen Franck Ribery und Kingsley Coman saßen nur auf der Bank, Weltmeister Jerome Boateng sogar nur auf der Tribüne.

Damit brachte der Italiener gleich mehrere Leistungsträger endgültig gegen sich auf - und sorgte für Verunsicherung auf dem Platz.

Sein Nachfolger Jupp Heynckes bemühte sich dagegen sofort wieder um ein gutes Verhältnis zu den Leitwölfen, setzt auf ein festes Gerüst und klare Hierarchien. Bei Heynckes wissen die Spieler, woran sie sind.

2. Taktische Ordnung

Ancelotti wollte in Paris die Mitte zumachen, um die PSG-Stars nicht ins Spiel kommen zu lassen. Doch Neymar, Mbappe und Co. wichen auf die Flügel aus und machten dort, was sie wollten. Zudem schockten die Pariser den Rekordmeister immer wieder mit schnellen Kontern.

Heynckes hat den Bayern eine funktionierende taktische Ordnung verliehen, die Defensive agiert nun deutlich ausbalancierter als unter Ancelotti. Im letzten Spiel gegen Hannover leisteten sich die Münchner zwar ein paar Nachlässigkeiten, Jerome Boateng warnte nach dem 3:1-Sieg: "Das kannst du gegen Paris nicht machen, sonst schießen die dich ab."


Grundsätzlich sind die Bayern in der Rückwärtsbewegung jetzt aber wieder auf Top-Niveau, so naiv wie im Prinzenpark werden sie sicher nicht mehr verteidigen.

3. Fixpunkt Martinez

Javi Martinez ist ein Hauptgrund für die neue Stabilität der Bayern. In Paris musste der Spanier noch als Innenverteidiger spielen, seit Heynckes da ist, spielt Martinez wie in der Triple-Saison 2012/13 ausnahmslos im defensiven Mittelfeld.

Als Fixpunkt auf der Sechs bringt er Ruhe und Ordnung ins Spiel der Bayern. Mit Martinez in der Mitte sind die Bayern so gut abgesichert, dass sie diesmal auch auf den Außenbahnen verteidigen können.

4. Rückhalt Ulreich

Im Hinspiel war Sven Ulreich noch ein Unsicherheits-Faktor gewesen. Bei zwei Gegentoren sah der Ex-VfB-Keeper nicht gut aus.

Mittlerweile ist aus Ulreich ein würdiger Vertreter von Manuel Neuer geworden. Der 29-Jährige strahlt Sicherheit aus und hält auch einmal einen "Unhaltbaren".

Vor dem Duell mit PSG sagte Ulreich: "Wir wollen natürlich einen anderen FC Bayern sehen als im Hinspiel, wo wir einfach kein gutes Spiel gemacht haben. Da wollen wir möglichst gewinnen und zeigen, dass es im Hinspiel nur ein Ausrutscher war."

5. Krieger Vidal

Unter Ancelotti war Vidal oft nur Randfigur, im Hinspiel tat der Chilene sein Bestes, aber meist als Einzelkämpfer. Heynckes ließ Vidal wieder volles Vertrauen spüren, man arbeitete schon in Leverkusen zusammen. "So wie er jetzt spielt, ist er aus der Mannschaft nicht wegzudenken", lobte Heynckes bei einem Fanklub-Besuch am Sonntag.


Vidal ist wieder der Krieger, als der er einst geholt wurde. Er kämpft in der Defensive und ist in der Offensive gefährlich. Gegen Hannover markierte er per Kopf den Treffer zum 1:0. Ein Vidal in Topform wird auch den Superstars aus Paris Probleme bereiten.

6. Wirbelwind Coman

Sein Platz auf der Bank im Hinspiel war besonders hart für Coman - wurde er doch im Jugendinternat von PSG ausgebildet. Vor dem Wiedersehen mit seinem Ex-Klub sagte der 21-Jährige: "Natürlich bin ich da sehr motiviert".

Das Rückspiel gegen Paris kommt zum idealen Zeitpunkt für den Franzosen: Gegen Hannover spielte er so gut wie vielleicht noch nie im Bayern-Trikot, Coman blüht derzeit regelrecht auf. Gegen PSG kann er wieder für Wirbel auf dem Flügel sorgen.

7. Angeschlagene Pariser

Zu Beginn der Saison walzte PSG mit dem teuersten Sturm der Welt alles platt. Neymar, Mbappe und Cavani waren nicht zu stoppen.


In den letzten Spielen ist Sand im Getriebe. Der 2:1-Sieg in Monaco und der 2:0-Erfolg gegen Troyes waren eher bieder. Am vergangenen Samstag dann die Blamage: Eine 1:2-Pleite bei Aufsteiger Racing Straßburg. Es war die erste Niederlage der Saison für Paris.

In dieser Form könnte gleich die zweite folgen - am Dienstag in der Allianz Arena.