Asienreise: Chelsea wird für Bayern zur Bewährungsprobe

Sebastian Mittag

Das Wort mit "I" war in den vergangenen Jahren das große Thema beim FC Bayern - und ist es noch immer.

Ein Büro in New York, eins in Schanghai, Sommer-Reisen nach Asien und in die USA, in die großen Wachstumsmärkte: Internationalisierung ist die Zauberformel.

Die aktuelle Asienreise der Bayern läuft jedoch bisher überhaupt nicht so, wie die Bosse sich das vorgestellt hatten.

Und ausgerechnet der zurückgekehrte Präsident Uli Hoeneß ist der erste von ihnen, der offen anspricht, dass sein Klub es vielleicht etwas zu weit getrieben hat.

Hoeneß: "Sicherlich grenzwertig"

"Das ist sicherlich grenzwertig, was wir gemacht haben bis jetzt. Wir werden sicherlich weiter diese Reisen machen. Aber ob man unbedingt vier Spiele in zwölf Tagen machen sollte mit einer Reise in ein anderes Land noch, das wird sicherlich auf den Prüfstand kommen", resümierte der Bayern-Patron in Singapur.


Der Stadtstaat ist nach China die zweite Station der Reise, an deren Ende die Bayern-Stars insgesamt 23.000 Flugkilometer hinter sich haben werden.

Die langen Flüge gehen an die Substanz. Genau wie das feucht-tropische Wetter. 32 Grad im Schatten und 61 Prozent Luftfeuchtigkeit herrschten beim 0:4-Debakel gegen den AC Milan am vergangen Samstag. In Singapur ist es mindestens genauso heiß, die Luftfeuchtigkeit liegt allerdings sogar bei bis zu 80 Prozent.

Bei solchen Bedingungen ist jeder Sprint, jeder Zweikampf eine Überwindung. Viele Spieler machen den Eindruck, als würden sie vor dem Saisonstart schon auf dem Zahnfleisch gehen.

Thiago und Bernat verletzt

Aus Deutschland meldete sich bereits Trainer Ralph Hasenhüttl von Vizemeister RB Leipzig warnend zu Wort: "Ich finde es schon krass, was den Spielern bei solchen Reisen zugemutet wird", meinte der Österreicher.

Der Wert der Reise ist mit Blick auf eine effektive Saisonvorbereitung sicherlich fragwürdig.


Thiago zog sich eine Blessur an der Wade zu und kehrte vorzeitig heim, genauso wie Juan Bernat, der sich gegen Milan verletzte. Mats Hummels musste zudem wegen einer Erkältung einen Marketingtermin vorzeitig beenden. Potenzielle Stammkräfte wie Manuel Neuer, Arjen Robben, Arturo Vidal, Jerome Boateng oder Joshua Kimmich flogen gar nicht erst mit.

Taktische Feinheiten für den Kampf um das Triple kann Trainer Carlo Ancelotti in Asien also nicht einüben. Als Teambuilding-Maßnahme taugt die stressige Tour auch nur bedingt.

Auftritte lassen Image leiden

Die Asienreise droht sogar gleich zum doppelten Flop zu werden: Neben den körperlichen Problemen leidet gerade auch das sportliche Image der Bayern ein wenig.


Die bisherigen Leistungen auf dem Platz dürften kaum chinesische Fans zum Trikotkauf animiert haben. Gegen Arsenal verloren die Bayern nach einer müden Vorstellung im Elfmeterschießen, gegen Milan wurde die Mannschaft streckenweise regelrecht vorgeführt.

Nächster Test gegen Chelsea

"Man hat die Strapazen gemerkt", hatte Rummenigge danach eingestanden. Und deutlich gemacht, dass es für den Klub durchaus ein Problem wäre, wenn sein Klub den missratenen Eindruck nicht korrigiert - Testspiel hin, Testspiel her: "Jetzt müssen wir schauen, dass wir in Singapur zwei gute Spiele haben."

Als nächstes wartet nun aber auch noch ein Gegner, der die Bayern an eine der dunkelsten Stunden der Vereinsgeschichte erinnert: Am Dienstag geht es gegen den FC Chelsea (ab 13.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1). Den Klub, der ihnen 2012 das legendäre "Finale dahoam" verdorben hat.


Der englische Meister, bei dem erstmals 80-Millionen-Neuzugang Alvaro Morata im Sturm auflaufen könnte, war von 2009 bis 2011 Arbeitgeber von Bayern-Coach Ancelotti.

Nach der Abreibung gegen Milan könnte es für den Italiener also gleich das nächste unangenehme Wiedersehen mit einem Ex-Klub werden.