Bayer poliert die Bilanz

Der Verkauf weiterer Covestro-Anteile bringt den Leverkusenern 1,2 Milliarden Euro für den Schuldenabbau. Bayer hält noch 31,5 Prozent an der ausgegliederten Kunststoffsparte, profitiert aber weiter von deren Gewinnen.


Die Bayer AG hat über Nacht ein weiteres Aktienpaket am Kunststoffhersteller Covestro bei institutionellen Investoren platziert. Die rund 19 Millionen Aktien gingen zum Preis von je 63,25 Euro über den Tisch und brachten Bayer damit rund 1,2 Milliarden Euro in die Kasse. Bayer-Chef Werner Baumann unterstreicht damit, dass er mit der zügigen, kompletten Trennung vom früheren Konzernteil Material Science nun Ernst macht.
Bayer hatte die Sparte im Oktober 2015 ausgegliedert und unter dem Namen Covestro an die Börse gebracht. Anfangs hielt der Konzern noch mehr als 60 Prozent der Anteile. Doch seit dem Frühjahr treibt Baumann den Ausstieg voran. Der Dienstagnacht abgeschlossene Verkauf eines Pakets über 9,4 Prozent an Covestro war bereits die dritte Aktion dieser Art in diesem Jahr. Bayer schlug erstmals Ende Februar 2017 Aktien los, dann im Juni und nun im September. Das Management wartete immer genau die drei Monate Stillhaltefrist ab, zu der es nach jedem Anteilsverkauf verpflichtet ist.

Nach dem neuerlichen Verkauf hält Bayer direkt nur noch 31,5 Prozent an Covestro. Dennoch wird der Konzern die ausgegliederte Tochter weiter konsolidieren. Im ersten Halbjahr war der Kunststoffhersteller einer der wesentlichen Gewinntreiber für die Leverkusener. Der bereinigte operative Gewinn von Covestro stieg von Januar bis Juni um 61,3 % auf 1,69 Milliarden Euro. Da das Chemiegeschäft weiter brummt, wird Covestro in diesem Jahr wohl einen unerwartet hohen Rekordgewinn einfahren.


Baumann braucht diese Milliardenbeiträge, denn das operative Geschäft in den Kernsparten Consumer Health (rezeptfreie Mittel) und Crop Science (Agrarchemie) lief zuletzt nicht rund. Es überrascht zwar, dass Bayer mit einem Anteil von nur noch 31,5 Prozent Covestro weiter voll in die Konzernbilanz aufnehmen kann. Doch das ist rechtlich möglich.

Entscheidend ist laut Bilanzstandards und Rechtsprechung für eine Vollkonsolidierung nicht ein Mehrheitsanteil an einem Unternehmen. Es zählt die faktische Beherrschung – und die zeigt sich etwa durch die Dominanz auf der Hauptversammlung. Bayers Pensionsfonds hält rund neun Prozent an Covestro, zusammen kommen die Leverkusener also auf 40 Prozent. Der Konzern geht davon aus, dass er damit auf der Covestro-Hauptversammlung noch immer das Sagen hätte. Möglich ist dies, weil auf Hauptversammlungen zumeist nicht mehr als 60 Prozent des Kapitals vertreten sind.


Es ist aber absehbar, dass Bayer bis zur nächsten Covestro-Hauptversammlung den Anteil weiter deutlich senken wird. Sie findet im April 2018 statt. Bis dahin will Bayer die Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto unter Dach und Fach haben und die Finanzierung starten. Die Aktienmärkte werden für den 66 Milliarden Dollar teuren Deal über eine rekordverdächtige Ausgabe neuer Bayer-Aktien angezapft.

Das Geld aus dem Covestro-Ausstieg fließt zwar nicht direkt in die Finanzierung der Monsanto-Übernahme. Doch poliert Baumann schon jetzt die Bilanz: Schon die Einnahmen aus den letzten beiden Anteilsverkäufen flossen in den Schuldenabbau. Dafür dürfte Bayer auch die aktuellen 1,2 Milliarden Euro verwenden. Bis zum 30. Juni 2017 hat der Konzern seine Nettoverschuldung bereits auf 9,4 Milliarden Euro gedrückt.