Bei Bayer kommt’s diesmal wohl anders: Der Tag mit Bloomberg

(Bloomberg) -- In den vergangenen Jahren war es immer dasselbe mit Bayer. Ein kritischer Investor kauft sich ein, drängt auf Ablösung von Konzernchef Werner Baumann und fordert die Zerschlagung. Es gibt ein Kursfeuerwerk, Bayer beschwört den offenen Dialog mit Investoren, und letztlich passiert... nichts.

Nach Elliott und Temasek versuchen es nun also die US-Aktivistenlegende Jeff Ubben und die kleine Bluebell. Auch der Langzeitaktionär Union Investment wagt sich mit Kritik aus der Deckung. Warum sollte diesmal irgendetwas anders laufen?

Tatsächlich gibt es dafür mehr Gründe als es scheint. Erstens spricht Bluebell vielen Investoren aus der Seele, die selbst leiser auftreten. Viele Fonds sind seit Jahren fassungslos darüber, dass sich bei Bayer trotz offenkundiger Wertvernichtung nichts ändert. Zweitens stößt der Fonds in eine offizielle Umbruchphase, da die Suche nach einem Nachfolger für den letztlich glücklos gebliebenen Baumann bereits läuft. Das macht auch Aufsichtsratschef Norbert Winkeljohann druckempfindlicher.

Und schließlich liegt die Forderung nach Vereinfachung von Konglomeraten in der Luft. Bestes Beispiel in Deutschland ist Fresenius, wo Elliotts Engagement bereits anfängt Wirkung zu zeigen. Vielleicht bleibt es diesmal also nicht bei einem Strohfeuer.

AKTUELLE MELDUNGEN:

  • Adler hat sich eigenen Angaben zufolge mit einer ausreichenden Zahl Anleihegläubigern auf eine Änderung der Anleihebedingungen geeinigt. Unterdessen will KPMG die gerichtliche Bestellung zum Adler-Abschlussprüfer nicht annehmen.

  • Bundeskanzler Scholz befürwortet die Schaffung gemeinsamer EU-Finanzierungsinstrumente als Antwort auf die wachsenden US-Subventionen für grüne Technologien.

  • Mit einer Aufwertung von bis zu 1,2% hat der Euro am Mittwoch erstmals seit Juli wieder die Wechselkursparität zum Franken erreicht.

  • Die Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile US erwägt offenbar eine Übernahme des Mobilfunkanbieters von Ryan Reynolds.

  • Die Schweizer Börse untersucht mögliche Verstöße gegen Adhoc-Pflichten bei Clariant.

  • FTX-Berater finden $5 Mrd. Cash und flüssige Kryptowerte.

ANALYSEN:

  • Bei den morgigen EZB-Zahlen zur TLTRO-Rückzahlung rechnen Volkswirte mit einem Volumen von 213 Milliarden Euro, wobei die Prognosen stark auseinander gehen.

  • Die Marktschwankungen und die Zinserhöhungen, die den US-Banken im vergangenen Jahr ihre größten Gewinne beschert haben, könnten sich 2023 als ihr größtes Problem erweisen.

AKTIENMÄRKTE | Die Börsen in Asien gehen im Vorfeld der heutigen US-Inflationsdaten seitwärts. An der Börse Hongkong stehen Technologiewerte unter Druck, nachdem sie sich jüngst stark entwickelt hatten. Die Wall Street schloss am Mittwoch fest. Händler setzen darauf, dass sich die Inflation abschwächt. Dies würde die Argumente für eine künftig weniger aggressive Geldpolitik der Fed stärken. Diese Aussicht wog am Aktienmarkt schwerer als das Risiko, dass die Berichtssaison Druck auf die Unternehmensergebnisse belegen dürfte.

RENTENMÄRKTE | Am europäischen Rentenmarkt kam es am Mittwoch zu einer Rally. Italien-Anleihen waren so gesucht wie seit einer Woche nicht mehr angesichts der Bloomberg-Nachricht, dass sich Olaf Scholz für die Schaffung gemeinsamer EU-Finanzierungsinstrumente für grüne Investitionen einsetzen will. Der BTP-Bund-Spread schrumpfte auf den geringsten Wert seit April. Heute zapfen sowohl Italien als auch Spanien den Primärmarkt an. Bei den US-Verbraucherpreisdaten für Dezember steht die Kerninflation im Fokus. Volkswirte rechnen hier mit 5,7%, einem Wert unter dem Vormonatswert von 6% aber freilich noch deutlich über dem Zielwert der Fed. Dies könnte die US-Notenbank bestärken, die Zinsen längere Zeit auf höherem Niveau zu lassen.

ROHSTOFFMÄRKTE | Einen Preissprung von rund 3% gab es am Mittwoch im Ölhandel. Schub brachte anziehende Rohölnachfrage aus China angesichts der bevorstehenden Feierleichkeiten zum Mond-Neujahr. Heute konsolidiert der Markt die Gewinne. Der Goldpreis legt nach der gestrigen Seitwärtsbewegung weiter zu. Im Fokus stehen die US-Inflationszahlen.

TERMINE AM DONNERSTAG

  • Quartalszahlen Europa: Südzucker Q3, OMV Trading Update Q4, Marks & Spencer Trading Update Q3

  • 10:00 EZB veröffentlicht Ergebnisse der Konsumentenumfrage und Wirtschaftsbericht

  • US-Konjunkturdaten: Erstanträge Arbeitslosenhilfe, Verbraucherpreise, Realeinkommen (14:30)

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