Bayer hat mit Bluebell weiteren Aktivisten an Bord, der auf Zerschlagung drängt

(Bloomberg) -- Die Aktien der Bayer AG stiegen am Mittwoch, nachdem bekannt wurde, dass der aktivistische Investor Bluebell Capital Partners eine Beteiligung aufgebaut hat und auf eine Aufspaltung des Pharma- und Agrarchemiekonzerns drängt.

Bluebell will informierten Kreisen zufolge bei Bayer auch einen neuen, unabhängigen Aufsichtsratschef. Der Investor habe in den vergangenen Monaten bereits hinter den Kulissen mit dem Aufsichtsrat gesprochen, hieß es. Die Größe seines Anteils an Bayer hat Bluebell nicht offengelegt.

Das Hauptziel des Aktivisten sei eine Trennung von Bayers Crop-Science-Geschäft von der Pharmasparte, berichten Kenner der Situation. Der Aktie könnte dies mehr als 70% Aufwärtspotenzial bescheren, so das Argument. Bluebell wolle auch, dass der Konzern einen Verkauf oder einen Börsengang seiner Sparte Consumer Health prüft.

Bayer kletterten in Frankfurt um bis zu 4,2% und standen um 17:10 Uhr noch 3,7% höher auf dem Kurszettel, der höchste untertägige Kurs seit November. Seit Beginn des noch jungen Jahres haben die Papiere bereits 16% zugelegt.

Bayer-Chef Werner Baumann steht seit der Übernahme des Agroriesen Monsanto unter dem Druck der Aktionäre. Immer wieder wird dabei auch eine Aufspaltung des komplexen Konzerns gefordert, so etwa auch von dem Aktivisten Elliott Investment. Am Montag gab Jeff Ubbens Inclusive Capital Partners eine Beteiligung von 0,8% am Konzern bekannt.

Die 63 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Monsanto wurde für Bayer schnell zu einem juristischen Problem. Das Unternehmen hat geschätzte 16 Milliarden Dollar zurückgestellt, um Klagen abzudecken, in denen behauptet wird, dass das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Roundup Krebs verursacht.

Angesichts der Monsanto-Prozesse ist der Aktienkurs von Bayer gegenüber dem Stand vor der Übernahme um etwa die Hälfte gefallen. Baumann beharrt darauf, dass die derzeitige Struktur des Unternehmens die richtige ist.

Ein Vertreter von Bluebell lehnte eine Stellungnahme ab. Ein Sprecher von Bayer erklärte, das Unternehmen sei stets zu einem konstruktiven Dialog mit Interessensgruppen bereit. Darüber hinaus wollte er sich nicht zum Thema äußern.

Auch einer der langjährigen deutschen Bayer-Investoren sagte, dass die Leverkusener den Verkauf ihrer Consumer-Health-Sparte in Betracht ziehen sollten.

“Ein ‘Weiter so’ ist keine Option mehr”, erklärte Markus Manns, Portfoliomanager bei Union Investment, per E-Mail. Manns macht einen “toxischen Mix” von Herausforderungen für das Unternehmen aus. Im Gegensatz zu den Aktivisten Bluebell und Inclusive Capital ist Union ein langfristig orientierter Investor, der Baumann während des umstrittenen Monsanto-Deals und dessen Nachwehen zur Seite stand.

“Für eine Zerschlagung ist es zu früh”, sagte Manns. “Ein externer neuer CEO hätte den Charme, unbelastet starten zu können.”

Überschrift des Artikels im Original:Activist Bluebell Said to Build Bayer Stake in Breakup Push (2)

--Mit Hilfe von Liana Baker und Tim Loh.

(Ergänzt um Kommentar von Union Investment)

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