Bayer-Aktie mit gutem ersten Quartal 2020 und 1 Personalie, aber wie geht es nun weiter?

Christof Welzel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Bayer (WKN: BAY001) konnte in den letzten Tagen über ein gutes erstes Quartal 2020 berichten, obwohl aufgrund der Coronaviruskrise auch schlechtere Zahlen möglich gewesen wären. Der Konzern konnte bisher sogar eher von der Krise profitieren, denn viele Menschen kauften vermehrt frei verkäufliche Consumer-Health-Produkte auf Vorrat ein.

Bayer profitiert derzeit von allen Sparten

Insgesamt stieg der Umsatz wertpapier- und portfoliobereinigt um 6,0 % und in absoluten Zahlen um 4,8 % auf 12.845 Mio. Euro. Der operative Gewinn vor Sondereinflüssen wuchs um 10,2 % und in absoluten Zahlen um 40,4 %. Bei Letzterem wirkten sich vor allem die von 1.043 auf 639 Mio. Euro gesunkenen Sonderaufwendungen für Restrukturierungs-, Rechtsberatungs- und Monsanto-Integrationskosten positiv aus. Unterm Strich verbuchte Bayer einen Gewinn in Höhe von 1.489 Mio. Euro und damit 20,00 % mehr als im Vorjahr.

Regional machte sich die Krise bisher nur in Asien/Pazifik bemerkbar, wo der Umsatz um 0,5 % sank. Aktionäre können sich zudem über eine hohe Dividende von 2,80 Euro je Aktie freuen, was derzeit einer Dividendenrendite von 4,4 % entspricht (28.04.2020). Verglichen mit vielen anderen Konzernen wie beispielsweise Lufthansa (WKN: 823212) oder TUI (WKN: TUAG00), die gerade um ihr Überleben ringen, ist Bayer, trotz aller Kritik, kein schlechtes Investment.

Auch die viel gescholtene Crop Science (Agrar)-Sparte konnte sich gut behaupten. Sie legte beim Umsatz um 6,1 % und beim operativen Gewinn vor Sondereinflüssen um 11,6 % zu. Sowohl bei Maissaatgut- und Pflanzeneigenschaften als auch bei Insektiziden und Fungiziden stieg der Bedarf. Vorgezogene Käufe infolge von Covid-19 führten zu einem Umsatzanstieg. Bayer profitiert in dieser Sparte darüber hinaus von Kostensenkungsmaßnahmen.

Im Pharmasegment verbesserte sich der Umsatz bereinigt um 3,9 %, während der operative Gewinn vor Sondereinflüssen um 11,9 % zulegte. Der Absatz kletterte deutlich um 6,7 %, während es bei den Preisen mit –2,8 % eine negative Entwicklung gab.

Consumer Health verbuchte mit bereinigten 13,5 % das größte Umsatzplus. Der operative Gewinn vor Sondereinflüssen verbesserte sich um 5,8 % und absolut um 45,3 %. Bayer profitierte hier von Vorratskäufen und wirksamen Restrukturierungsmaßnahmen.

Urgestein gibt Leitung ab

Werner Wenning verbrachte 54 Jahre seines Lebens bei Bayer. Von 2002 bis 2010 war er Vorstandsvorsitzender und seit Oktober 2012 Vorsitzender des Aufsichtsrates. Er geht nun in Rente. Auf ihn folgt Prof. Dr. Norbert Winkeljohann, der bis Juni 2018 Vorstandsvorsitzender von PricewaterhouseCoopers Europe war.

Doch wie geht es nun mit dem Konzern weiter?

Bayer hat im Zuge der Viruskrise umfangreiche Kontroll- und Schutzmaßnahmen eingeführt, um seinen Betrieb weiter aufrechtzuerhalten. Das aktuell wohl größte Thema für den Konzern ist aber weiterhin die Glyphosatklagewelle. Entsprechende Rechtsverhandlungen sind derzeit in den USA aufgrund der Pandemie ins Stocken geraten. Hier könnte es aber im Laufe des Jahres durchaus noch zu einer Einigung kommen.

Bayer wird einem Ergebnis allerdings nur dann zustimmen, wenn es für die Zukunft Rechtssicherheit garantiert und somit keine neuen Ansprüche angemeldet werden können. Sehr wahrscheinlich wird es hier am Ende zu einem Vergleich in Milliardenhöhe kommen, wobei 8 bis 10 Mrd. US-Dollar gehandelt werden.

Welche Auswirkungen die Viruskrise im weiteren Jahresverlauf auf die Geschäfte haben wird, kann Bayer bisher noch nicht darlegen. Alles hängt von der weiteren Nachfrageentwicklung, der Lieferkettenstabilität und von einem ungehinderten Zugang zu Finanzierungen und dem Kapitalmarkt ab.

Ein Knackpunkt für Bayers Zukunft ist gerade in der aktuellen Krise die hohe Nettofinanzverschuldung von 35,4 Mrd. Euro. Je nachdem, wie sich die Krise weiterentwickelt, könnte sie noch zu einem Problem werden. Sollte diese schwierige Phase allerdings überwunden werden, besitzt die Bayer-Aktie aufgrund der tiefen Bewertung Potenzial.

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Christof Welzel besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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