Er baute Detlef D. Soosts Fitnessportal auf, jetzt gründet er ein Nachhilfe-Startup

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Fredrik Harkort war erst TV-Produzent, hat dann Menschen "sexy gemacht" und startet jetzt ein neues Edtech.
Fredrik Harkort war erst TV-Produzent, hat dann Menschen "sexy gemacht" und startet jetzt ein neues Edtech.

Mit Detlef D. Soost und dem Diätprogramm I make you sexy hat er Menschen fit gemacht, jetzt will er Kinder cleverer machen: Der Fernsehproduzent und Bodychange-Gründer Fredrik Harkort hat mit Cleverly ein neues Edtech-Startup gegründet. Damit will er Schülern nicht nur digitale Nachhilfe ermöglichen, sondern ihnen auch einen Coach für Lernorganisation zur Seite stellen.

Auf der Plattform vermittelt Cleverly Online-Nachhilfestunden. Ähnlich wie beim Wiener Startup Gostudent, das gerade erst zum Unicorn aufgestiegen ist, können Eltern für ihre Kinder Einzelstunden buchen. Ein Tutor hilft den Schülern dann dabei, ihren Schulstoff nachzuholen und aufzuarbeiten. Das Prinzip folgt klassischer Schülerhilfe, nur eben digital. Doch weil das Prinzip der Online-Nachhilfe nicht neu ist, will Cleverly seinen Kunden noch mehr bieten.

Die Kinder bekommen neben Nachhilfe auch Coaching

Zusätzlich zu den Tutoren hat das Edtech Mentoren angestellt, die die Kinder bei ihrer Lernmotivation und Organisation unterstützen sollen. Diese Mentoren sind ausgebildete Pädagogen. Statt über Mathe und Physik sprechen sie mit den Kindern und Eltern darüber, warum den Kindern das Lernen schwerfällt und geben Tipps, wie der Zugang zu neuem Unterrichtsstoff leichter gelingen kann. Auch Probleme wie Prüfungsangst sollen so adressiert werden. „Wir haben festgestellt, dass Kindern allein mit Nachhilfe oft nicht geholfen ist“, sagt Cleverly-Gründer Harkort im Gespräch mit Gründerszene.

Gegründet hat Harkort das Startup zum Jahreswechsel gemeinsam mit dem Investor Björn Jopen, Mike Gerhardt und Philipp Grassinger. Für die Idee ihrer Lernplattform überzeugten die Gründer im April bekannte Angel-Investoren in einer Pre-Seed-Runde. Die Business Angels, darunter Verena Pausder, die für ihren Enthusiasmus für digitales Lernen bekannt ist, Amorelie-Gründerin Lea-Sophie Cramer so wie die Flixbus-Gründer haben insgesamt etwa eine Million Euro in das junge Edtech-Startup gesteckt. Laut Cleverly-Chef Harkort stehe man gerade für eine nächste Seed-Runde in den Verhandlungen mit weiteren Investoren.

Harkort steckt hinter Imakeyousexy.com

„Ich bin anders als die meisten Gründer“, sagt er im Gespräch mit Gründerszene und spielt dabei auf sein Alter an. Der Berliner ist 42 Jahre alt und glaubt, er falle deswegen aus dem Raster eines Startup-Unternehmers. Allerdings ist Cleverly nicht das erste Startup des Gründers. Vor zehn Jahren hat er das bekannte Fitness- und Lifestyle-Programm Bodychange – besser bekannt als Imakeyousexy.com mit Tanztrainer Detlef D. Soost aufgebaut.

Mit Bodychange hat Harkort gleich zwei Mal einen millionenschweren Exit geschafft. Zunächst verkauften er und seine Mitgründer 90 Prozent des Unternehmens an das Medienunternehmen Ströer, bevor Harkort und seine Frau Julia das Unternehmen zurückkauften. Zwei Jahre lang führten sie das Portal weiter und verkauften es schließlich erneut. Bevor der Berliner sein erstes Startup gründete, war Harkort als TV-Produzent tätig, unter anderem für die Formate Germanys Next Topmodel, die Super Nanny und Popstars, wo der Gründer auch Detlef D. Soost kennenlernte. Dass der einstige TV-Produzent seine Arbeit heute digitaler Bildung widmet, scheint mit Blick auf seine Karriere erst einmal ungewöhnlich.

„Ich will keine Plattform für 1er-Schüler bauen“

Harkort und seine Frau haben zwei schulpflichtige Kinder, die Idee sei daher aus dem eigenen Bedarf heraus entstanden. Harkort als Vater sei selbst damit überfordert, seine Kinder richtig bei den Schulaufgaben zu unterstützen. Pädagogen und Tutoren könnten das viel besser als er, sagt der Gründer. „Ich will keine Plattform für 1er-Schüler bauen.“ Erfolg ließe sich nicht nur in Schulnoten messen.

Der Bedarf nach digitaler Nachhilfe hat seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie zugenommen. Der Edtech-Markt, der bislang immer als winzige Nische in der Startup-Szene galt, boomt seither. Das lässt sich daran beobachten, dass die Anzahl der Investments und die Zahl der Neugründungen im Edtech-Bereich im Vergleich zu den vorigen Jahren zugenommen hat. Dass der Umsatz des Konkurrenz-Startups von Cleverly, das gut finanzierte Wiener Startup Gostudent, in den vergangenen zwölf Monaten um 700 Prozent gestiegen ist, spricht ebenfalls für die erhöhte Nachfrage nach digitaler Nachhilfe.

Hinkt ein Vergleich mit Gostudent?

Mit dem Unicorn von Gründer Felix Ohswald vergleicht sich Harkort gerne. „Wir wollen ähnlich große Finanzierungsrunden wie Gostudent abschließen“, sagt er. Allerdings: Der Wiener Anbieter hat einen deutlichen Marktvorsprung und verfolgt ein leicht skalierbares Modell. Die Nachhilfelehrer sind bei Gostudent nur auf Freelancer-Basis angestellt. Die Mentoren, die das Alleinstellungsmerkmal von Cleverly ausmachen sollen, werden bei dem jungen Startup festangestellt, sodass ein deutlich aufwendigerer Recruiting-Prozess nötig ist.

Dass es Cleverly im Vergleich zum österreichischen Vorreiter deswegen womöglich schwerer haben könnte, schnell zu wachsen, weiß der Gründer aber zu entkräften. Dafür wolle man auf ein breit aufgestelltes Sales-Team verzichten. Die Pädagogen sollen stattdessen selbst Kunden suchen und interessierten Eltern das Produkt verkaufen.

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