Baustoffriese Lafarge-Holcim verzeichnet Milliardenverlust

Die französische Justiz erhöht den Druck auf den Zementhersteller Lafarge wegen des Verdachts auf Finanzierung syrischer Extremisten: Gegen den international tätigen Konzern wurde am Donnerstag ein Ermittlungsverfahren eingeleitet

Der internationale Baustoffriese Lafarge-Holcim ist tief in die roten Zahlen gerutscht: Das Unternehmen mit Geschäftssitzen in der Schweiz und in Frankreich schrieb im vergangenen Jahr einen Verlust von 1,6 Milliarden Schweizer Franken (rund 1,4 Milliarden Euro), wie der Konzern in Zürich mitteilte. Der neue deutsche Chef Jan Jenisch soll die Bilanz kitten und den Skandal um Schutzgeldzahlungen an Dschihadisten in Syrien aufklären.

Grund für das hohe Minus ist nach Konzernangaben eine Neubewertung der Risiken in den einzelnen Ländern. Dies habe zu einer massiven Wertminderung geführt. Ohne diesen Sondereffekt wäre der Gewinn um gut elf Prozent gestiegen, betonte das Unternehmen. Im vergangenen Jahr hatte Lafarge-Holcim ein Plus von 1,7 Milliarden Franken erzielt.

Konzernchef Jenisch will nun nach eigenen Worten ein "schlankeres und agileres Unternehmen" formen. Zudem sollten bis 2022 Marktchancen besser identifiziert und genutzt werden. Lafarge-Holcim hat nach eigenen Angaben eine "führende Marktstellung im wachsenden Baustoffmarkt".

Der Konzern muss sich in Frankreich wegen des Verdachts der Finanzierung von Extremisten in Syrien und des Verstoßes gegen EU-Sanktionen verantworten. Die Justiz hatte deshalb im Dezember gegen drei Manager ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Konzernchef Eric Olsen erklärte in der Affäre seinen Rücktritt.

Der Konzern soll Schutzgelder unter anderem an die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gezahlt haben, damit ein Zementwerk in Dschalabija rund 150 Kilometer nordöstlich von Aleppo trotz des Syrien-Krieges in Betrieb bleiben konnte.