Baupreise mit stärkstem Anstieg seit neun Jahren

Bauen verteuert sich in Deutschland so stark wie seit mehr als neun Jahren nicht mehr. Der Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude kostete im Februar 4,0 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. „Das ist der höchste Anstieg der Baupreise seit November 2007 mit 5,8 Prozent“, teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit. Die Angaben beziehen sich auf Leistungen am Bauwerk einschließlich der Umsatzsteuer. Wohnungswirtschaft und Bauindustrie machten zuletzt vor allem Engpässe und eine Flut neuer Vorschriften für die Entwicklung verantwortlich.

Nicht nur für Wohnungen müssen Bauherren tiefer in die Taschen greifen, sondern auch für Bürogebäude. Hier zogen die Neubaupreise um 4,1 Prozent, ebenso für gewerbliche Betriebsgebäude. Der Straßenbau verteuerte sich sogar um 5,3 Prozent. Instandhaltungsarbeiten an Wohngebäuden kosteten 3,9 Prozent mehr als im Februar 2017.

Grund für die Teuerung ist das anhaltende Konjunktur-Hoch. Die Nachfrage ist enorm, Anfang 2018 betrug der Auftragsbestand der deutschen Bauindustrie 40,6 Milliarden Euro, einsamer Rekord. Nominell ist die Branche noch in der Lage, die Aufträge abzuarbeiten, es kommt aber zu immer mehr Verzögerungen, an verschiedenen Stellen der Dienstleistungskette fehlen Fachkräfte. Gerade Gebäudetechnik-Dienstleister werden knapp, auch Bautrupps zur Versorgung von Auftragsspitzen fehlen. Zu allem Überfluss gehen jetzt auch noch die Rohstoffe aus: Der Sand wird knapp. Es drohen Versorgungsengpässe.


Auch im privaten Bereich verschlechtert sich die Lage: Die Wartezeiten für Handwerker werden immer größer, bewusst zu hoch angesetzter „Abwehrangebote“ sind keine Seltenheit mehr. Vor allem öffentliche Stellen haben Probleme, überhaupt noch Anbieter für ihre Bauprojekte zu finden.

Das alles könnten Anzeichen einer Überhitzung sein. Noch können die Unternehmen die zurückgestellten Aufträge nach und nach abarbeiten. Sollte sich die Konjunkturlage ändern, könnte die Auftragslage aber schnell kippen. Wie beim Einbruch des Baubooms nach der Wiedervereinigung.