Bauern und Grüne warnen vor Kauf von Monsanto durch Chemiekonzern Bayer

Bundeskartellamtspräsident Andreas Mundt hat die harte Prüfung der Monsanto-Übernahme durch den Chemiekonzern Bayer verteidigt. "Immerhin handelt es um zwei große Unternehmen auf einem sehr komplexen Markt

Von Seiten der Landwirte und der Grünen mehrt sich die Kritik an der geplanten Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto durch den Chemiekonzern Bayer. Die Zeitung "Welt am Sonntag" zitierte aus einem Dossier der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), wonach die Interessenvertreter vor einer extremen Marktkonzentration bei Saatgut und Pestiziden und folglich vor steigenden Preisen und dem Wegfall von Saatgutsorten warnen.

Die als Drittpartei im Genehmigungsverfahren zugelassene AbL darf der EU-Kommission Stellungnahmen übermitteln und will der Zeitung zufolge am 9. Januar ein Gutachten vorstellen. Der Verband warnt in seinem Dossier vor Marktanteilen von bis zu 70 Prozent für die dominierenden Konzerne nach einem Zusammenschluss von Bayer und Monsanto.

Die "wichtige Entscheidung", wer kontrolliere, was auf dem Acker wachse und letztlich auf dem Tisch lande, dürfe "nicht den Konzernen überlassen" werden, mahnte Annemarie Volling von der AbL.

Auch der Grünen-Europapolitiker Sven Giegold appellierte an die EU, die geplante Fusion nicht zu genehmigen. "Die Konzentration im Agrarbereich ist für fairen Wettbewerb unzuträglich", sagte er der "Welt am Sonntag".

Der Sektor für Agrochemie durchläuft derzeit eine starke Konsolidierung: ChemChina schluckte im Mai das Schweizer Chemieunternehmen Syngenta, im Juni gaben die US-Behörden grünes Licht für die Fusion der beiden US-Chemieriesen Dow Chemical und DuPont.

Umwelt- und Entwicklungsverbände warnen seitdem vor einer starken Monopolisierung. Zusammen mit Bayer und Monsanto würden dann nur noch drei Konzerne 70 Prozent des weltweiten Pestizidmarktes und mehr als 60 Prozent des kommerziellen Saatguts kontrollieren. Giegold sagte dazu der "Welt am Sonntag", dies bringe eine Marktkonzentration, "die das Gegenteil von sozialer Marktwirtschaft ist".

Bayers geplante Monsanto-Übernahme wird derzeit von Brüssel geprüft. Mitte Dezember wurde aus Verhandlungskreisen bekannt, dass die EU weitere Zugeständnisse verlangt, nachdem Bayer im Oktober bereits angekündigt hatte, im Zuge der Übernahme einen Teil seines Geschäfts mit Saatgut und Herbiziden an den Konkurrenten BASF abzugeben.

Gegen Monsanto gibt es auch deshalb Vorbehalte, weil das Unternehmen das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat sowie gentechnisch veränderte Pflanzen herstellt.