Warum Bauchfett bei schlanken Menschen gefährlich ist – und was ihr dagegen tun könnt

Hauptsache, niedriger BMI? Falsch, gerade bei schlanken Menschen bürgt Bauchfett gesundheitliche Risiken.
Hauptsache, niedriger BMI? Falsch, gerade bei schlanken Menschen bürgt Bauchfett gesundheitliche Risiken.

Bei dem Thema Gesundheit ist Gewicht nicht der einzige wichtige Faktor. Es gibt viele Menschen, die normal gewichtig sind, aber dennoch ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krankheiten, etwa Herzprobleme, aufweisen. Der umgangssprachliche Begriff dafür ist "skinny fat": In der Medizin spricht man von "normal gewichtig, aber trotzdem ungesund".

"Skinny fat" ist zwar nicht der körperfreundlichste Ausdruck, bezeichnet aber einen Zustand, bei dem das Körpergewicht beziehungsweise der Body-Mass-Index (BMI) einer Person im normalen Bereich liege, ihr Körperfettanteil aber relativ hoch sei, erklärt Glenn Gaesser, Professor für Trainingsphysiologie an der Arizona State University. Er erforscht, wie sich Ernährung und Bewegung auf die Herz- und Kreislaufgesundheit auswirken. Hier erfahrt ihr, woran ihr erkennt, ob ihr "skinny fat" seid – und falls ja, wie ihr eure Gesundheit verbessern könnt.

Was ist "skinny fat"?

Wenn man dünn ist, aber gleichzeitig einen hohen Fettanteil hat, ist dies für den Stoffwechsel ungünstig. Eine schlechte Stoffwechselgesundheit bedeutet, dass euer Blutdruck und eure Cholesterinwerte hoch sind, was das Risiko von Herzkrankheiten erhöht.

Fünf Messwerte für die Stoffwechselgesundheit

  • Triglyzeridspiegel: Triglyzeride sind eine Art von Fett, das im Blut vorkommt. Ein normaler Bereich für Triglyzeride liegt bei weniger als 150 Milligramm pro Deziliter (mg/dL).

  • High-Density-Lipoprotein (HDL)-Werte: auch das "gute" Cholesterin genannt. Ein gesunder HDL-Wert liegt bei 60 Milligramm pro Deziliter (mg/dL) oder höher.

  • Blutdruck: Damit ist der Druck in den Arterien gemeint. Ein normaler Blutdruckwert liegt unter 120 zu 80 mmHg.

  • Hoher Blutzucker: Wenn der Blutzucker über 130 Milligramm pro Deziliter liegt, nachdem ihr acht Stunden lang nichts gegessen oder getrunken habt, spricht man von einem hohen Blutzuckerwert.

  • Überschüssiges Bauchfett: Es sei schwierig, allein anhand des Aussehens einer Person festzustellen, ob sie einen ungesunden Stoffwechsel habe oder nicht, sagt Gaesser. Es gebe jedoch einige Verhaltensweisen und Lebensgewohnheiten, die das Risiko erhöhen könnten, "skinny fat" zu werden.

Dazu zählt etwa Bewegungsmangel: Eine bewegungsarme Lebensweise erhöht laut Gaesser das Risiko einer geringen Muskelmasse und eines hohen Fettanteils. Ältere Menschen hätten außerdem ein höheres Risiko für einen schlechten Stoffwechsel, weil sie mit zunehmendem Alter an Muskelmasse verlören.

Auch ungesunde Ernährung kann das LDL-Cholesterin (Low Density Lipoprotein) erhöhen. Das ist die "schlechte" Art von Cholesterin, die das Risiko für Herzkrankheiten erhöht. Wenn ihr den Verdacht habt, dass euer Stoffwechsel schlecht ist, obwohl ihr ein "gesundes" Gewicht habt, solltet ihr mit eurem Arzt sprechen, sagt Krissy Maurin, leitende Wellness-Koordinatorin am US-amerikanischen Providence St. Joseph Hospital. Eine Blutuntersuchung zur Messung des Cholesterin- und Blutzuckerspiegels kann euch helfen, ein mögliches Risiko zu erkennen.

Gesundheitliche Folgen von "skinny fat"

Die gesundheitlichen Folgen von "skinny fat" ähneln denen, die mit Fettleibigkeit einhergehen, und umfassen unter anderem:

  • ein erhöhtes Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken

  • hohe Cholesterinwerte, die das Risiko von Herzerkrankungen erhöhen können

  • hoher Blutdruck

Laut einer Studie aus dem Jahr 2017 haben Menschen mit normalem Gewicht, aber ungesundem Stoffwechsel ein dreimal höheres Risiko für Herzkrankheiten als Menschen mit normalem Gewicht und gesundem Stoffwechsel.

Auch Menschen, die normal gewichtig sind, können also zu viel Fett am Körper haben – und vor allem, wenn sich dieses Fett in der Bauchgegend befindet, kann es das Krankheitsrisiko erhöhen, wie Forschungsergebnisse zeigen. Eine Studie aus dem Jahr 2018 ergab etwa, dass Frauen, die vor allem in der Körpermitte zugenommen haben, ein zehn bis 20 Prozent höheres Risiko für einen Herzinfarkt haben als Frauen, die insgesamt schwerer sind.

So werdet ihr von "skinny fat" zu fit

Krafttraining: Jede Art von körperlicher Betätigung verbessere euren Stoffwechsel, sagt Maurin. Dazu gehörten Yoga, Pilates, Gewichte heben oder Körpergewichtsübungen wie Liegestütze. Es helfe, zwei bis drei Krafttrainingseinheiten pro Woche durchzuführen, sagt Maurin.

Weniger verarbeitete Lebensmittel und mehr Vollwertkost: Vor allem ballaststoffreiche Lebensmittel wie Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und Obst können die Stoffwechselgesundheit verbessern.

Macht Aerobic-Übungen. Kontinuierliche aerobe Übungen von 30 bis 40 Minuten oder hochintensives Intervalltraining (HIIT) sind beide wirksam bei der Verbesserung der Stoffwechselgesundheit und der Verringerung des Bauchfetts. Das gelte auch dann, wenn keine signifikante Gewichtsabnahme vorliege, so Gaesser.

Dieser Text wurde von Lisa Ramos-Doce aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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