Bauboom: Baden-Württemberg muss Abfall in andere Länder karren

dpa-AFX

STUTTGART (dpa-AFX) - Die Bauwirtschaft in Baden-Württemberg hat im vergangenen Jahr Rekordumsätze erzielt. Die Entwicklung der Branche sei sogar noch besser als erwartet - und auch für 2018 seien die Aussichten gut, teilte die Landesvereinigung Bauwirtschaft am Mittwoch in Stuttgart mit. Dennoch kämpfe man auch mit Herausforderungen, sagte Verbandspräsident Bernhard Sänger. Da sei zum einen der Personal- und Fachkräftemangel und zum anderen das Problem Abfall. Es fehle an Deponien - die Firmen wüssten einfach nicht mehr, wohin mit den zig Millionen Tonnen Erde und Steinen.

Im Jahr 2016 machten Bau- und Abbruchabfälle nach Verbandsangaben mit fast 40 Millionen Tonnen rund 80 Prozent des gesamten Abfallaufkommens in Baden-Württemberg aus. Neuere Zahlen liegen noch nicht vor, aber da die Branche boomt, dürfte die Zahl im Jahr 2017 noch zugenommen haben. Das sorge für massive Probleme bei den Bauunternehmen, hieß es beim Verband. Die starke Bautätigkeit und zusätzliche Umweltschutzvorgaben stellten die Betriebe vor unlösbare Probleme. Etliche Baufirmen müssten inzwischen sogar bis nach Bayern und Rheinland-Pfalz fahren, weil sie den Abfall nicht mehr im Südwesten deponieren können.

"Dieser Abfalltourismus quer durch unser Land mit all seinen Umweltbelastungen ist der reinste Wahnsinn und muss endlich gestoppt werden", kritisierte Sänger. Er fordert von den Landkreisen ein sinnvolles Deponiekonzept - nicht zuletzt, weil die Knappheit die Gebühren für die Entsorgung sprunghaft nach oben getrieben habe. Mancherorts hätten die Gebühren sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. Und auch die Häuslebauer zahlen drauf: Bei einem normalen Einfamilienhaus würden für die Entsorgung des Erdhaushubs mittlerweile bis zu 30 000 Euro fällig, rechnete Sänger vor.

Die positive Seite des Booms ist das Wachstum der Branche. Bei den größeren Bauunternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten gab es nach Verbandsangaben bis November 2017 ein Umsatzplus von 15,8 Prozent. Insgesamt geht Sänger für 2017 mit einer branchenweiten Umsatzsteigerung von 8 Prozent auf 15,7 Milliarden Euro aus.

Auch 2018 sollen die Erlöse weiter auf hohem Niveau liegen. "Bis Jahresende rechnen wir mit einem Umsatzzuwachs von vier Prozent." Die Beschäftigtenzahlen seien ebenfalls gut: Sie hätten 2017 um 4,5 Prozent zugelegt und erstmals seit 15 Jahren wieder die Marke von 100 000 Beschäftigten erreicht.