Batshuayi kaschiert Stögers Probleme

Christoph Küppers
Michy Batshuayi feiert mit zwei Toren in Köln einen Traumeinstand für Borussia Dortmund

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht absolvierte Borussia Dortmunds Neuzugang Michy Batshuayi am Freitagabend seinen Interviewmarathon in den Katakomben des Kölner Stadions.

Begleitet von Klub-Dolmetscher Massimo Mariotti stand der 24-Jährige nach seinem ersten Spiel für Schwarzgelb Rede und Antwort. "Es war schwierig und schön: Wichtig sind einzig und allein die drei Punkte", sagte Batshuayi nach dem 3:2-Sieg beim 1. FC Köln pflichtbewusst bei Eurosport.

Mit etwas weniger Bescheidenheit könnte man es besser so ausdrücken: Batshuayis erster BVB-Einsatz war ein wahres Traumdebüt!

Batshuayi droht: "Will mich immer weiter verbessern"

Nach gerade einmal zwei Trainingseinheiten erzielte er zwei Tore in seinen ersten 90 Bundesliga-Minuten. Darüber hinaus erarbeitete sich der Neue eine Hand voll guter weiterer Gelegenheiten, ein Abseitstor wurde aberkannt.

Bei dieser Quote klingt folgende Batshuayi-Aussage fast eher wie eine Drohung: "Es war schon gut, aber ich will mich immer weiter verbessern!" (Die Stimmen zum Spiel)

Zweifelsfrei: Der Belgier verlieh dem Dortmunder Angriff in Köln endlich wieder die nötige Gefahr, die dem lahmenden Spiel in den vergangenen Wochen abhanden gekommen war. "Viel wichtiger als die zwei Tore: Er passt gut zu uns. Er ist ein Zentrumsstürmer, der auch in der Lage ist, mitzuspielen. Das ist schon ein richtig gutes Gesamtpaket", urteilte Trainer Peter Stöger unmittelbar nach dem Abpfiff.

Tatsächlich ackerte Batshuayi nicht nur in vorderster Front für die Dortmunder. Immer wieder arbeitete der Belgier auch nach hinten mit, störte etwa FC-Innenverteidiger Dominik Heintz gleich mehrfach entscheidend im Spielaufbau.

Stöger traut Batshuayi Topquote zu

Zwar wirkte Batshuayi dabei etwas behäbiger als sein prominenter und spritzigerer Vorgänger Pierre-Emerick Aubameyang – dieser wurde nach dem perfekten Einstand des "Sturmprinzen" (Ruhrnachrichten) aber gar nicht vermisst.


"Michy", wie der Neuzugang in der Mannschaft nur gerufen wird, war fast immer zur Stelle, wenn es im Kölner Strafraum gefährlich wurde. Er leitete diese Szenen teilweise sogar selbst ein. "Ich glaube, man hat gesehen, dass das für unsere Mannschaft ein richtig guter Spieler ist, der auch in Deutschland eine richtig gute Quote haben wird", sagte Stöger.

Der BVB-Trainer war nach dem ersten Sieg des Jahres sichtlich erleichtert, dass sein Team endlich wieder offensiv stattfand. Klar ist aber auch: Der hart erkämpfte Erfolg beim Tabellenletzten war für den hoch ambitionierten BVB sicher keine Vorstellung, die zum Schwärmen animiert. Sondern spiegelt letztlich nur die momentane Realität wider.

Auch Batshuayis grandioser Auftritt konnte nichts daran ändern: Die Schwarzgelben offenbarten auch gegen Köln wieder erhebliche Schwächen in Spielaufbau und Rückwärtsgang.

Defensiv-Probleme nicht behoben

Vor allem das defensive Umschaltspiel klappte teilweise überhaupt nicht. Mit einfachsten Bällen in die Schnittstellen sezierten zwar kämpferisch starke, aber spielerisch limitierte Kölner die BVB-Defensive ein ums andere Mal.

Dazu agierte die Stöger-Truppe in Hälfte zwei teilweise einen Tick zu passiv - etwa nach dem 2:2-Ausgleich der Kölner, als der Effzeh dem nächsten Tor deutlich näher war als die Dortmunder. 

Stöger, an dem das Spiel an alter Wirkungsstätte nicht spurlos vorbeiging ("Ein schwerer Tag für mich"), weiß dies: Der BVB-Coach ist seit Wochen keinesfalls zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft.

BVB helfen nur Siege

Für erhebliche Verbesserung kann er bislang aber nicht sorgen.

Der Trainer ist lange genug im Geschäft, um zu wissen: In der aktuellen Situation zählen nur Siege. Sonst drehen sich die Diskussionen nach Aubameyang bald wohlmöglich in Richtung des Trainers.

Nicht umsonst sagte Stöger deshalb am Freitagabend: "Wäre das Spiel schlecht für uns ausgegangen, wäre die Diskussion noch intensiver geworden. So sind wir wieder in Regionen, die mit der Champions League zu tun haben."

Das verschafft Stöger und dem BVB erst einmal eine Verschnaufspause. Vor allem dank Michy Batshuayi.