Basler: Das macht Heynckes besser als Ancelotti

Sebastian Mittag
Mario Basler (l.) spielte von 1996 bis 1999 beim FC Bayern

Mario Basler hat einen erneuten Ausflug in die Poker-Welt gewagt, trotzdem liegt Baslers Konzentration weiter auf dem Fußball.

SPORT1 traf den Trainer des Fünftligisten Rot-Weiss Frankfurt am Rande der World Series of Poker Europe, bei der sich Basler beachtlich gut geschlagen hat. 

Dabei sprach der frühere Nationalspieler über die neue Trainergeneration, seinen Ex-Verein FC Bayern, die Krise bei Borussia Dortmund und drohende Langeweile in der Bundesliga.

SPORT1: Fußballtrainer, SPORT1-Experte, Pokerspieler: Was ist denn aktuell ihre Berufsbezeichnung, Herr Basler?

Mario Basler: Ich weiß gar nicht, ob es da eine Berufsbezeichnung gibt. Ich bin da sehr flexibel. Ich habe keine Scheu vor neuen Herausforderungen. Kameras haben mich die letzten 25 Jahre begleitet, davor habe ich auch keine Angst. Ich weiß nicht – vielleicht bin ich gut in Multitasking (lacht). Und ich glaube, es ist auch gut, sich nicht nur auf eines zu spezialisieren. Viele verschiedene Projekte sind für mich wunderbar.

SPORT1: Aktuell sind Sie auch Trainer beim Fünftligisten Rot-Weiss Frankfurt, wie läuft es da?

Basler: Nicht gut. Aber das war auch nicht anders zu erwarten. Nur weil ich da jetzt hinkomme, wird da nicht über Nacht alles besser. Wir arbeiten daran, dass es besser wird und wollen noch ein paar Punkte holen. Aber das wird nicht einfach.

SPORT1: Wie lange wollen sie diesen Job machen?

Basler: Im Moment ist das Projekt begrenzt bis zum 9. Dezember. Und darüber hinaus muss man abwarten, was sich bis dann entwickelt.


SPORT1: Können Sie sich vorstellen, grundsätzlich weiterhin als Coach zu arbeiten?

Basler: Ja, natürlich! Alles ist vorstellbar. Das ist ja das, wofür ich mich eigentlich mal entschieden habe, als ich 2007 meinen Fußball-Lehrer gemacht habe.

SPORT1: Derzeit strömen vele junge Trainer in die Bundesliga, viele als Jahrgangsbeste...

Basler: Ja, das ist im Moment so modern, dass die Jahrgangsbesten irgendwo Trainer werden. Friedhelm Funkel hat es ja richtig gesagt: Auch die junge Generation muss sich erst einmal beweisen. Ob du dann Jahrgangsbester warst oder nicht, ist gar nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass die Mannschaft erfolgreich ist. Darauf muss jeder Trainer hinarbeiten.

SPORT1: Beim FC Bayern hat jetzt in Jupp Heynckes ein alter Hase für die Wende gesorgt. Was ist unter Carlo Ancelotti falsch gelaufen?

Basler: Ich kann nur beurteilen, was man aus der Ferne mitbekommt. Die Bayern haben mit Jupp Heynckes die beste Entscheidung getroffen. Er kennt die Mannschaft und den Verein in- und auswendig. Bei Ancelotti kann man nur spekulieren. Man kann nur das anhören, was die Spieler so von sich gegeben haben. Aber auch das muss ja nicht immer richtig sein. 

SPORT1: Haben Sie selbst in ihrer aktiven Zeit erlebt, dass eine Mannschaft gegen den Trainer gespielt hat.

Basler: Klar gehen Spieler mal zu den Bossen und beschweren sich über den Trainer. Aber dass eine Mannschaft bewusst gegen den Trainer spielt, ist für mich sehr schwer vorstellbar. Damit schneiden sich die Spieler ja auch ins eigene Fleisch. Sie erhalten keine Prämien und kommen nicht positiv in die Schlagzeilen.


SPORT1: Wie erklären Sie sich den Aufwärtstrend der Bayern unter Heynckes?

Basler: Sieben Spiele, sieben Mal gewonnen, keine schlechten Gegner darunter. Jupp weiß wahrscheinlich viel besser als Carlo Ancelotti, wie er mit den Spielern umgehen muss. 

SPORT1: Wie sehen Sie die Entwicklung bei Borussia Dortmund?

Basler: Die Situation ist sehr schwierig. Sie hatten fünf Punkte Vorsprung, jetzt sind sie sechs Punkte zurück. Sie hatten Verletzungspech, das haben andere Mannschaften auch. Das hat auch Bayern gehabt. Vielleicht kam für den BVB die Länderspielpause jetzt genau zum richtigen Zeitpunkt, um sich nochmal neu zu sammeln. Dann muss man hoffen, dass die Dortmunder irgendwie wieder in die Spur kommen.

SPORT1: Die Bayern stehen nach anfänglichen Problemen wieder souverän an der Spitze. Wird die Dominanz der Münchner langweilig?

Basler: Langweilig ist vielleicht zu hoch gegriffen. Vor vier Wochen war Dortmund noch der kommende Meister. Gefühlt hat sich jeder in Deutschland gefreut, als die Bayern fünf Punkte Rückstand auf Dortmund hatten. Jede Mannschaft hat eine Chance. Dortmund hat einen großen Etat, Schalke 04 hat einen erheblichen Etat. Und am Schluss werden die Bayern Meister. Das Schöne ist doch: Jeder will gegen Bayern gewinnen. Jeder freut sich, wenn Bayern verliert. Mir wird da nicht langweilig.