Basketball-EM: Deutsche Trümpfe gegen Frankreich

Robin Wigger

Die französische Nationalmannschaft gehört in diesem Jahrzehnt zum Besten, was die Basketball-Welt zu bieten hat.

Die Equipe Tricolore um NBA-Stars wie Tony Parker wurde 2013 Europameister und gewann bei der WM 2014 und der EM 2015 die Bronzemedaille. Aktuell peilt Frankreich das vierte EM-Edelmetall in Folge an.

Von solchen Erfolgen war Deutschland zuletzt weit entfernt. Im Achtelfinale der EM 2017 wartet nun ausgerechnet Frankreich auf das DBB-Team (Samstag, 14.15 Uhr im LIVETICKER, Highlights ab 21 Uhr LIVE im TV).

Klarer Favorit gegen Underdog? Goliath gegen David? Mitnichten! SPORT1 zeigt, warum das Viertelfinale für Deutschland locker drin ist.

Anführer Schröder gibt den Takt vor

Dennis Schröder hat sich endgültig zum europäischen Top-Star entwickelt. Hinter dem Slowenen Goran Dragic (24,4) ist Schröder mit 23,6 Punkten zweitbester Scorer des Turniers.

"Dennis ist unser herausragender Spieler und Anführer", sagte Power Forward Danilo Barthel bei SPORT1. Auch Hawks-Coach Mike Budenholzer ist voll des Lobes: "Dennis wächst und wird immer besser, während er hier bei diesem Turnier spielt."


Schröder zeigt sich als furchtloser Anführer aus, der seinen Worten Taten folgen lässt: "Wir dürfen vor niemandem Angst haben."

Dass er nebenbei 21.000 Euro Bargeld im Bus vergisst, lässt ihn kalt. In einer anderen Verlust-Kategorie sollte er aber mehr Vorsicht walten lassen. 24 Turnovers in fünf Spielen sind der Negativwert des Turniers.

Gegen Frankreich werden Fehler eiskalt bestraft, das weiß auch der scheidende Trainer Chris Fleming: "Für uns ist es wichtig, wie wir uns am Brett schlagen, wie diszipliniert wir in der Offensive sind."

Variabilität und Defense

Auch wenn Schröder im Fokus steht und der mit Abstand der beste Werfer ist: Deutschland überzeugt durch Variabilität und Tiefe.

"Wichtig ist, dass andere Spieler gut ins Spiel finden und Dennis entlasten", sagte Barthel bei SPORT1: "Durch unsere Tiefe fällt das jedes Spiel anders aus."

Gegen die Ukraine und Georgien überzeugte neben Schröder Kapitän Robin Benzing (17 und 15 Punkte), gegen Israel und Italien lieferten die Big Men Daniel Theis, Johannes Voigtmann und Barthel ab. Auch der künftige NBA-Profi Isaiah Hartenstein und Karsten Tadda setzen Akzente.


Auch die Defense sitzt. Nur 69,2 Punkte kassiert das deutsche Team, die gegen die beste Offensive des Turniers (90 Punkte pro Spiel) allerdings auf eine harte Probe gestellt wird. "Wir müssen uns defensiv steigern, um ihre sehr starken Offensiv-Spieler unter Kontrolle zu bringen. Nur mit guter Defense können wir das Spiel gewinnen", so Barthel.

Frankreichs Stars fehlen

Das EM-Team der Franzosen ist längst nicht auf dem Niveau vergangener Tage. Mit Parker, Nicolas Batum und Rudy Gobert sind die drei besten französischen Basketballer nicht mit von der Partie. Auch Center-Routinier Joakim Noah und Rookie-Guard Frank Ntilikina von den New York Knicks fehlen. So beendeten "Les Bleus" die Gruppenphase gerade mal auf Rang drei, während Deutschland Zweiter wurde.

Während der verletzte Parker als Anführer und Top-Scorer schmerzlich vermisst wird, macht sich das Fehlen von Gobert und Batum besonders in der Verteidigung bemerkbar.

Als neuer Go-to-Guy soll eigentlich Evan Fournier von den Orlando Magic fungieren. Doch nach 25 und 21 Punkten zu Beginn der Gruppenphase folgten drei Partien mit durchschnittlich 7,3 Zählern. Negativer Höhepunkt: Sein Ausraster gegen Slowenien, der ihm 2500 Euro Strafe einbrachte.

Schlechte Einstellung

Ohnehin scheint die Einstellung ein Problem zu sein. Zudem werden zu häufig individuelle Lösungen gesucht.

"Wenn du eins gegen fünf spielst oder nur zwei oder drei Spieler konzentriert verteidigen, funktioniert es nicht", sagte Euroleague-Star Nando DeColo (15,4 Punkte pro Partie).

81,5 Punkte kassiert das Team von Vincent Collet im Schnitt. "Wir haben zwei Tage Zeit, um das Basketballspielen wiederzulernen", sagte der ebenfalls NBA-erfahrene Center Kevin Seraphin.

Frankreich ist zwar erfahren und weiß, worauf es in K.o.-Spielen ankommt, blickt teilweise aber bereits auf ein mögliches Viertelfinale gegen Spanien. Dieser fehlende Fokus könnte ebenfalls für das DBB-Team sprechen, das die Franzosen bereits in der Vorbereitung beim 79:85 am Rande einer Niederlage hatte.

"Das ist ein nettes Los, und in Istanbul kann alles passieren. Jetzt müssen wir da sein", sagte Benzing. Fleming sprach von einer großen Herausforderung: "Wir haben sie vor zehn Tagen gesehen. Wir wissen, was auf uns zukommt. Wir sind gewachsen, müssen keine Angst haben und können selbstbewusst sein."